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Göttingen Volles Haus beim Adventsmarkt der Göttinger Werkstätten
Die Region Göttingen Volles Haus beim Adventsmarkt der Göttinger Werkstätten
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20:34 30.11.2019
Theater mit "Die Fizzies" beim Adventsmarkt der Göttinger Werkstätten. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Für viele Göttinger und Menschen aus dem weiten Umland ist der Adventsmarkt der Göttinger Werkstätten ein fester Termin im vorweihnachtlichen Kalender. Dass wie in den früheren Jahren auch in diesem Jahr wieder volles Haus sein würde, zeigte sich am Sonnabend bereits kurz nach der Eröffnung schon rund um die Einrichtung am Elliehäuser Weg. Kaum ein freier Parkplatz war zu finden, und auch in den verschiedenen Räumlichkeiten und Werkstätten herrschte reger Andrang.

Geboten wurde den Besuchern des inklusiven Adventsmarktes wieder ein abwechslungsreiches Programm unter anderem mit Comedy-Zauberei von Theo Retisch in seinem bunt gemusterten Anzug oder mit Weihnachtsgeschenken vom Mann im markanten rot-weißen Outfit.

Theaterstück mit den „Fizzies“

Fast ein Jahr lang haben sich die Mitglieder der Theatergruppe „Die Fizzies“ – Werkstattbeschäftigte und Bewohner der Einrichtung – auf ihre beiden Auftritte mit dem Stück „Die Engelbäckerei“ vorbereitet. Dabei galt für die sieben Mitspieler und drei Betreuer stets das Motto „Keiner ist perfekt“.

Kasperletheater, Kinderschminken, Korbflechten, Kerzenherstellen, kreative Spiele, Basteln und Luftballonmodellage – das alles hatte das Kinderprogramm zu bieten. Darüber hinaus, so erklärt Constanze von Uslar-Gleichen, Organisatorin des Marktes, erfreute sich auch die Tombola großer Beliebtheit. Gut zu tun hatte zum Beispiel Nils Dörge, einer der Losverkäufer. Viele Besucher des Adventsmarktes kauften ihm gleich mehrere bunte Lose ab, kommt der Erlös doch zu 100 Prozent den Göttinger Werkstätten zugute. Daraus solle beispielsweise das Freizeitangebot der Mitarbeiter mit Behinderung bereichert werden.

Volles Haus und viel Programm am Sonnabend, unter anderem mit inklusivem Theater und Comedy-Zauberei –und dazu eine breite Auswahl an Kunsthandwerk, Mode, Dekorativem und mehr.

Auch der Verkauf der selbst hergestellten Produkte fließt dem guten Zweck zu, wie die Organisatorin versichert. Dazu zählen zum Beispiel die in der Großküche hergestellten Fruchtaufstriche ebenso wie Grünkohl mit Bregenwurst als warme Mahlzeit. Das hat sich auch Jutta Zierenberg mit ihrer Begleiterin schmecken lassen. Die Göttingerin besucht nach eigenen Angaben jedes Jahr diesen Adventsmarkt. „Es ist eine schöne Atmosphäre hier“, argumentierte sie, „und es ist für den guten Zweck“.

„Viele Stammbesucher“

„Es kommen sehr viele Stammbesucher zu uns“, bestätigte von Uslar-Gleichen. Immerhin gebe es den Adventsbasar schon annähernd so lange wie die Einrichtung selbst. 1973 wurden die Göttinger Werkstätten gegründet. Der Adventsbasar sei eine Veranstaltung von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung – und für deren Familien. Etwa 2000 Besucher, so schätzt von Uslar-Gleichen, dürften es auch an diesem Sonnabend wieder gewesen sein.

Zu den Produkten, die von den Werkstattbeschäftigten und Bewohnern mit Behinderung angefertigt wurden, zählen dekorative Dinge aus Holz, Schmuck oder Werke, die in der Malgruppe entstanden sind. Zu den besonderen Produkten aus den Werkstätten zählen beispielsweise auch die leuchtenden Taschen an einem der Stände. Hier wurde ehemalige Jacken der Polizei einer neuen Bestimmung zugeführt – Upcycling, betont Werkstätten-Mitarbeiterin Anke Österheld.

Handarbeit aus den Werkstätten

Das meiste, was in den Werkstätten hergestellt werde, sei Handarbeit. Das wüssten die rund 150 Kunden der Göttinger Werkstätten zu schätzen, sagte Österheld. Zu den Kunden zählten zum Beispiel auch große Unternehmen aus der Region wie Ottobock, aber auch Ike. Etwa 700 Menschen mit Behinderung wohnen und arbeiten bei den Göttinger Werkstätten, so die Sprecherin von Uslar-Gleichen. Dazu kämen noch etwa weitere 300 Beschäftigte.

Ergänzt wurde das Sortiment von Produkten an rund 50 Kunsthandwerkerständen. Sie boten Produkte aus Korb, Wolle, Farbe, Stoff, Ton, Papier, Metall, Perlen, Holz und vielem mehr an. Die Besucher konnten einem Schmied über die Schulter schauen, sich beim Vorsitzenden Ronald Schminke über die Arbeit des Fördervereins Göttinger Werkstätten informieren, Kunsthandwerk selbst ausprobieren, Weihnachtsbaum und Tannengrün kaufen und sich mit Geschenken für die ganze Familie eindecken. Holzspielzeug, Vogelhäuser, Schmuck, Gedrechseltes, Genähtes, Gestricktes, Gebackenes, Schokoladiges oder handgefertigte Mode warteten auf Käufer.

Erstmals trat beim Adventsmarkt eine Line-Dance-Gruppe auf. Neu dabei war auch das Info-Mobil der Jägerschaft Göttingen, an dem die Besucher Wissenswertes über die heimische Tierwelt lernten. Die Jägerschaft zähle übrigens ebenfalls zu den Kunden der Göttinger Werkstätten, so von Uslar-Gleichen. Sie bekämen handgefertigte Nistkästen in großer Stückzahl.

Gemeinnütziger Betrieb

Die Göttinger Werkstätten gemeinnützige GmbH wurden 1973 unter der Trägerschaft der „Gesellschaft für sozialmedizinische Förderung in Göttingen e. V.“ gegründet. Ziel war es nach Informationen auf der Internetseite der Werkstätten, „Patienten aus den Landeskrankenhäusern der Region einen Arbeitsplatz außerhalb dieser Einrichtungen anzubieten.“ Heute hätten „fast 700 behinderte Menschen einen Arbeitsplatz bei uns und über 300 behinderte Menschen nutzen eines unserer Wohnangebote“.

Die Göttinger Werkstätten haben unter anderem die berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderungen als Aufgabe. Ziel sei die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen mit einer Behinderung. Für die berufliche und soziale Förderung unterhält die gemeinnützige Gesellschaft verschiedene Werkstätten, Wohneinrichtungen, ambulante Dienste und Freizeitangebote. Es gibt folgende Unternehmensbereiche: Berufliche Eingliederung, Produktion, Wohnen, Freizeitgestaltung, Frischmenü (Großküche) und Spenden.

Weitere Infos unter: www.goettinger-werkstaetten.de

„Das sind wir“

Die Göttinger Werkstätten haben übrigens ein eigenes Lied: „Das sind wir“ wurde 2014 beim Lebenshilfeball erstmals vom inklusiven Chor der Göttinger Werkstätten vorgetragen.

Von Britta Eichner-Ramm