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Göttingen Vom Marienblumenbeet bis ins Paradiesgärtlein
Die Region Göttingen Vom Marienblumenbeet bis ins Paradiesgärtlein
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20:36 14.08.2011
Von Jürgen Gückel
Reges Interesse: Mehr als 50 Besucher bei der Führung zu den Marien-Blumen.
Reges Interesse: Mehr als 50 Besucher bei der Führung zu den Marien-Blumen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Rechtzeitig vor Mariä Himmelfahrt, immerhin einem katholischen Hochfest, vergleichbar mit Weihnachten, Ostern und Pfingsten, haben Gabriele Weis vom botanischen Garten und Mechthild José-Thumbeck, Citypastoral von St. Michael, in die Geheimnisse der Marienpflanzen eingeführt. Mehr als 50 Interessierte, überwiegend ältere Semester, waren zu der geistlichen Stadtführung durch botanischen Garten und städtisches Museum gekommen. Sie erfuhren viel über die Naturnähe der Gottesmutter, über mittelalterliche Pflanzen- und Zahlenmystik und das Brauchtum der Marien-Kräutersegnung.

Was aber macht eine Blume oder ein Kraut zur Marienpflanze? Der Name – wie bei der Mariendistel, der Mariennessel, der - wurzel, dem -gras, dem -gürtel oder -stängel oder dem Muttergotteskraut. Viele dieser Pflanzen lassen sich im botanischen Garten finden.

Dann aber gibt es auch jene Kräuter – und hier nimmt man es nicht so genau –, die als heilpflanzen gelten und seit dem Mittelalter zu Kräutersegnungen in die Kirche getragen werden. Mariä Himmelfahrt ist das letzte Fest, an dem Segnungen heute noch üblich sind. In die Sträuße sind traditionell mindestens sieben verschiedene Kräuter gebunden, oft mit einer Königskerze in der Mitte. Klassiker dieser Marienkräuter sind Ringelblume und Wegwarte, Frauenmantel, Johanniskraut, Schafgarbe, Rainfarn, Weinraute, Labkraut, Wermut, Beifuß, Baldrian und Dost.

Schließlich gibt es noch so genannte Attributpflanzen – die eigentlichen Marienpflanzen, die in besonderer Symbolik mit der Gottesmutter verbunden sind. Acht solche Pflanzen sind es: das Gänseblümchen, das kindliche Unschuld und Erwachen neuen Lebens symbolisiert. Auch das Veilchen, das Demut als himmlische Tugend mit dem Blau der Himmelskönigin verbindet. Die Rose als Königin aller Blumen und die weiße Lilie als Symbol makelloser Schönheit sind natürlich auch Marienblumen. Sie symbolisieren Jungfräulichkeit und Reinheit sowie Macht und Erhabenheit. Die Schwertlilie symbolisiert überdies mit ihren Blättern das mit einem Schwert durchbohrte Herz der Schmerzensmadonna. Neben der Rose gilt aber auch die Pfingstrose als Marienblume – die Rose ohne Dornen.

Schließlich sind zwei Gewächse Marien-Attributpflanzen, auf die man nicht sogleich käme: die Walderdbeere und die Akelei. Die Frucht gilt als Speise der Seligen und Kinder im Paradies, die blaue Blume als Sinnbild von Anmut und Erhabenheit in der blauen Himmelsfarbe, jenem Farbton, in dem der Mantel der Gottesmutter über Jahrhunderte in der Kunst dargestellt wird.

Dass das so ist, davon konnten sich die Teilnehmer der Führung nach Durchstreifen des botanischen Gartens im Museum überzeugen. Dort hängt noch bis zum Jahresende in der Ausstellung über das Mittelalter ein Werk eines unbekannten reinischen Künstlers mit dem Titel „Paradiesgärtlein“. Und in diesem mittelalterlichen Werk finden sich alle acht Attributpflanzen der Marienverehrung wieder.

Wer interessiert ist, sich zu den Pflanzen der Gottesmutter führen zu lassen, der kann sich im Botanischen Garten unter Telefon 05 51 / 39 57 55 nach einem Termin erkundigen.