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Göttingen Von der Hochzeit zum Kutschenführerschein
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19:47 26.07.2011
Perspektive des Kutschers bei der Ausfahrt durch das Gelände um Gieboldehausen: Die Friesen Jan und Catrinus ziehen kräftig an.
Perspektive des Kutschers bei der Ausfahrt durch das Gelände um Gieboldehausen: Die Friesen Jan und Catrinus ziehen kräftig an. Quelle: ENZ
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Gieboldehausen

Die neun „Fahrschüler“ sind nicht zum ersten Mal da. Theoretisch haben sie sich intensiv mit der Fahrlehre nach Achenbach beschäftigt. In Deutschland bestimme die fast 90 Jahre existierende Schule nahezu das gesamte Fahrgeschehen, weiß Co-Trainer Tänzer. Bevor die Schüler die Leinen auf der Kutsche führen, trainieren sie am Fahrlehrgerät. Ein schlichter Stuhl steht für den Kutschbock, Gewichte ersetzen hier das Pferdemaul und offenbaren so den Lernenden ihre Fehler. So bleibt das Gerät auch für geübte Fahrer eine wichtige Kontrollinstanz für ihr Können.

Heute wird angespannt für die erste Ausfahrt. Die Friesen werden zum Putzen geholt. Dann müssen die Schüler zeigen, dass sie das Anlegen von Kopfstück und Geschirr beherrschen. Bei Unsicherheit helfen die Trainer. Während der große Bauchgurt stramm sitzen muss, soll der kleine Bauchgurt locker hängen.

Auch beim Anspannen ist Sicherheit oberstes Gebot. Sind alle Gurte und Riemen am Platz? Sind die Pferde sicher an der Deichsel befestigt. Amelie Schisler geht noch einmal um das Gespann, um jedes Detail zu prüfen. Dann kann es losgehen. Kutscher Tänzer und Harte nehmen ihren Platz ein. Für die Fahrschüler ist zunächst Zusehen angesagt. Sie klettern hinten auf den Wagen. Und los geht die Fahrt mit der Kutsche in die Feldmark.
Die 23-jährige Amelie aus Bremke ist mit ihrer Mutter Kathrin Schisler hergekommen. Für ihre Stute hat die Reiterin im vergangenen Jahr ein Beistellpony gekauft. Es ist zu klein für sie zum Reiten, deshalb möchte sie mit dem Fahren beginnen. Durch eine Anzeige im Tageblatt sei sie auf Harte aufmerksam geworden. In Gieboldehausen ist der Fahrlehrer seit acht Jahren. Doch die Brüder Martin und Bernd Drencher kennen ihn noch aus seiner Zeit in Dransfeld. Sie haben zwei Haflinger zu Hause. Früher seien sie schon hin und wieder Kutsche gefahren. Doch nun wollen sie es richtig lernen. Hammen, Besitzer eines „Kalten“ zum Einfahren, hat den Kutscher bei einer besonderen Gelegenheit kennengelernt. Harte hat die Hochzeitskutsche gefahren. Mit zwölf Jahren ist Alexander Tänzers Tochter Svea die jüngste Teilnehmerin im Kurs.

„Ist man als Reiter häufig mit seinem Pferd alleine unterwegs, ist das beim Fahren anders“, erzählt Familienvater Tänzer. Mit nur einem Pferd und einer entsprechenden Kutsche kann die ganze Familie in der Freizeit unterwegs sein. Der Trainer erklärt: Allein mit Fahrleine und Peitsche wirkt der Fahrer auf die Pferde ein. Umso präziser müssen seine Hilfen sein. „Die Peitsche ist das Bein des Reiters“, findet Tänzer einen Vergleich für die Reiter. Mit ihr kann man die Pferde treiben und biegen. Wie gut er die zwei kraftstrotzenden Friesen im Griff hat, zeigt sich, als er die Leinen abgibt. Rückartig fährt die Kutsche an. Hängen die Leinen durch, fangen sie an zu traben. Ab und zu muss Tänzer eingreifen. Und doch hat er Lob für seine Schüler. Solange das Gespann nicht im Graben lande, sei für das erste Mal alles gut gelaufen.

Informationen über den Kutschenführerschein erteilt Rainer Harte, Vorsitzender vom Reit- und Fahrsportverein Rhumehof in Gieboldehausen, unter Telefon 0 55 28 / 99 95 03.

Von Ute Lawrenz