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Göttingen Hohe Haftstrafen oder Freispruch?
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17:34 02.11.2018
Wegen eines Raubüberfalls müssen sich drei Angeklagte vor Gericht verantworten. (Symbolbild) Quelle: picture-alliance/ dpa
Göttingen

Die Staatsanwaltschaft beantragte für den 50-jährigen Angeklagten aus Bad Oldesloe sowie den 61-jährigen Mitangeklagten aus Hanau eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren beziehungsweise neun Jahren und sieben Monaten. Außerdem sei für beide Angeklagte, die bereits vielfach vorbestraft sind, Sicherungsverwahrung anzuordnen. Der dritte Angeklagte, ein 44-Jähriger aus Eisenach, solle für vier Jahre und zehn Monate in Haft. Die Verteidiger beantragten dagegen Freispruch, weil keinem Angeklagten eine Täterschaft bei dem Banküberfall nachzuweisen sei. Die drei Angeklagten bestritten die Tat.

Die Staatsanwaltschaft ist dagegen überzeugt, dass der 50-Jährige und der 61-Jährige Anfang Januar maskiert mit einem Schal die Sparkassenfiliale betreten und „Überfall, Geld her!“ gerufen haben. Der 61-Jährige habe eine 68-jährige Kundin, die gerade 200 Euro abgehoben hatte, zu Boden geschubst. Der 50-Jährige habe mit einer Pistole die Filialleiterin bedroht und sie aufgefordert, den Tresor zu öffnen. Als sie ihm klarzumachen versuchte, dass dies aus technischen Gründen nicht möglich sei, habe er gerufen: „Du lügst, ich mach dich tot“. Der 50-Jährige habe dann immer wieder mit der Pistole gegen ihren Oberkörper und ihren Kopf geschlagen. Die Mitarbeiterin habe Todesängste ausgestanden.

Die Angeklagten seien dann mit ihrer Beute von knapp 2400 Euro zu Fuß zu einem Parkplatz gegangen, wo der 44-Jährige in einem Opel Vectra auf sie gewartet habe. Ein Zeuge hatte sich das hintere Kennzeichen gemerkt, so dass die Polizei kurz darauf eine Fahndung einleiten konnte. Eine Dreiviertelstunde nach dem Überfall fiel einer Polizeistreife auf einem Autohof bei Northeim ein Mann auf, der mit schwankendem Gang um sein Fahrzeug herumging und wenig später davonfuhr. Als sich herausstellte, dass das Auto zur Fahndung ausgeschrieben war, nahm die Polizei die Verfolgung auf.

Flucht endet im Gebüsch

Am Steuer des Fluchtautos saß der 61-Jährige. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft waren die beiden anderen Angeklagten kurz zuvor in Edesheim in einen BMW umgestiegen und weggefahren. Der 61-Jährige rammte dann auf der Flucht vor der Polizei einen Streifenwagen, kam von der Straße ab und landete in einem Gebüsch. Die Beamten zogen ihn aus dem Auto und nahmen ihn fest.

In dem verunglückten Auto fanden sich diverse Gegenstände, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft als Beleg für die Täterschaft der drei Angeklagten dienen. Unter anderem hätten sich auf sichergestellten Kleidungsstücken, die mutmaßlich bei der Tat getragen worden seien, DNA-Spuren der Angeklagten befunden. Auch die Auswertung von Handy-Daten und Chat-Verläufen zeige, dass die Angeklagten den Überfall gemeinsam verabredet und realisiert hätten.

Die Staatsanwältin verwies auf die gravierenden Folgen der Tat. Die Filialleiterin erlitt unter anderem eine Schädel- und eine Thoraxprellung und kann seitdem einen Finger nicht mehr richtig bewegen. Außerdem leide sie an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, die sich unter anderem in Herzrasen, Schweißausbrüchen und Angstzuständen äußere. Die 68-jährige Kundin erlitt unter anderem ein Schädelhirntrauma und leidet bis heute unter Angstzuständen und Schlafproblemen. Der Vertreter der Nebenklage verwies ebenfalls auf die massiven Verletzungen und schweren psychischen Folgen. Er forderte für seine Mandantin neben einem Schmerzensgeld von 30.000 Euro auch eine Rente.

Täter im Rollator?

Die Verteidiger hielten dies für überzogen. Sie machten geltend, dass niemand die Angeklagten als Täter identifiziert habe und es auch keine anderen Beweise für ihre Täterschaft gebe. Der Anwalt des 61-Jährigen erklärte, dass sein Mandant lediglich wegen Gefährdung des Strafverkehrs zu verurteilen sei. Der 61-Jährige könne allein schon deshalb nichts mit dem Überfall zu tun haben, weil er sich ohne Rollator oder Krücken gar nicht fortbewegen könne. Der Verteidiger stellte den Hilfsbeweisantrag, den behandelnden Arzt zu vernehmen. Das Gericht gab dem Antrag statt und will den Arzt für den nächsten Verhandlungstag als Zeugen laden, bevor es dann ein Urteil fällt.

Von Heidi Niemann

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