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Göttingen Wissenschaftler spricht in Göttingen über Künstliche Intelligenz
Die Region Göttingen Wissenschaftler spricht in Göttingen über Künstliche Intelligenz
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15:57 14.09.2018
Andreas Mayert referiert über Künstliche Intelligenz.
Andreas Mayert referiert über Künstliche Intelligenz. Quelle: Art
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Göttingen

Es gibt keine einheitliche Definition von KI, sagte der Referent für Wirtschafts- und Sozialpolitik, der sich derzeit in einem Projekt mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt beschäftigt. Werde darüber gesprochen, seien zumeist die großen Fortschritte in der Bild- und Sprach-, Texterkennung oder in Spielen gemeint. Die Ideen, auf die entsprechende Entwicklungen beruhten, „sind größtenteils schon sehr alt“, betonte Mayert in der Johannisgemeinde. Er benannte neuronale Netzwerke und das Maschinenlernen, das „auf dem Ansatz der Fehlerrückwärtssuche beruht“ und das tiefe Lernen, Deep Learning, genannt. Eine wichtige Rolle spiele der Algorhythmus, dies sei „eine Regel zur Automatisierung“, ein Programm die Summe der Algorhythmen. Es stecke „nichts Magisches“ dahinter.

Eine KI könne „Dinge erkennen, die ein Mensch nicht erkennt“, erklärte der Referent. In der Medizin ermögliche sie es, Anomalien zu registrieren, die ein Mensch nicht bemerke.

Künstliche Intelligenz hilft beim Übersetzen

Übersetzungsprogramme, die wie das von Google auf einer KI basierten, seien „wesentlich besser“ als die kommerzielle Übersetzungssoftware, die es noch vor drei bis fünf Jahren gegeben habe. Das Prinzip sei das gleiche wie bei der Texterkennung. „Die KI wird mit Trainingsbeispielen gefüttert, von denen es eine Menge gibt“, erläuterte Mayert. Sie wähle aus einer Vielzahl von Mustern das aus ihrer Sicht passende heraus.

Etwas schwieriger sei das Erstellen eigener Texte, was daran liege, dass eine KI keine Semantik beherrsche. Sinnvoll zum Einsatz kommen könne sie bei Börsen- und auch Sportberichten, wenn es um reine Ergebnisberichterstattung gehe. „Je phrasenhafter die Kommentare sind, desto besser funktioniert es“, fasste der Wissenschaftler zusammen. Eine KI verstehe nicht, was sie tue, sie ahme nach. Die Zuhörer erfuhren von Mayert, dass von KI gemalte Bilder in Auktionshäusern für viele tausend Euro verkauft worden seien.

Die meisten ethischen Probleme und Fragestellungen stünden in Zusammenhang mit dem Einsatz beim autonomen Fahren. Mit KI lasse sich die Zahl von Verkehrsunfällen zwar drastisch senken, es könne aber vorkommen, dass sie entscheiden müsse, wer zu einem Unfallopfer werde oder ob sie sich auch ungesetzlich verhalten und zum Beispiel auf die Gegenfahrbahn fahren dürfe. Es könne auch zur Diskriminierung durch eine KI kommen, unter anderem bei der Einstellung eines Bewerbers, Vermietung eines Hauses, Verkauf einer Versicherung.

Datenbrooker können viele Daten nutzen

Der Referent kam auch noch auf Datenbrooker zu sprechen, die sich darauf spezialisieren, nicht nur Daten eines Unternehmens zu nutzen, sondern Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen. Der Job von solchen Brookern sei es, Daten zu sammeln, sie zu analysieren und weiter zu verkaufen. Das Analyseteam eines dieser Unternehmen habe ein KI-Modell entwickelt, dass bis zu 10000 Eigenschaften von Menschen identifizieren könne. „Ich denke nicht, dass wir jemals eine KI erleben werden, die so gut ist wie ein Mensch“, sagte Mayert zum Abschluss seines Vortrages.

Von Axel Artmann

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