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Göttingen Vorwürfe der Göttinger Grünen: Freibad-Förderverein Weende wehrt sich
Die Region Göttingen Vorwürfe der Göttinger Grünen: Freibad-Förderverein Weende wehrt sich
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13:07 27.03.2014
Von Jörn Barke
Demo für das Freibad im August: Die Grünen sprechen von einem gut organisierten „bürgerlichen Lager“. Quelle: Barke
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Weende

Der will mit der Stadt nach wie vor darüber verhandeln, in welcher Form das Freibad umgebaut werden soll. Die bisherigen städtischen Pläne sehen eine Umwandlung in einen ganzjährig begehbaren Freizeitpark vor, wobei die Wasserfläche deutlich verkleinert werden und die Sprungtürme wegfallen sollen. Die Grünen hatten dem Verein unter anderem Einseitigkeit, eine zu starre Haltung und unsolide Rechnungen vorgeworfen.

Das Positionspapier berücksichtige überhaupt nicht den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen Verein und Göttinger Sport und Freizeit GmbH, so Gramsch.

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In der nächsten Woche stehe ein weiterer Termin an, zudem habe man erst kürzlich den Ortsratsfraktionen von SPD und Grünen den aktuellen Stand erläutert. Von einer zu starren Haltung des Vereins zu sprechen, sei „mindestens merkwürdig“.

Fast zum Nulltarif

Mit Aktionen wie dem Weihnachtsmarkt oder einer Modellbauausstellung habe der Förderverein selbst schon in Richtung auf eine ganzjährige Öffnung gearbeitet.

Der Verein wirke zudem darauf hin, dass ein sozialer Treffpunkt für den ganzen Ortsteil entstehe. Der Verein unterstütze die Förderschule am Tannenberg und biete Schwimmkurse fast zum Nulltarif an.

Ihn wundere, dass die Grünen, die sonst der Bürgerbeteiligung das Wort redeten, nun eine Basta-Politik betrieben, so Gramsch. Ebenso wundere ihn, dass die Grünen die Weender leichter Hand ins Freibad Brauweg schicken wollen, wo die Partei doch sonst den Individualverkehr drosseln wolle.

Für immer!

Die Grünen hatten – trotz des Ratsbeschlusses, dass Freibad 2014 noch einmal in der bisherigen Form geöffnet werden soll –  gedroht, bei nicht ausreichender Mitwirkung des Fördervereins müsse das Bad geschlossen werden. Diese Drohung wird nun auch von der SPD Weende erhoben, die dem Förderverein „überzogene Forderungen“ vorwirft.

In der Veröffentlichung „Weender Rathaus“ heißt es: „Wenn der Förderverein weiterhin bei seiner Alles-oder-nichts-Haltung bleibt, könnte am Ende die Schließung des Freibads herauskommen. Für immer! Und die 60-Jahr-Feier könnten wir dann im Trockenen durchführen, vielleicht im Klosterpark.“

Den Einsatz der CDU für das Freibad hatten die Grünen als Populismus bezeichnet. Das hat die Weender CDU in einer Mitteilung scharf zurückgewiesen. Man setze sich schon seit Jahren für das Freibad ein, so Hans Otto Arnold. Er warf den Grünen im Gegenzug vor, unfähig und unsensibel zu agieren und die Bürger zu bevormunden.

►Kommentar: Im Ton vergriffen

Wie die Grünen derzeit in der Debatte über die Zukunft des Weender Freibades agieren, macht deutlich, wie weit die Partei bei ihrem Marsch durch die Institutionen schon gegangen ist. Einstmals durchaus selbst aus einer gewissen Protestkultur geboren (Straßenschlachten, Turnschuhe, sexuelle Revolution), finden die Grünen Proteste nun gar nicht mehr so gut, jedenfalls nicht von den falschen Leuten für die falschen Ziele.

Das hat die Stadtratsfraktion im Positionspapier zum Freibad durchblicken lassen. Angesichts von rund 4000 Menschen, die sich bei drei Demonstrationen (ohne Straßenschlachten) für das Freibad stark gemacht haben, heißt es in dem ganz staatsmännisch gehaltenen Papier, das „bürgerlicher Lager“ sei offensichtlich besser in der Lage, „wirksam Proteste zu organisieren“ als andere, nach Grünen-Meinung wesentlich hilfsbedürftigere Akteure aus dem sozialen und kulturellen Bereich. Spricht da ein Protest-Neid?

Diese Einstellung verwundert jedenfalls ein wenig, zumal die Grünen sonst viel von Bürgerbeteiligung reden. Dann sollte man sich Bürgern gegenüber zumindest nicht von oben herab im Ton vergreifen.

Jörn Barke