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Göttingen Wätzold’s Woche: Zwischen den Jahren
Die Region Göttingen Wätzold’s Woche: Zwischen den Jahren
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20:13 28.12.2018
Die Zeit zwischen den Jahren im Kreis der Familie – ob das gut geht? Quelle: dpa
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Göttingen

Die Zeit von Weihnachten bis Neujahr ist die schönste Woche im Jahr für Familien. Da ist nichts zu tun, man hat endlich mal Zeit für sich und die Lieben und wird durch nichts abgelenkt. Die Kinder sind zuhause, es wird beschenkt und lecker gegessen und man bekommt Besuch von Verwandten, die man nur selten sieht.

Andererseits ist die Zeit von Weihnachten bis Neujahr natürlich auch die schwierigste Woche im Jahr für Familien. Denn es gibt kaum Ablenkung, die Kinder kriegen einen Lagerkoller, irgendwer ist immer unzufrieden mit den Weihnachtsgeschenken und die eingeladenen Verwandten müssen unbedingt den angeblich ungelösten Konflikt von 1994 zu Ende austragen. Dazu gesellen sich bleierne Trägheit und Sodbrennen durch Bewegungsmangel und Falschernährung. Nicht von ungefähr lautet ein altes Sprichwort: „Meist zwischen den Jahren liegt man sich in den Haaren. Und währenddessen wird zu viel gegessen.“

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Bei uns gab es allerdings lediglich am heiligen Abend etwas Ungemach, der sich an der Idee entzündete, in die Kirche zu gehen. Während wir, das Erzeugerkollektiv, naturgemäß der guten alten Zeit nachhingen und meinten, dieses Ritual gehöre einfach zum Fest dazu, wollten die Kinder partout nicht gehen. Also entspann sich eine Diskussion, in deren Verlauf unsere Kleine zu mir sagte: „Papa, du willst doch nur in die Kirche gehen, damit du dich über den Pastor lustig machen kannst.“

Das gab mir zu denken. Wir waren dann in der Kirche (weil auch in der demokratischsten Familie am Ende die Eltern die Ansagen machen; oder es stimmt was nicht), aber ich habe mich betont zurückgehalten und auf blöde Kommentare bewusst verzichtet. Das fiel mir in diesem Fall aber auch gar nicht schwer, weil die Predigt von Vikar Scheffler in der Kreuzkirche wirklich ansprechend war. Und das ist ja weiß Gott nicht selbstverständlich.

Ansonsten ist bei uns diese Woche aber total entspannt und unglaublich harmonisch, denn wir haben einen ausgeklügelten Plan entwickelt, der den Familienfrieden sicherstellt und an den sich alle Familienmitglieder bis zum 1.1. eisern halten: Wir laden niemanden ein, die Kinder gucken täglich 8 Stunden fern, die Frau ist häufiger in der Eiswiesen-Sauna als zuhause und ich stehe den ganzen Tag im Keller am Flipper und trinke dabei Bier. Und so ist die Zeit von Weihnachten bis Neujahr die schönste Woche im Jahr für die ganze Familie.

Von Lars Wätzold

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