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Göttingen Mitleid
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12:15 20.06.2019
Sinnsuche am Göttinger Bahnhof und in der SPD Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Als ich gestern aus dem Bahnhof kam, standen davor zwei Männer meines Alters und hatten ein Schild neben sich stehen, mit der Aufschrift „Warum lebe ich?“ Ich empfand spontan starkes Mitleid, denn wenn man sich in meinem Alter diese Frage stellt, dann muss in den letzten 50 Jahren irgendwas fundamental schief gelaufen sein. Und wenn jemand so schwerwiegende Identitätsprobleme hat, dass er wildfremde Bahnreisende um eine Antwort auf diese Frage bittet, dann fühle ich mich aufgefordert, sofort psychosozial zu intervenieren - denn mein Herz ist groß und außerdem bin ich ja Diplom-Pädagoge. Leider hatte ich aber gerade überhaupt keine Zeit, deshalb sprach ich die beiden DB-Sicherheitsmänner an, die neben den Orientierungssuchenden ihre Raucherpause verbrachten und fragte, ob sie sich nicht mal um die beiden armen Teufel kümmern könnten. Während der eine verständnislos „Wat is?!“ fragte, lächelte der andere immerhin milde und ich hoffe sehr, dass sie den beiden ein Stück emotionale Sicherheit geben konnten.

Wie lange hält die SPD noch durch?

Ebenfalls auf der Sinnsuche ist ja derzeit die SPD; wobei sie die Frage „Warum lebe ich?“ um den Zusatz „und wie lange noch?“ erweitern sollte. Und weil mir die Sozis spätestens seit der Europawahl echt leid tun, wollte ich die Tage schon zum Genossenkuscheln in die Bürgerstraße gehen, aber dann hielten mich die jüngsten Äußerungen von Thomas Oppermann doch davon ab. Dessen Einlassung zum Thema „Migration“ hat nämlich mein Mitgefühl in reservierte Ablehnung umschlagen lassen. Letzte Woche freute ich mich ja noch, dass die politische Agenda aktuell von den Freitags-Demos und endlich nicht mehr von rechtsaußen diktiert wird, doch dann hat unser Butavizepräsi nichts besseres zu tun, als nach diesem Strohhalm zu greifen, weil die Sozialdemokraten in Dänemark damit ein für SPD-Verhältnisse geradezu utopisches Wahlergebnis eingefahren haben. Tatsächlich muss die Verzweiflung schon sehr groß sein, wenn Oppermann diesen bei uns eigentlich toten Gaul besteigt, um die SPD great again zu machen, beziehungsweise der AfD bei der anstehenden Landtagswahl in Sachsen wenigstens so viele Stimmen abzuschwatzen, dass die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen wird. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass der Schuss nach hinten losgeht und es ein wesentlich bessere Idee gewesen wäre, wenn Oppermann sich einem Zukunftsthema gewidmet hätte – oder sich mit einem Schild vor den Bahnhof gestellt hätte.

Den Autor erreichen Sie per E-Mail redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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