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Göttingen Erstmal durchsuchen – Fachkräftemangel bei den Behörden?
Die Region Göttingen Erstmal durchsuchen – Fachkräftemangel bei den Behörden?
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18:57 16.11.2018
Im Sommer durchsuchte die Polizei zwei Häuser in Göttingen – Grund waren auch Vorwürfe im Kontext des G20-Gipfels. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen Göttinger Studenten eingestellt, dem sie vorgeworfen hatte, im Laufe der G20-Proteste mit anderen zusammen einen Polizisten brutal verprügelt zu haben. Ein schwerwiegender Vorwurf - wer sowas tut, gehört selbstverständlich hart bestraft.

Im Zuge der Ermittlungen fand auch eine Durchsuchung in der WG des Beschuldigten statt. Dabei wurden laut Tageblatt neben Laptop, Handy und Kleidung auch die Hörspiel-CD-Box „Die Känguru Chroniken“ beschlagnahmt. Wahrscheinlich, weil das Känguru bekanntlich Kommunist ist und man bei derart gesinnten Lebewesen jedweder Spezies gar nicht misstrauisch genug sein kann. Nun, vier Monate später, wurde das Verfahren eingestellt; und zwar mit der verblüffenden Begründung, dass der Verdächtige sich zur Tatzeit in Japan aufgehalten hat.

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Doch wie kann es denn angehen, dass man monatelang ermittelt und durchsucht, bevor das bemerkt wird? Nun, vielleicht hat der Student seinen Auslandsaufenthalt ja extra verschleiert und einen gewaltbereiten Doppelgänger nach Hamburg geschickt, weil er unbedingt mal durchsucht werden wollte. Es könnte aber auch sein, dass der allgegenwärtige Fachkräftemangel nun auch unsere Ermittlungsbehörden erreicht hat und man dort auf ungelernte Aushilfen angewiesen ist, die sich die grundlegenden kriminalistischen Kompetenzen erst noch aneignen müssen.

Probiert’s mal mit Nick Knatterton?

Wenn dem so ist, dann tut hier natürlich Nachhilfe not. Ich empfehle, dass jeder frisch eingestellte Mitarbeiter verpflichtet wird, zum Einstieg erstmal alle Nick-Knatterton-Folgen anzuschauen (mit anschließender Lernzielkontrolle) und mit dem unverzichtbaren „Die ???-Detektiv-Koffer“ ausgestattet wird, der alles bietet, was ein echter Ermittler braucht: Fingerabdruckpulver, Lupe, Türsiegel-Aufkleber und sogar einen Geheimstift; damit macht auch der unbeleckteste Quereinsteiger jeden Schurken im Handumdrehen dingfest.

Und auf jeden Fall ist es schon mal gut, wenn bald das neue niedersächsische Polizeigesetz in Kraft tritt, denn dann können potenzielle Terroristen und Gefährder bis zu 74 Tage in Präventionshaft genommen werden, die ersten 30 Tage sogar ohne richterlichen Beschluss. Prima, so haben unsere norddeutschen Neu-Ermittler genug Zeit, um ohne Zeitdruck im Umfeld eines Verdächtigen zu ermitteln und Szene-Informationen zu sammeln - und um dessen CD-Sammlung in aller gebotenen Ruhe durchzuhören.

Den Autor erreichen Sie per E-Mail: redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold