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Göttingen Artensterben
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11:41 20.06.2019
Ist die Öko-Apokalypse nur ein Fake? das fragt sich Lars Wätzold in seiner aktuellen GT/ET-Kolumne. ++ Quelle: dpa
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Göttingen

Geradezu hysterisch wird seit geraumer Zeit verbreitet, dass laut der „Krefelder Studie“ in den letzten Jahrzehnten 75 Prozent der Insekten verschwunden seien und die Öko-Apokalypse nahe. Doch nun stellt sich heraus, dass das gar nicht stimmt und stattdessen Entwarnung angesagt ist. Professor Andreas von Tiedemann erklärt uns nämlich im GT, die Studie habe „nicht auf Arten, sondern nur auf quantitative Gewichtserfassung“ abgezielt. Es sind also gar nicht weniger Insekten, sondern die gleiche Anzahl ist nur viel leichter geworden. Und da wird wohl niemand widersprechen, schließlich ist der Mann Agrarwissenschaftler an der Universität der Stadt, die Wissen schafft, und nicht etwa Karussell-Bremser im Rastiland.

Lars Wätzold l Quelle: r

Außerdem leuchtet das ja auch sofort ein: Abnehmen liegt momentan einfach derart im Trend, dass nun sogar Insekten auf ihre schlanke Linie achten; es heißt ja nicht umsonst „Wespentaille“. Auch das Argument, dass immer weniger Insekten an unseren Windschutzscheiben kleben, entkräftet der Universalgelehrte von Tiedemann gekonnt: „Die Aerodynamik der Autos hat sich verändert, die Luft geht über sie hinweg“. Ergo muss es jetzt sogar mehr Insekten geben als früher, da der Massenmord durch die Autos wegen verbesserten Luftzugs ja nicht mehr stattfindet. Da bin ich nun aber echt beruhigt – von Tiedemann sei Dank.iel besorgniserregender als ein angebliches Insektensterben ist hingegen das unstrittig nachgewiesene Parkplatzsterben. Wo nämlich am Brauweg vor wenigen Tagen noch ein erstklassiger Stellplatz war, hat die Stadt nun im Rahmen des Nahmobilitätskonzepts für die Südstadt eine Sitzbank aufstellen lassen. Den Ärger der Anwohner über diesen Unsinn konnte ich gut verstehen, denn selbst modernste, autonome Fahrzeuge sind ja noch gar nicht in der Lage, sich hinzusetzen. Doch Verwaltungssprecher Kimyon klärt auf: Das Aufstellen der Bank habe das Ziel, „die Aufenthaltsqualität zu stärken und damit die Attraktivität des öffentlichen Raumes zu steigern“. Außerdem habe man die „Anforderungen von Senioren“ im Blick gehabt. Na gut, diesem Ansinnen kann sich dann selbst die Sprecherin der Anwohner nicht mehr verschließen. Allerdings merkt sie an: „Hätte man die Anwohner gefragt, was nicht passiert ist, wäre sicherlich ein wesentlich besseres Plätzchen für eine Sitzmöglichkeit in der Nähe gefunden worden“. Das dürfte die Stadt allerdings im Rahmen der Gleichbehandlung extra unterlassen haben, denn wenn man die Anwohner letztes Jahr bezüglich der Asphaltierung des Schotterweges an der Jahnstraße nicht gefragt hat, kann man ja nun wegen einer Sitzbank im Brauweg nicht plötzlich damit anfangen.

Lars Wätzold

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goettinger-
tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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