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14:25 29.10.2018
Beim Trauermarsch in Chemnitz: AfD-Mann Höcke sucht die Nähe zu den islamfeindlichen Pegida-Mitgliedern Siegfried Däbritz und Lutz Bachmann. Mit dem rechtsextremen Pegida-Ableger „Thügida“ will Höcke hingegen nichts zu tun haben. Quelle: imago/Kai Horstmann
Göttingen

Am Freitag rieb ich mir ungläubig die Augen als ich las, dass Jens Wilke mit Republikanern und Thügida für Sonntag in Bornhagen eine Demonstration gegen Bernd (alias Björn) Höcke angemeldet haben. Da wollten also Rechtsextremisten gegen einen Nazi aufmarschieren.

Sich Gedanken über den Sinn dieser Demo zu machen, ist natürlich genauso aussichtslos, wie sich mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß über Artikel 1 des Grundgesetzes zu unterhalten.

Und dieser Vergleich ist gar nicht abwegig, denn erstens gerieren sich die beiden mittlerweile wie die AfD der Bundesliga und zweitens sind sie, ebenso wie Wilke, vorbestraft. Allerdings ist es im alle der Bayern-Bosse schon traurig, dass sie trotz einer eigentlich positiven Sozialprognose derart aus dem Ruder laufen.

Doch zurück nach Bornhagen. Endlich mal eine Demo, bei der die Polizei nicht einzuschreiten braucht, wenn beide Seiten aneinandergeraten, dachte ich spontan. Und ich fragte mich, welchen Coup Wilke als nächstes plant. Eine Demo gegen sich selbst? Das wäre immerhin konsequent. Und es wäre ihm auch zuzutrauen.

Laut Tageblatt wussten linke Gruppen nicht, ob sie eine Gegendemo veranstalten sollen, denn sie wollten natürlich nicht, dass ihr Auftreten in dem Zusammenhang als Solidarität mit Höcke rüberkommt. In diesem Fall konnten sie ruhig Zuhause bleiben, denn erstens müssen auch die protestaffinen Linken nicht über jedes Stöckchen springen, das ihnen von rechtsaußen hingehalten wird und zweitens hat Wilke die Demo leider kurzfristig abgesagt, und so wären dann nur sie und ein paar Polizisten vor Ort gewesen. Und darüber hätten sich bloß die Falschen gefreut.

Wilke bezeichnete die Demo-Ankündigung hinterher selbst als „Fake“, und da frage ich mich, ob man ihm die Kosten für den Polizeieinsatz nicht in Rechnung stellen kann, zumal das nicht seine erste kurzfristige Absage war und er hier ja sogar selbst erklärt, die Demo nur aus Jux angemeldet zu haben.

Mir tun bei der ganzen Sache vor allem die Polizisten leid, die den letzten Sonntag wegen diesem „Scheißdreck“ (Uli Hoeneß) nicht mit ihren Familien verbringen konnten.

Sie erreichen den Autor per Email an redaktion@goettinger- tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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