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Göttingen „Wahnsinnsumbau mit Wahnsinnskosten“
Die Region Göttingen „Wahnsinnsumbau mit Wahnsinnskosten“
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21:03 11.01.2011
Beschädigte Straße und ein Bachlauf, der verlegt werden soll: Anlieger am Rodebach in Billingshausen fürchten hohe Kosten.
Beschädigte Straße und ein Bachlauf, der verlegt werden soll: Anlieger am Rodebach in Billingshausen fürchten hohe Kosten. Quelle: Heller
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Rund zehn Euro pro Quadratmeter sollen die Anlieger des ersten Bauabschnitts der Straße im Rahmen der Dorferneuerung berappen. 20 000 und sogar 30 000 Euro an Anliegerbeiträgen kommen mit diesem Satz für Einzelne zusammen. „Bevor ich 8000 oder 10 000 Euro bezahle, verzichte ich lieber auf die Straßensanierung“, sagt einer, der noch etwas besser davonkommt. Dabei seien die Anlieger grundsätzlich bereit, ihren Beitrag für die Straßensanierung zu zahlen. „Aber dieser Wahnsinn, der in den extremen Zahlen endet, wird von den Anwohnern nicht getragen.“

Trotz allem Ärger wollten die Betroffenen die Sanierung der Straße nicht stoppen, sondern „den Weg der Vernunft“ gehen. Im November hatten sie einen Brief an die Gemeinde geschrieben und darin Vorschläge gemacht, wie man die Kosten reduzieren könnte. 22 Personen haben unterschrieben, fast alle im ersten Bauabschnitt. Die Hauptgründe für ihren Unmut: Obwohl an der Straße Gewerbebetriebe liegen und sie als Zufahrt zum Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird, wird sie von der Gemeinde als reine Anliegerstraße mit Beiträgen in Höhe von 75 Prozent abgerechnet. Auch die Verlegung des Rodebachs, die die Kosten in die Höhe treibe, stößt bei den Billingshäusern nicht auf Gegenliebe. Aus ihrer Sicht ist das Sache der Gemeinde. Außerdem wollen sie eine Aufschlüsselung der Kosten. Kaum Entgegenkommen zeigt aus ihrer Sicht das „für Laien schwer verständliche Schreiben“ der Gemeinde, das nach fünf Wochen, kurz vor Heiligabend, eintrudelte.
Die Anlieger fühlen sich „überrollt“. „Zu den Kosten hat keiner etwas gesagt“, sagt einer. „Die Bürgerbeteiligung endete abrupt, als es ums Geld ging.“ Die Sanierung des „Schaufensters“ von Billingshausen mit Kindergarten, Feuerwehr und Dorfgemeinschaftshaus wolle die Gemeinde mit knapper Kasse jetzt „so günstig wie möglich bekommen“. 40 Jahre lang sei nichts getan worden. Nun sollten die Anlieger bezahlen. Dass alles in Abstimmung mit dem Arbeitskreis zur Dorferneuerung geschehen sei, vermag die Billingshäuser am Rodebach nicht zu beruhigen. Bei diesen Summen hätte man sie ansprechen müssen. Nun wollen sie noch einmal das Gespräch mit Ortsrat und Gemeinde suchen.

„Wir haben den Anliegern angeboten, sich mit uns zu treffen“, sagt Bovendens Bürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD). Kurz vor Weihnachten habe es ein konstruktives Treffen mit den Dorfbewohnern im zweiten und dritten Bauabschnitt gegeben. Dabei sei verabredet worden, dass die konkrete Planung für diese Bereiche mit ihnen abgesprochen werden solle. Für den ersten Bauabschnitt allerdings liege in Abstimmung mit dem öffentlichen Arbeitskreis die fertige Planung bereits vor. Bäcker betont: Auch die Gemeinde ist dort Anlieger. So habe auch die Gemeinde „großes Interesse, die Kosten nicht in die Höhe zu treiben“.

Im Sinne der Betroffenen bemühe sich die Verwaltung außerdem darum, um die hohe Kostenbelastung mit 75 Prozent herumzukommen. Zwar sei die Straße Am Rodebach rechtlich eindeutig als reine Anliegerstraße zu bewerten. Die Verwaltung bemühe sich aber, die Kategorie „Anliegerstraße“ zu modifizieren. Auf weniger als die Hälfte werde die Verwaltung den Beitragssatz aber nicht drücken können. Die Bürgermeisterin macht außerdem deutlich: Eine Änderung der Satzung dauert. Frühestens im März, so erwartet sie, könne der Rat darüber beschließen. Allerdings gelte die Neuregelung auch dann, wenn die Maßnahme schon begonnen wurde. Bis zum Winter 2011 soll nach Plan die Straße im ersten Bauabschnitt wieder befahrbar sein, so Bäcker. Mit den Abrechnungsbescheiden müssten die Betroffenen nicht vor Herbst 2012 rechnen.

Von Ute Lawrenz