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Göttingen War Heinrich Sohnrey ein Nazi?
Die Region Göttingen War Heinrich Sohnrey ein Nazi?
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20:27 06.03.2012
Von Gerald Kräft
Heinrich Sohnrey 1929: Debatte um Haltung des Heimatdichters zum Nationalsozialismus hält an.
Heinrich Sohnrey 1929: Debatte um Haltung des Heimatdichters zum Nationalsozialismus hält an. Quelle: EF
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Jühnde

Die Sohnrey-Gesellschaft mit Sitz in Jühnde hat jetzt in einer Stellungnahme von einer „vorschnellen“ Pauschalverurteilung Sohnreys abgeraten und übt Kritik an der Expertise des Göttinger Literaturwissenschaftlers Frank Möbus.

Für das Bioenergiedorf Jühnde, dem Geburtsort Sohnreys, ist es eine unangenehme Debatte. In Jühnde ist Sohnrey auch begraben, es gibt eine Sohnrey-Straße und die Sohnrey-Gesellschaft, die ein Archiv betreut, hat dort ihren Sitz. Ausgelöst wurde die Debatte im vergangenen Jahr durch den Antrag, die Heinrich-Sohnrey-Schule in Münden umzubenennen. Der Göttinger Professor Möbus gab in seiner kurzen Studie „In Sachen Heinrich Sohnrey“ ein eindeutiges Urteil ab. Sohnrey habe schon vor der Zeit des Nationalsozialismus antisemitisches Gedankengut verbreitet und eine Vielzahl seiner Schriften stünden im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und seien heute als Volksverhetzung einzustufen. 

Einschätzung im Rat

Hubertus Menke, Vorsitzender der Sohnrey-Gesellschaft, und Gerd Busse, ehemaliger Professor in Göttingen und Verfasser einer Sohnrey-Biografie, stellten am Montagabend, 5. März, im Jühnder Gemeinderat ihre Einschätzung vor. Der Rat fasste noch keine Beschlüsse und will die Informationen erst einmal „sacken lassen“. Es gebe verschiedene Expertisen, so Bürgermeister Dietmar Bode (SPD), für Ratsmitglieder als Laien sei es sehr schwer, sich ein Urteil zu bilden. Obwohl vieles noch unklar sei, könne man Sohnrey mit seiner Nähe zur Blut-und-Boden-Idoelogie kaum als Ehrenbürger vor sich her tragen, sagte Ernst Achilles Wengel (Grüne).  „Ich wäre nicht sehr froh, wenn ich in einer Sohnrey-Straße wohnen würde.“

Er habe nie gedacht, sich einmal rechtfertigen zu müssen, kein Brauner zu sein, sagte Menke. Das treffe schon hart. „Die Sohnrey-Gesellschaft  hat nie etwas mit braunem Gedankengut zu tun gehabt, hat es nicht und wird es auch nie.“ Den Verstrickungen Sohnreys sei die Gesellschaft nicht aus dem Wege gegangen. Auf viele Fragen zu den Brüchen in Sohnreys Leben gebe es keine Antworten, da 1943 vieles verloren gegangen sei.

Menke kritisierte die Möbus-Expertise als zu „plakativ“. Sie lasse vieles weg und lasse nur eine Meinung zu. Vieles sei eine Interpretationsfrage, Möbus habe es sich zu einfach gemacht. Die Gesellschaft habe den langwierigen Weg gründlicher Arbeit vor dem Weg in die Öffentlichkeit gewählt.