Weender Festhalle - „Was haben wir hier für schöne Feiern gehabt“ – GT - Göttinger Tageblatt
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Göttingen „Was haben wir hier für schöne Feiern gehabt“
Die Region Göttingen „Was haben wir hier für schöne Feiern gehabt“
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21:27 05.07.2009
Abschiedsparty ohne Feierstimmung: Viele Weender kommen vor dem Abriss noch einmal in die alte Festhalle.
Abschiedsparty ohne Feierstimmung: Viele Weender kommen vor dem Abriss noch einmal in die alte Festhalle. Quelle: Peter Heller
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Obwohl mancher bei den flotten Klängen der Band Thirsty Skiffle Ltd. mitwippte – so rechte Partystimmung mochte am Sonnabendabend in der Weender Festhalle nicht aufkommen. „Das ist eine Trauerveranstaltung“, betonte Horst Kolle, ehemaliger SPD-Ortsbürgermeister Weendes. An seinen Oberarm hat er ein schwarzes Band gebunden. Und er wurde nicht müde, das an diesem Abend mehrfach zu wiederholen. Den geplanten Abriss der Halle mag Kolle bis heute nicht akzeptieren: „Die Halle ist top in Ordnung, da ist nichts dran.“ 

Es gab viele an diesem Abend, die ähnlich denken wie er, die Weendes einstiger Eigenständigkeit hinterher trauern und Weende als Verlierer der Eingemeindung sehen. Mit dem bevorstehenden Abriss der Festhalle verliere der Ort auch noch das letzte Stück, wo wir Verfügungsrecht hatten“, so Kolle.

Und so war die Stimmung bei der Abschiedsfeier denn auch eher gedämpft. Aus vielen Gesprächen hörte man Erinnerungen heraus: „Was haben wir hier für schöne Feiern gehabt“, resümmiert etwa Uschi Cosson – Feiern mit den Kollegen der Gothaer Versicherung zum Beispiel. „Ich finde es schade, dass die Halle abgerissen wird“, sagt sie. Einer der den Abriss der Veranstaltungshalle bedauert, ist auch Martin Schmidt. Seit vielen Jahren veranstaltet er die Göttinger Modellbörse in der Weender Festhalle. „In 62 Modellbörsen haben wir viele tausend Leute hier hergebracht“, rechnet er vor. Die Räumlichkeiten seien einfach ideal gewesen. Wie viele Vereine muss sich auch Schmidt nun nach einem Alternativ-Standort umsehen.

Skeptisch betrachteten denn auch viele Weender die an der Wand aufgehängten Pläne für den Fünf-Millionen-Euro-Neubau der an Stelle der alten Festhalle gebaut werden soll. Ob bei 4,5 Metern Höhe noch eine vernünftige Akustik möglich ist, fragen sie sich. Da nun aber ohnehin nichts mehr zu ändern ist, lauschten sie den flotten Klängen der Musiker. 

Der große Kehraus mit dem Ausräumen der Halle beginnt nach dem 11. Juli. Hallenwirt Oliver Günther hat seinerseits bereits zur Abschiedsparty seine Restbestände an Wein zum Schlussverkaufspreis an den Mann und die Frau gebracht.

Von Britta Eichner-Ramm