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Göttingen „Dem ist gerade ein ganzer Kieslaster vom Herzen gefallen“
Die Region Göttingen „Dem ist gerade ein ganzer Kieslaster vom Herzen gefallen“
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15:04 11.08.2019
Die Siegerband der 17. Auflage: Waves no Shore überzeugten die Jury. Quelle: Heller
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Als Alex am Sonnabendabend um kurz nach 21 Uhr die große Bühne am Kauf Park betritt, haben zwei Bands bereits gespielt. Souveräne Auftritte von The Jenglers und Waves no Shore gilt es zu übertreffen. Dabei steht er zum ersten Mal mit dieser Band namens Feivel’s Five auf der Bühne. Die rund 3000 Menschen vor ihm kennen ihn nicht – nicht einmal die Fans seiner Band. Moderator Andreas Wurm bittet das Publikum kurz vor dem Auftritt, es möge nett zu ihm sein.

Alex gibt alles. Er tobt zwischen seinen Mitmusikern hin und her, singt zu treibenden Punkrock-Beats deutsche Texte von Liebe, Freundschaft und Party. Die Hände und Handys vor der Bühne gehen gleichzeitig nach oben, die eingängigen Mitsingpassagen werden vielstimmig wiederholt. Das Publikum ist nett zu ihm und seiner Band. Dass oben wie unten eigentlich mehr gegrölt als gesungen wird, gehört zur Musik und stört in diesem Moment niemanden.

Erste „Zugabe“-Rufe

Nach dem Auftritt ertönen Zugabe-Rufe – zum ersten Mal an diesem Abend. Alex ist sichtlich erleichtert, sein erster Auftritt für Feivel’s Five ist ein Erfolg. Der Moderator mutmaßt: „Dem ist gerade ein ganzer Kieslaster vom Herzen gefallen.“ Der Applaus hält an. In diesem Moment gibt es auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum im Göttinger Westen wohl nur wenige, die daran zweifeln, wer hier den Nachwuchsbandwettbewerb gewonnen hat.

Rock am Kauf Park 2019

Doch so einfach ist es nicht. Denn der ganze Abend spielt auf durchgehend hohem Niveau. Jede Band hat ihre starken und schwachen Momente. Wie so oft bei Veranstaltungen dieser Art haben es die Opener besonders schwer. Das Publikum ist noch nicht warm. The Jenglers um das Frontduo Andre Busse und Peter Moneke haben mit solider Groove-Abteilung, zweistimmigem Gitarrensound und ebensolchem Gesang reichlich Potenzial. Doch können sie es bei ihrem erst zweiten gemeinsamen Auftritt noch nicht so abrufen, dass es am Ende für den Sieg reicht. Die Jury wird sie später auf den dritten Platz verweisen.

Nichts zum Mitschunkeln

Was dann kommt, hinterlässt bei weiten Teilen des Publikums erst einmal fragende Blicke. „Das ist nichts“, urteilt eine Dame mittleren Alters, nachdem der erste Song von Waves no Shore verklungen ist. Ein mehrminütiges Instrumentalintro und eine ungewöhnliche Liedstruktur verursachen eher Verwirrung als das Bedürfnis mitzuschunkeln. Da sind aber auch ein paar Stimmen im Publikum, die die Musik des Göttinger Quartetts als „spannend“, „cool“ und „besonders“ beurteilen. Konstantin Heises Stimme klingt wie etwas, das mit der entsprechenden Erfahrung signifikant werden könnte. Übermäßig viel Applaus gibt es am Ende für den Auftritt von Wave no Shore dennoch nicht.

Die Mehrheit des Publikums scheint auf etwas anderes zu warten. Offenbar auf Alex und die Feivel’s Five. Wie von allein schließt sich die Lücke vor der Bühne schon vor dem ersten Ton der dritten Band des Abends. Der weitere Ablauf sei nur kurz zusammengefasst. Alex gibt alles, Bandnamensgeber Feivel erzeugt als erster Schlagzeuger des Abends auch mal tanzbare Rhythmen. Gitarrist Manu singt ein Liebeslied für seine Freundin im Publikum und Fans machen Selfies mit der Band im Hintergrund.

„Heute feiern wir“ – oder auch nicht

Als alle gemeinsam beim letzten Song „heute feiern wir ohne Ende“ singen, scheinen sie das Ergebnis des Abends bereits vorwegnehmen zu wollen. Doch mit dem Feiern wird es nichts. Statt dessen pfeifen ein paar Mauswanderer, wie die Fans von Feivel’s Five von den Musikern liebevoll genannt werden, wenig später die Siegerband des Abends aus. Die heißt nämlich nicht Feivel’s Five. Die Jury entscheidet sich gegen Hände in der Luft und Mitsingpassagen.

Prämiert werden an diesem Abend Kreativität und der Mut zu Neuem und Ungewohntem. Eine mutige Entscheidung der Jury gegen den Mehrheitswillen der Zuhörer. Waves no Shore gewinnen die 17. Auflage des Rock am Kauf Park. Sicher nicht unverdient. Und möglicherweise passt ihre Musik auch richtig gut zum Open Air im Kaiser-Wilhelm-Park, wo sie als Kauf-Park-Sieger am 17. August zu hören sein werden. Und möglicherweise gelingt es ihnen dann, auch das Publikum mit ihrer hörenswerten Musik zu begeistern.

Jury: Siegerband hat „das größte Potenzial“

Drei Bands haben sich am Sonnabend auf der großen Bühne am „Kauf Park” präsentiert. „The Jenglers”, gefolgt von „Wave no Shore” und „Feivel`s Five”. Feivel und seine fünf Musiker wurden vom Publikum lautstark als absoluter Favorit gefeiert. Mit ihrem dynamischen Gute-Laune-Party-Punkrock hatten sie die Gäste schnell auf ihrer Seite. Die Jury aber entschied sich dafür, „Wave no Shore” knapp vor dem Publikumsliebling auf Platz eins zu setzen – trotz der zu erwartenden Buh-Ruf aus dem Publikum. Das sagen die Jury-Mitglieder zu ihrer Entscheidung:

Tobias Langer. Quelle: Peter Heller

Tobias Langer, Geschäftsführer DeLuxe-Media: „In der neuen Band `Wave no Shore” habe ich das größte musikalische Potenzial gesehen. Die Musiker sind jung und ich denke, ich kann ihnen jetzt helfen, im Studio ihren eigenen Stil zu finden und auszubauen. Ich freue mich sehr darauf, mit dieser Band ein Album aufzunehmen”.

Niko Tsagarakis. Quelle: Peter Heller

Niko Tsagarakis, Musikmanager: „Die Musiker von Wave no Shore haben sehr gute Ansätze. Für mich hat diese junge Band das größte Potenzial, sich richtig zu entwickeln. Deshalb habe ich mich für sie entschieden.”

Janine Ehlert. Quelle: Peter Heller

Janine Ehlert, Kauf Park: „Mir hat die Band gefallen, weil sie eine junge, kreative Nachwuchsband ist. Ich denke, ‘Wave no Shore’ hat große Chancen, sich und ihre Musik weiter zu entwickeln”.

GOE-KaufParkRock Bandwettbewerb Rock am Kauf Park Quelle: Peter Heller

Britta Bielefeld, Göttinger Tageblatt: „Wave no Shore haben schon jetzt einen ganz eigenen Sound. Bei einem Nachwuchswettbewerb geht es ja nicht darum, die beste Stimmungs-Partyband auszuwählen. Der filigrane Indie-Rock der jungen Göttinger hat mich überzeugt.”

Gewinner und Preise

Die Veranstaltung „Rock am Kauf Park“ hat es sich seit 17 Jahren zum Ziel gesetzt, den musikalischen Nachwuchs der Region zu fördern. Dabei geht es nicht immer um die jüngsten Musiker, sondern auch um junge Formationen. Musiker, die in dieser Konstellation noch nicht lange zusammenspielen.

Der diesjährige Sieger erhielt als Prämie einen Tag im dluxe-Studio von Produzent Tobias Langer in Rosdorf. Zudem dürfen sich die erfolgreichen Musiker über einen Auftritt beim Göttinger KWP-Festival freuen. Ein nicht gerade kleiner Rahmen für Bands, die auf der Suche nach Öffentlichkeit sind. Die zweiten und dritten Sieger gehen allerdings auch nicht leer aus. Sie dürfen sich über Gutscheine des Sponsors Sound & Vision sowie des Kauf Parks freuen.

Dessen neuer Center-Manager Jürgen Brunke wertete die Veranstaltung noch am Abend auch aus kaufmännischer Sicht als Erfolg. Es waren nach seinen Schätzungen mehr Gäste da als im Vorjahr. Als „der Neue“ nehme er alle Veranstaltungen am „Kauf Park“ natürlich genau unter die Lupe und verändere das ein oder andere. Beispielsweise entfiel in diesem Jahr die zweite Bühne mit dem Pausenprogramm. Sein Fazit: „Wenn ’Rock am Kauf Park’ in Göttingen funktioniert, sollte man es beibehalten.“

Von Markus Scharf

Wieder einmal steht der Göttinger „Kauf Park“ am Wochenende im Zeichen der Musik. Die Mischung ist gewagt: Erst Discofox, dann Schlager und zum Abschluss die 17. Auflage von „Rock am Kauf Park“.

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