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Die Region Göttingen So nachhaltig sind die Weihnachtsmärkte im Raum Göttingen
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10:59 09.12.2019
Honig aus Finnland gibt es in Göttingen aus Plastikbechern. Malka Gotthilf nennt dafür Gründe. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

“I was born with a plastic spoon in my mouth“ hieß es 1968 bei The Who. Inzwischen besteht breiter Konsens darüber, verpöntes Plastik tunlichst zu vermeiden. Die Organisatoren und Standbetreiber der Weihnachtsmärkte unternehmen zunehmend Anstrengungen, Kunststoff zu verbannen, achten auf Nachhaltigkeit und Ökologie – bei Geschirr, Verpackungen und Produkten. Das gilt auch für den Göttinger Weihnachtsmarkt.

„In guter Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung drängen wir darauf, auf Plastik zu verzichten und Müll zu vermeiden - ohne schriftlich fixierte Reglementierungen für die Standbetreiber“, sagt Daniel Asmuß. Daran würden sich auch fast alle halten, berichtet der Vorsitzende des Weihnachtsmarkt-Vereins Göttingen, schließt Ausnahmen aber nicht aus. „Wir verzichten konsequent auf Strohhalme, auch aus Maismehl“, sagt Asmuß. Vor einigen Jahren hätten das die Kunden noch nicht akzeptiert, jetzt sei es kein Thema mehr. Im Imbissbereich würden statt Ketchup- und Senfflaschen aus Plastik sogenannte Soßenkühe eingesetzt, trotz höherer Kosten bei unveränderten Preisen ökologische Papiertüten und Holzpiekser, recycelte und unbeschichtete Pappe.

Sammelbestellung von Edelstahl-Löffeln

„Wir sind seit vier Jahren dabei und machen das schon von Anfang an“, bestätigt Gregory Laubinger am „Frittenmeister“-Stand. Wolfgang Krummacker setzt nicht nur bei den Getränken auf regionale Lösungen wie Schattenmorellen aus Witzenhausen. „Wir hatten auch schon kompostierbare Löffel, sind in diesem Jahr aber auf Edelstahl-Löffel umgeschwenkt, als Sammelbestellung mit anderen Beschickern“, sagt Krummacker.

Kirschen für den Glühwein kommen bei Krummacker nur noch auf Metall-Löffel. Quelle: Peter Heller

„Das hat sich bewährt, die Löffel lässt keiner mitgehen“, meint auch Asmuß. Der gesamte Müll beim Weihnachtsmarkt werde Resteverwertung und Recycling zugeführt. Das System sorge für viel Mehrarbeit, funktioniere aber gut. Manche Dinge wie aus hygienisch gebotenen Umverpackungen für Pommes ließen sich nicht vermeiden. Auch Tee und Kräuter werden weiterhin überwiegend in Plastikfolie verkauft.

Nicht nur im Gastronomiebereich ist Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch. An Ständen wie dem „Kerzenhaus“ wird auf pflanzlich zertifizierte Stearine aus organischer Landwirtschaft hingewiesen. Arktischen Honig in Plastikgefäßen gibt es ausgerechnet an dem Stand, der zum schönsten des Göttinger Weihnachtsmarktes gekürt wurde. Die Finnin Malka Gotthilf verweist allerdings darauf, dass in Finnland nicht reycelbare Glasgefäße eine schlechtere Ökobilanz durch Transport und Verpackungsaufwand hätten und die Plastikbehälter wiederverwertet werden könnten.

Nachhaltige Geschenkideen: Linnéa Ramswig präsentiert in Göttingen einen „wachsenden Kalender" mit Samenstreifen zur Anzucht von vergessenen Gemüsesorten. Quelle: Peter Heller

Glühwein gibt es schon seit Jahren ohnehin nur noch aus Gläsern – nicht nur in Göttingen. Beim überschaubaren Weihnachtstreff in Duderstadt wird dabei sogar auf Pfand verzichtet. Im Eichsfeld setzt man noch auf Vertrauen. „Müllvermeidung ist bei uns ein wichtiges Thema“, sagt Hubertus Werner (Treffpunkt Stadtmarketing). Alle Marktbeschicker würden in Eigenregie Mehrweggeschirr einsetzen. In Kooperation mit der Firma Schneemann Recycling gebe es einen Glascontainer, der gesamte Müll beim Weihnachtsmarkt werde nach schwarzer und grüner Tonne, gelbem Sack und Altpapier getrennt. Bratwurst gebe es im Brötchen, bei Currywurst und Pommes sei Pappe noch unverzichtbar, es würden aber zumindest Holzpikser ausgegeben.

Toilettencontainer ohne Chemie

Die Weihnachtsbeleuchtung sei auf LED umgestellt worden, an der Unterkirche ein Toilettencontainer aufgestellt, berichtet Werner. Auch dabei werde auf Umweltfreundlichkeit geachtet – in Form von Spültoiletten ohne Chemie. „Nur vegetarisches Essen hat in diesem Jahr noch nicht geklappt“, sagt Werner: „Das soll es aber im nächsten Jahr geben.“

Umweltfreundlich aufgestellt sei auch der Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz an der St.-Blasius-Kirche in Hann. Münden samt zwei Wechselhütten für die örtlichen Vereine mit Suppenausschank für karitative Zwecke und Kunsthandwerker, sagt Projektleiter Thomas Kossert. In diesem Jahr gebe es als Testballon eine Kooperation mit der Initiative „Tischlein deck dich“ und kostenlosem Leihgeschirr der Münderin Melanie Tönnis: „Wir versuchen, Eingweggeschirr weitgehend zu vermeiden, sind noch nicht so weit wie Kassel, aber auf dem Weg. Es ist noch Luft nach oben.“

„Nachhaltigkeit ist generell wichtig für alle Veranstaltungen, Klimaschutz spielt auch bei Weihnachtsmärkten eine Rolle“, ergänzt Matthias Biroth, Prokurist von Hann. Münden Stadtmarketing: „Mit den Marktbeschickern entwickeln wir das Thema weiter – auch wenn das nicht immer einfach ist.“ Bei der Weihnachtsbeleuchtung sei die Energiebilanz durch LED-Technik verbessert worden.

Noch heller jenseits von allen Nachhaltigkeitsdiskussionen wird es am Dienstag, 10. Dezember, wenn die Coca-Cola-Weihnachtstrucks erstmals Hann. Münden ansteuern. Biroth rechnet mit vielen Besuchern, Parkplätze sind online ausgewiesen.

Vorbildliche Ökobilanz:

„Natürlich Weihnachten“

Als vorbildlich in Sachen Öko-Bilanz gilt der Märchen-Weihnachtsmarkt in Kassel. Alle Schausteller haben sich vertraglich verpflichtet, auf Plastik zu verzichten. Zum Nachhaltigkeitskonzept gehören eine effektive Mülltrennung und der Einsatz biologisch abbaubarer Materialien. Geschenke aus Naturmaterialien und regionale Bio-Produkte unter dem Motto „Natürlich Weihnachten“ werden natürlich schon seit Jahren auf dem Weihnachtsmarkt der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt angeboten. Nach zweijähriger Pause wegen des Umbaus des Natur-Erlebniszentrums hat der eintägige Weihnachtsmarkt dort am ersten Adventssonntag eine Neuauflage erfahren. Von handgeschöpften Seifen über Holzprodukte bis zu ätherischen Ölen reichte das Angebot der Aussteller.

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