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Göttingen So früh wie nie, so wenige Körner wie nie
Die Region Göttingen So früh wie nie, so wenige Körner wie nie
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16:42 18.07.2018
Weizenernte in der Reinhäuser Flur. Josef Zapfe bringt das Korn mit dem Mähdrescher ein. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen/Gieboldehausen

Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat auch beim Weizen zu einer frühen Reife geführt. Am 7. Juli hat Landwirt Markus Gerhardy aus Gieboldehausen auf seinen Flächen mit der Ernte begonnen. “Das ist so früh wie nie”, sagt er. Seit knapp 20 Jahren ist er Betriebsleiter. Aus Gerhardys Statistik geht hervor, dass bisher der früheste Termin für die Weizenernte im Eichsfeld der 19. Juli war – im Jahr 2011. Es gab aber auch schon Jahre, da begannen die Bauern erst am 4. August damit – nämlich im Jahr 2012 und 2014. „Das gilt für meine Flächen, aber damit auch für andere im Eichsfeld”, sagt er. Im Leinetal oder auf Hochflächen werde teils noch später geerntet.

Weizenernte in der Gemarkung Rosdorf zwischen Bahntrasse und Leine. Auf dem Trecker: Andreas Lott. Quelle: Niklas Richter

Auch die Rapsfelder sind weitgehend abgeerntet, Gerhardy hat vom 8. bis 17. Juli geerntet, auch hier gilt, „in den vergangenen 15 Jahren waren wir noch nie so früh dran”. Allerdings liegt der Erntebeginn hier nur einige Tage vor den Vorjahren. Der Raps, der bereits im Frühling durch Rapsglanzkäfer und Knospenwelke geschädigt war, konnte sich durch die Trockenheit nicht mehr richtig davon erholen. Und das, obwohl Raps laut Gerhardy eigentlich ein guten Kompensationsvermögen hat. In diesem Jahr aber fällt der Ertrag bis zu einem Viertel geringer aus als der Durchschnitt – und damit haben Landwirte etwa eine Tonne weniger Raps pro Hektar geerntet. Die Körner der Ölfrucht sind dank der Trockenheit kleiner als üblich.

20 Prozent geringerer Ertrag

Der Wassermangel lässt auch beim Weizen den Ertrag schrumpfen, denn es bilden sich deutlich weniger Körner pro Ähre aus als in guten Jahren. Gerhardy spricht auch beim “Brot und Butter”-Getreide Südniedersachsens von einer um 20-Prozent reduzierten Ernte. „Auf guten, wasserspeichernden Böden sind es vielleicht nur zehn Prozent, auf schlechten Böden bis zu 50”, so der Fachmann. Die geringe Zahl an Körnern habe er so „noch nicht erlebt”.

„Geniale“ Erntebedingungen

Auf der einen Seite verzeichnen die Landwirte starke Ertragseinbußen, auf der anderen Seite herrschen allerdings perfekte Erntebedingungen. „Wir haben gestern bis 23 Uhr und heute wieder ab 10 Uhr gedroschen”, sagt Gerhardy. Bis zu 13 Stunden täglich sind die Bauern auf ihren Feldern unterwegs und holen das Getreide. „Genial”, findet Gerhardy. Die Hälfte der Anbauflächen in Südniedersachsen sind mit Weizen bestellte. Rund die Hälfte davon ist derzeit reif. „Die ersten Bauen haben wahrscheinlich schon am Wochenende ihre Ernte dinnen”, sagt der Gieboldehäuser. Bis Ende des Monats sei vermutlich auch auf den anderen Flächen das Thema Weizenernte erledigt.

Landesweit Mindererträge

Landesweit liegen nach Umfragen des Landvolkes Niedersachsen die Erwartungen noch deutlich niedriger als bislang angenommen. „Wir müssen die Erträge mittlerweile weiter nach unten korrigieren, landesweit wird die Getreideernte um rund ein Drittel niedriger ausfallen als im schon enttäuschenden Vorjahr“, fasst Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke zusammen. Die Landwirte hoffen zum Ausgleich für diese Ertragseinbußen auf steigende Preise. Bei vielen Bauern seien nach zwei schlechten Vorjahren die finanziellen Reserven erschöpft. „Zu der Noternte kommt dann der Notverkauf“, so der Landvolkpräsident. Erhebliche Probleme befürchtet er auch für die Viehhalter. Auf den Wiesen wachse kein Gras nach, der Silomais als wichtigste Futterpflanze zeige ebenfalls deutliche Folgen der zu trockenen Sommerwitterung. Bei Rüben und Kartoffeln seien die Einbußen nun ebenfalls unvermeidlich. „Überall auf den Höfen werden die Mindererträge die Liquidität erheblich belasten“, sagt Schulte to Brinke und fügt an: „Hier ist die konkrete und schnelle Hilfe des Landes notwendig“. Er fordert die Politik auf, alle Weichen zu stellen, damit die Agrarprämien so frühzeitig wie möglich auf den Konten der Empfänger gut geschrieben werden können. Überall im Lande erleben nach Angaben des Landvolks die Landwirte bei der Ernte zum Teil dramatische Abstriche gegenüber „normalen“ Jahren.

Von Britta Bielefeld

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