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Göttingen Weltenschreiber: Nachwuchsschriftsteller stellen Texte vor
Die Region Göttingen Weltenschreiber: Nachwuchsschriftsteller stellen Texte vor
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11:15 02.07.2019
Bereiten sich auf ihren Auftritt vor: Schüler der Klasse 9b des Otto-Hahn-Gymnasiums in Göttingen. Quelle: Garben
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Göttingen

Ein Jahr lang haben Schüler aus Göttingen und Gieboldehausen in Schreibwerkstätten an eigenen literarischen Werken gefeilt. Entstanden sind mitunter mutige und nachdenkliche, aber auch witzige und experimentelle Texte. Am Dienstagvormittag stellten sie ihre Ergebnisse im Jungen Theater bei einer Abschlusslesung vor.

Fünf Schulen aus der Region haben sich an dem Literaturvermittlungsprogramm „Weltenschreiber“ beteiligt. Vom Literarischen Zentrum organisiert, haben erfahrene Autoren die Schüler über das Schuljahr hinweg begleitet. Gefördert wurde das Projekt durch die Robert Bosch-Stiftung, die Stiftung Niedersachsen, die VGH-Stiftung und die Klosterkammer Hannover.

Mut zur eigenen Meinung

Gemeinsam mit dem Slampoeten Dalibor Marković widmeten sich Schüler von drei neunten Klassen der Geschwister Scholl Gesamtschule aus Göttingen dem Thema Poetry Slam. In Einzel- und Teamtexten beschäftigten sie sich oft mit ernsten Themen wie Armut, Vergänglichkeit und Orientierungslosigkeit, beschworen aber auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. So sieht sich die Erzählerin im Text von Emily und Rabeas immer wieder mit Klischees und Vorurteilen konfrontiert, die andere gegenüber Ausländern, Frauen oder Politikern hegen. Beurteilungen, von denen sie sich nur schwer freimachen kann, bei denen sie aber trotzdem begreift, wie wichtig der Mut zur eigenen Meinung ist.

Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit Dalibor Markovic (1.v.li.) Quelle: Garben

Einen etwas anderen Ansatz hat die Autorin Léda Forgó mit den Schülern der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule gewählt. Aufgeteilt in vier Gruppen, erhielten sie verschiedene Aufgaben – zum Beispiel, sich jeweils eine Geschichte zu einem feststehenden Ausgangspunkt zu überlegen. Für die zweite Gruppe hieß das, dass ihr Protagonist durch eine Tür geht und auf der anderen Seite nicht das gewohnte Umfeld vorfindet.

Eine Gruppe von Schülern der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Quelle: Garben

Eher unvorbereitet wurden die Zuhörer mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert. Ein Junge beschäftigt sich gedanklich immer wieder mit seinen Nachbarn, die er viel streiten hört und deren Auseinandersetzungen dazu führen, dass er sich sogar körperlich schlecht fühlt. Schwach durch eine Tür wankend, findet er sich plötzlich im Körper der Nachbarin wieder, die von ihrem Mann (mal wieder) beschimpft und mit einer leeren Bierdose beworfen wird. Der Nachbarin gelingt nun das, was die Frau vorher nicht geschafft hat: Sie verlässt die Wohnung – und den Mann. Dabei trifft sie im Flur auf einen (den?) Jungen, der bloß sagt: „Ich habe die Polizei gerufen.“ Für die einfühlsamen Beschreibungen gab es viel Anerkennung vom Publikum.

Schüler der Goetheschule in Einbeck stellen ihre Texte vor. Quelle: Garben

Das Konkrete im Gedicht über das Spielerische hinaus, darum ging es Autorin Nadja Küchenmeister bei ihrer Arbeit mit den Schülern der Klasse 9a der Goetheschule Einbeck. Entstanden sind lesenswerte Beiträge über Neuanfänge, Erinnerungen und Abenteuer.

Freundschaft und Verlust

Besonders lauten Applaus bekam Carlotta, Schülerin aus der Klasse 9b des Otto-Hahn-Gymnasiums. Gemeinsam mit ihren Mitschülern war sie von der Autorin Lena Gorelik betreut worden. Zentrale Themen in ihrem Text waren Freundschaft und Verlust: Tayo soll in den Senegal abgeschoben werden. Sensibel beschreibt Carlotta, wie er und sein Freund Tim noch ein letztes Mal gemeinsam in ihrem Baumhaus übernachten. Hin- und hergerissen zwischen der Sorge um Tayo und dem, was ihn im Senegal erwartet, und dem Gefühl, allein zurückzubleiben wie ein Harry Potter ohne seinen Ron Weasley, wartet Tim auf den Morgen.

Einige Beiträge wurden auch schriftlich ausgestellt. Quelle: Garben

Lustig wurde es dagegen bei der Lesung der Klasse 6d von der KGS Gieboldehausen und Autor Arne Rautenburg: Rentiere, die nicht duschen wollen, Vogelschiss, der mit Mayo verwechselt wird, oder Trump, der Kanada bombardiert – das Publikum hatte viel zu lachen.

Weltenschreiber

Junge Menschen für das literarische Schreiben zu begeistern, ist das Ziel des Literaturvermittlungsprogramms „Weltenschreiber“. Umgesetzt wird das Projekt, das vorerst auf zwei Jahre angelegt ist, von den Literaturhäusern Stuttgart und Rostock sowie dem Literarischen Zentrum (LZ) in Göttingen. Bestandteil ist neben den von erfahrenen Autoren begleiteten Schreibwerkstätten auch eine 18-monatige Fortbildung für Lehrer zum Thema literarisches Schreiben. In Göttingen wird derzeit ein Mentorenprogramm am LZ entwickelt, mit dem interessierte Schüler auch nach Ende des Weltenschreiber-Projektes bei ihren schriftstellerischen Gehversuchen begleitet werden sollen.

Von Nora Garben

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