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Göttingen Schüler erhalten Geschichte gegen Gutschein
Die Region Göttingen Schüler erhalten Geschichte gegen Gutschein
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12:00 22.04.2019
Die Schüler können in den Buchhandlungen Rätselaufgaben zum aktuellen Aktionsbuch bei der Schnitzeljagd des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels lösen. Quelle: Isabelle Grubert/cbj
Göttingen / Duderstadt

Tageszeitung, Wochenzeitung, Broschüren, Wandzeitung, Schülerzeitung, Reklame im Briefkasten (sehr bildlastig), Anzeigenblatt, Zeitschriften – auf die Hand und obendrein online: Ist alles lesbar; aber am 23. April gilt nur einem Medium die offensichtlich leicht eingeschränkte Aufmerksamkeit. An diesem Dienstag ist Welttag des Buches, an dem die Organisation für Kultur und Bildung der Vereinten Nationen (Unesco) mehr Menschen zum Schmökern animieren will. Neun Leser ließen sich nicht lange bitten: Sie schwärmen von Lektüre, die für sie besonders ergiebig ist.

Eine mysteriöse Tür zu einem märchenhaften Kontinent: Das finden die Protagonisten in „Der geheime Kontinent“ von Autor THiLO und Illustrator Timo Grubing. Zum Welttag des Buches erhalten Schüler die Fantasygeschichte gratis in den Buchhandlungen, auch in der Region.

Etwa 100 Schüler erwartet Ursula Barking in ihrem „Der Buchladen“ in Rosdorf. Seit 20 Jahren vergibt die Buchhändlerin bei der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte 2019“ die Geschichten gegen Gutscheine. Ins Leben gerufen wurde die Aktion vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Ich finde, das kann man nur unterstützen“, sagt Barking. Das Lesen bei den Kindern werde gefördert. Im vergangenen Jahr gab es für sie eine Geschichte über das Skateboardfahren.

Fantasiewelt hinter mysteriöser Tür

In diesem Jahr gehen sie in THiLOs Geschichte auf eine literarische Reise in eine Fantasiewelt. Tim und Meike sind auf Klassenfahrt, bei der sie in einer Jugendherberge in einer alten Burg übernachten. Dort finden die Kinder eine mysteriöse Tür in der staubigen Bibliothek, heißt es im Klappentext.

Dahinter passieren Geschichten, die sie nur aus Büchern kennen: Einhörner, Zwerge und Elfen bewohnen den geheimen Kontinent. So richtig glauben, können die beiden das nicht. Aber dann erreicht sie ein Hilferuf, und sie fassen ihren Mut zusammen. Sie tauchen in die Welt ein und stellen sich einer gefährlichen Kreatur.

Lehrer bestellen Bücher für Klassen vor

Jedes Jahr sei die Geschichte von einem anderen bekannten Kinderbuchautor, sagt Hilke Schneede von der Akademischen Buchhandlung Calvör in Göttingen. „Die Lehrer aller vierten Klassen können das Buch vorbestellen“, berichtet sie. Sie kommen dann meist mit ihren Klassen vorbei, um die Gutscheine einzulösen. Die Aktion sei für Kinder die Gelegenheit, einfach mal eine Buchhandlung von innen zu sehen, um zu wissen, wie es dort zugeht, meint Schneede.

In einigen Läden bieten die Buchhändler eine Schnitzeljagd an, die vom Börsenverein bereitgestellt wird. „Früher waren das mehr so Fragen wie: Wie groß ist das Pixie-Männchen? Oder wie viele Bücher gibt es von Kirsten Boie?“, erzählt Ursula Barking. Heute sind es Fragen und Aufgaben zum Welttags-Buch selbst. Ungefähr eine Stunde verbringen die Schüler damit im Buchladen.

Lesekompetenz der Kinder habe gelitten

„Ich finde das eine ganz tolle Aktion“, sagt Katharina Haase von „Willi Döring“ in Gieboldehausen. 160 Schüler von der Grundschule und von der KGS kommen in diesem Jahr in ihrem Schulbuch- und Schreibwarenladen vorbei. „Die Lesekomptenz hat so gelitten“, meint Haase. „Wir leben in einer Handy-Gesellschaft. Sprache ist kürzer, Ausrufezeichen, Englisch.“

Für Kinder, die es nicht gelernt hätten, sei es daher schwierig, sich auf ein Buch einzulassen. Die Aktion, die von den Buchhändlern finanziert werde, sei hilfreich, um ihnen das Lesen näher zu bringen. „Und um publik zu machen, wie schön es ist, in eine Buchhandlung zu gehen, statt am Amazonas zu shoppen“, sagt Haase.

Noch bis Mittwoch, 29. Mai, können die Schüler ihre Gutscheine in den Buchhandlungen für das Buch einlösen. Allein in Niedersachsen erhalten 92000 Kinder aus 4000 Klassen ein Buch geschenkt. Der Welttag des Buches wurde im Jahr 1995 als Feiertag des Buches von der Unesco initiiert. Er wird jährlich am 23. April, dem Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes, von Lesefreudigen begangen.

„Das Licht“ von T.C. Boyle

Schon das psychoaktive Cover sorgt für ein Flashback. In seinem Roman „Das Licht“ demontiert T.C. Boyle nach Alfred C. Kinsey („Dr. Sex“) eine weitere Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Für seine Experimente mit dem „Sakrament“ LSD schart der Psychologe Timothy Leary ab 1962 in Mexiko und Millbrook junge Menschen um sich, deren Forschungseifer in enthemmten Hedonismus abgleitet. Die Atombombe fürs Gehirn wird nur oberflächlich ausgeleuchtet, die Nichtvereinbarkeit mit den Zumutungen des Alltags umso deutlicher. Familie und Studium des Protagonisten, der zum Leary-Jünger wird, zerbrechen daran. Kein Geniestreich, konventionell geschrieben, aber nicht zu moralinsauer und durchaus unterhaltsam – nicht nur für Ex-Hippies.

Kuno Mahnkopf, 57 Jahre, Tageblatt-Redakteur, Seeburg

„Reich der sieben Höfe“ von Sarah Janet Maas

Die 21-Jährige ist Auszubildende zur Fachangestellten für Mediendienste – ihr Medium Nummer eins: „Am liebsten lese ich. Ich fahre an jedem Morgen mit dem Zug nach Göttingen und schlage ein Buch auf. Aktuell sehr gern Fantasy. Im Moment mag ich total die Reihe ,Reich der sieben Höfe‘ von Sarah Janet Maas. Es geht um ein Menschenmädchen, das versucht, bei Feen zu überleben. Die Autorin beschreibt die Dinge sehr bildlich, sehr gut vorstellbar. Und ich finde ihre Wortwahl wunderschön. Spannende Bücher.“ Sie erscheinen im Verlag DTV.

Inken Zibat, 21 Jahre, Auszubildende, Bad Sooden-Allendorf

„Schwarze Kater bringen Glück“ von Tanya Stewner

„Wenn Ferien sind, fahren wir in die Stadtbibliothek nach Göttingen. Hier kann ich ganz viele Bücher auswählen. Heute schon fünf.“ Die Zweitklässlerin hat auch ein Buch mit Liliane Susewind ausgesucht – ihre aktuelle Favoritin zwischen Buchdeckeln: „Der Titel heißt ,Schwarze Kater bringen Glück‘. Dieses Buch kenne ich noch nicht, andere von ihr hab ich schon gelesen. Liliane ist ganz toll, weil sie mit Tieren sprechen kann.“ Lara hat zwei Katzen: „Mila und Garfield. Aber die verstehen mich nicht. Vielleicht verstehen sie mich besser, wenn ich dies Buch lese.“ Die Autorin heißt Tanya Stewner, Eva Schöffmann-Davidoff hat die im Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag herausgegebene Geschichte illustriert.

Lara Denecke, 7 Jahre, Bremke

„Der Ursprung der Liebe“ von Liv Strömquist

Liv Strömquist, ,Der Ursprung der Liebe‘. Die schwedische Comic-Künstlerin Liv Strömquist versucht in ihrem Buch herauszufinden, was Liebe alles sein kann – romantisch, pragmatisch, existentiell, ewige Treue, mehr als eine Zweierbeziehung , wer weiß... Ihre Zeichnungen sind großartig auf den Punkt und echt witzig. Wie ist das also mit der Liebe...?“ Liv Strömquist, Der Ursprung der Liebe, erschienen im Avent-Verlag.

Stephanie Nöttger, Buchhändlerin, Laura Frauenbuchladen in der Göttinger City

„Dritte Halbzeit – ein Bilanz“ von Waldemar Hartmann

„Im Urlaub habe ich gerade das Buch ’Dritte Halbzeit – ein Bilanz’ von Waldemar Hartmann gelesen. Die Biografie des Sport-Journalisten und -Moderators und seine offene Art sind sehr interessant. Vor allem die zahlreichen Geschichten rund um den Fußball. Hartmann ist ein Urgestein, der immer grundehrlich und geradeheraus war und ist. Das Buch ist empfehlenswert für Leser, die Interesse an Box- und vor allem Fußball-Geschichten haben. Unvergesslich das Interview mit Rudi Völler und dem ,Weißbier‘.“

Hans-Dieter Dethlefs, Vorsitzender des Fußballkreises Göttingen-Osterode, Desingerode

„Thalamus“ von Ursula Poznanski

„Die Bücher der Autorin Ursula Poznanski gefallen mir. Das sind Jugendromane, aber auch Thriller. Sie greift immer neue Themen auf. Ihr Roman ’Thalamus’ behandelt zum Beispiel die Nano-Technologie. Die Bücher sind interessant und gut aufgebaut: Es ist nicht so, dass man direkt weiß, was am Ende passiert. Es ist meist überraschend.“

Gesche Janssen, Philosophie-Studentin, Göttingen

Sammelband von Walter Benjamin

„Ich lese im Moment einen Sammelband von Walter Benjamin. Das war ein Kulturkritiker und Philosoph aus den 1920er-Jahren. Er hatte ein sehr tragisches Leben, weil er jüdischer Marxist war und von den Nazis in den Selbstmord getrieben wurde. An seinen Essays gefällt mir seine kritische Analyse von Kultur. Es ist auch heute bereichernd, auch wenn es in den 1920er-Jahren anhand der Kulturgüter der Zeit geschrieben ist. Studenten lege ich vor allem den Aufsatz ’Das Leben der Studenten’ aus dem Jahr 1915 ans Herz, in dem Benjamin universitäre Strukturen kritisiert und für ein freies und unabhängiges Denken an der Universität plädiert.“

Paul Moersener, Philosophie-Student, Göttingen

„Troubles“ von James Gordon Farrell

„Ich lese gerade ’Troubles’ von James Gordon Farrell. Das Buch handelt vom Untergang des britischen Empires. Es wurde gerade erst in deutscher Sprache neu als Taschenbuch aufgelegt und ist informativ und spannend.“

Christian Jacobi, Arzt, Bad Soden am Taunus

„Deutsch für junge Profis“ von Wolf Schneider

„Ich empfehle ’Deutsch für junge Profis’ von Wolf Schneider. Einerseits hilft es dabei, in Zeiten sozialer Netzwerke mehr Wert auf die Sprache zu legen, und andererseits bewahrt es aber auch vor Geschwafel. Es geht nicht um Grammatik, sondern um den Stil.“

Andreas Ravens, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum, München

„Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien

„Mein Lieblingsbuch ist ’Der Herr der Ringe’ von J. R. R. Tolkien, weil ich mich in die Fantasiewelt so hineindenken konnte. Fantasyromane haben mir schon immer gefallen. Im Moment lese ich aber ’Blackout’ von Marc Elsberg. Das ist ein wissenschaftlicher Thriller.“

Anne Langhammer, 33 Jahre, Lehrerin, Bremen

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