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Göttingen Gegen Wattestäbchen helfen Billionen von Bakterien nicht
Die Region Göttingen Gegen Wattestäbchen helfen Billionen von Bakterien nicht
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00:25 24.03.2018
Kläranlage Göttingen Blick hinter die Kulissen 2009-02-237
Kläranlage Göttingen Blick hinter die Kulissen 2009-02-237 Quelle: Jan Vetter
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Göttingen

Am Donnerstag, 22. März, ist Weltwassertag. In diesem Jahr lautet das Motto “Natur für Wasser“. Was aber geschieht eigentlich mit unserem Wasser, wenn es durch den Abfluss davon rauscht? Es landet in der Kläranlage.

Die gestreiften Faul-Türme und der bei Dunkelheit bunt beleuchtete Treppenturm am Rinschenrott sind den meisten Göttingern bekannt. Dass dort derzeit 40.000 Kubikmeter Wasser täglich gereinigt werden, vermutlich nicht. Von dem Abwasser nebst Abfällen der Göttinger ist nicht viel zu sehen und nur wenig zu riechen. In großen Metallgehäusen arbeiten die Rechen. Der erste, so erklärt Thomas Reichardt, Laborleiter der Göttinger Kläranlage, hat Zähne im Abstand von vier Zentimeter, der zweite welche im Abstand von drei Millimetern. Mit den Rechen werden alle größeren Bestandteil aus dem Wasser gefischt. Papier, Plastik, Essensreste und menschliche Hinterlassenschaften klemmen in den Metallzinken. Viel kurioses findet Reichardt dort nicht. „Wir hatten auch schon mal ein Gebiss darin”, sagt er. Manchmal, so Reichardt weiter, rufen Göttinger an, denen ein Ehering oder ein anderes Schmuckstück in den Abfluss gerutscht ist. „Meistens finden wir die Stücke aber nicht”, sagt der Fachmann. In Norddeutschland gibt es immer mal wieder Probleme bei der Abwasseraufbereitung, weil der Verbrauch an kosmetischen Feuchttüchern, die sich in Wasser nur schwer zersetzen, gestiegen ist. „In Göttingen haben wir damit keine Probleme”, so Reichardt. Das Aufkommen an Material, dass mit den Rechen heraus gefischt wird, sei in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Probleme machen eher Wattestäbchen, die natürlich nicht ins Abwasser gehören. „Die Stäbchen sind so dünn, dass sie selbst durch die feinen Rechen flutschen, so Reichardt. „Auch Essensreste sollten nicht in der Toilette entsorgt werden”, sagt er. Die Fette darin setzen sich in Rohren fest und verstopfen sie. „Und wir wollen ja nicht die Ratten füttern.“ Etwa drei Container voll festem Abfall fischen die Rechen wöchentlich aus dem Göttinger Abwasser. Nach dem Rechen werden weitere kleine feste Bestandteile im Sandfang aus dem Wasser gezogen, dann geht es in die biologische Aufbereitung.

Führung am Weltwassertag

„Billionen von Bakterien übernehmen dort zunächst die Entfernung des Kohlenstoffs und in der drit­ten Reinigungsstufe den Abbau der Nährstoffe Stickstoff sowie durch ein Fällungsverfahren die Entfer­nung von Phosphor”, so Heindorf. Durch die Entfernung der Nährstoffe Stickstoff und Phosphor in der Abwasserreinigungsanlage werde ein wird ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der guten Wasserqualität in der Leine geleistet. In zu hoher Konzent­ration würden die genannten Nährstoffe ein starkes Algenwachstum verursachen und dadurch den Le­bensraum Fluss schädi­gen.

Der Weltwassertag wird jährlich am 22. März begangen. Er steht in jedem Jahr unter einem anderen Thema. In diesem Jahr liegt der Fokus auf „Natur für Wasser“. Am Weltwassertag bieten die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) eine Führung durch die Kläranlage an. Beginn ist am Donnerstag, 22. März, um 15 Uhr. Anmeldungen unter Telefon 0551/ 400 5 400.

Von Britta Bielefeld

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