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Göttingen Wenig Bus-Nutzer, weniger Autos aber viele Radfahrer
Die Region Göttingen Wenig Bus-Nutzer, weniger Autos aber viele Radfahrer
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19:39 08.09.2009
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12 000 Haushalte hat das Verkehrsplanungs-Büro LK-Argus zu einem Stichtag im November 2008 im Auftrag der Stadt Göttingen und des „Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen“ befragt. Gut 3250 haben geantwortet – etwa 27 Prozent. Sie haben fast minutengenau angegeben, wann, wohin und mit welchem Verkehrsmittel sich die Mitglieder des Haushaltes bewegt haben. Hinzu kam eine nacherhobene Stichprobe im April 2009. Kernergebnis: 28 Prozent waren mit dem Auto oder Motorrad unterwegs, 27 Prozent mit einem Fahrrad, 25 Prozent zu Fuß, 13 Prozent mit Bussen und Bahnen und sechs Prozent als Mitfahrer in einem Pkw.

Ebenso differenziert ist der Vergleich zu einer Erhebung vor fast zehn Jahren: Damals betrug der Auto-Anteil 41 Prozent (jetzt 28) der Fahrradanteil 24 Prozent (jetzt 27) und der Fußgängeranteil 23 Prozent (jetzt 25). Die Verkehrsplaner haben die Göttinger Daten auch mit Ergebnissen aus anderen Städten und dem Bundesdurchschnitt verglichen: Münster (Daten aus 2007) und Freiburg (Daten aus 1999) kommen zum Beispiel auf 30 und 26 Prozent Autofahrer (28 in Göttingen), 38 und 26 Prozent Radfahrer (27 in Göttingen), zehn und 18 Prozent Pkw-Anteil (13 in Göttingen), 16 und 22 Prozent Fußgänger (25 in Göttingen).

Positiv überrascht

Und schließlich der Bundesschnitt nach Daten aus 2002: 45 Prozent Kfz, neun Prozent Radler, 23 Prozent Fußgänger, acht Prozent Bus und Bahn, 16 Prozent Pkw-Mitfahrer. Wenig überrascht, dass Bürger aus den Göttinger Dörfern, aus Rosdorf und aus Bovenden häufiger ein Auto nutzen, Innenstadt- und Kernstadtbewohner hingegen häufiger zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind.

Positiv überrascht ist Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg vom gestiegenen Fahrradanteil. Sein Fazit: Neue Radwege, Fahrradstraßen und andere Aktionen hätten eine erfolgreiche Entwicklung vorangetrieben. „Enttäuscht“ ist Dienberg hingegen vom vergleichsweise geringen Anteil der Bus-Nutzer. Sein Fazit dazu: Erstens dürfe die gute Busanbindung der Innenstadt nicht ausgedünnt oder verändert werden. Zweitens müsse es mehr Anstrengungen geben, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. Einen Hinweis dazu geben die Befragten selbst: Sie erwarten für einen Umstieg in Busse neben niedrigeren Preisen vor allem mehr Verbindungen und einen kürzeren Haltetakt. Generell werde die Stadt „kontinuierlich weiter daran arbeiten“, den ÖPNv und den Radverkehr zu stärken, ergänzte Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD): Zum Beispiel mit einer neuen Nord-Süd-Fahrradtraße zwischen Neuem Rathaus und Kiesseestraße.

Für die Grünen im Rat der Stadt ist mit dem Rückgang des Autoverkehrs und Anstieg des Fahrradanteils „die Trendwende auf Göttingens Straßen geschafft“. Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel wertet die Befragungsergebnisse als „gute Nachricht für Umwelt und Klima“.

Weitere Ergebnisse werden heute, 10. September, im Bauausschuss vorgestellt: ab 16 Uhr in Raum 118 im Neuen Rathaus.

Von Ulrich Schubert