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Göttingen Weniger Adoptionen in Niedersachsen – Tendenz in Göttingen ähnlich
Die Region Göttingen Weniger Adoptionen in Niedersachsen – Tendenz in Göttingen ähnlich
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14:00 29.12.2018
Der Wunsch, eine neue Familie zu gründen, lässt laut Statistikern landesweit nach. Quelle: dpa
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Göttingen/Landkreis

Im vergangenen Jahr haben Eltern in Niedersachsen 366 Kinder und Jugendliche adoptiert, wie das Landesamt für Statistik in Hannover mitteilte – 32 weniger als 2016; in dem Jahr seien im Land 398 Adoptionen registriert worden. Einen Höchststand hatte die Zahl 2011 mit 406 Adoptionen erreicht, seither schwanke sie bei etwa 370. Im Jahr 2017 wurden 187 Mädchen und 179 Jungen Mitglied einer neuen Familie. 91,8 Prozent der Minderjährigen besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. 8,2 Prozent hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Zwei Drittel der Kinder wurden von Stiefmutter oder -vater adoptiert

Zum Zeitpunkt der Adoption waren nach Mitteilung des Landesamtes für Statistik 40 Prozent der Kinder jünger als drei Jahre und neun Prozent zwischen drei und fünf Jahren alt. 23 Prozent waren zwölf Jahre oder älter. Fast zwei Drittel (61 Prozent) wurden von der Stiefmutter oder dem Stiefvater adoptiert. Nur fünf der adoptierten Kinder und Jugendlichen waren mit den Adoptiveltern verwandt.

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Im vergangenen Jahr gingen den Angaben zufolge bei den niedersächsischen Behörden 390 Bewerbungen von Erwachsenen um eine Adoption ein – 16 Prozent weniger als im Jahr davor. Insgesamt 196 Kinder und Jugendliche befanden sich 2017 in Adoptionspflege. Diese Phase beginnt mit dem Zeitpunkt, wenn ein Kind von seinen leiblichen Eltern formal zur Adoption freigegeben und im Haushalt der Adoptivfamilie aufgenommen worden ist, und endet mit dem Beschluss des Vormundschaftsgerichts. Sie soll den neuen Eltern und dem Kind Zeit geben, sich als „neue Familie“ zu finden. Am Jahresende 2017 waren insgesamt 67 Kinder und Jugendliche zur Adoption vorgemerkt, sieben weniger als 2016.

Stabile Adoptionszahlen im Landkreis Göttingen

Im Landkreis Göttingen haben sich in diesem Jahr elf Paare um eine Adoption beworben, teilt Sprecher Ulrich Lottmann mit. 2015 seien es 18 Paare gewesen – 2016 elf und 2017 13. Die Adoptionszahlen sind stabil: 2016 zehn; 2017, acht; 2018, elf.

Rückläufige Adoptionszahlen in der Stadt Göttingen

In der Stadt wurden in diesem Jahr „bisher sechs Adoptionen ausgesprochen“, so Verwaltungssprecher Dominik Kimyon – 2017 waren es acht, 2016 vier, 2009 elf. Aktuell liegen im Neuen Rathaus neun Adoptionsbewerbungen vor, so Kimyon. Vor mehr als 15 Jahren seien es „durchschnittlich 40 Paare“ gewesen, die bei der Stadt als Adoptionsbewerber geführt wurden.

Zahl der Stiefkind-Annahmen in Göttingen steigt

Die Zahlen seien in den vergangenen zehn Jahren zwar durch Schwankungen gekennzeichnet gewesen, aber „tendenziell gehen sie zurück“, so Kimyon. „Die Zahlen setzen sich sowohl aus Fremd- als auch aus Stiefkind-Adoptionen zusammen.“ Bei einer Fremdadoption werde ein unbekanntes Kind in eine Familie vermittelt. Bei der Adoption eines Stiefkindes werde das Kind vom neuen Partner des Elternteils adoptiert. Kimyon: „Die Zahl der Stiefkind-Annahmen steigt tendenziell an.“

Geringer gesellschaftlicher Druck zur Gründung von Familien

Bei der Suche nach Gründen für den Rückgang von Fremdadoptionen und Adoptionsbewerbern in der Stadt seien mehrere Aspekte zu berücksichtigen, betont Kimyon. Neben dem Klassiker (Familie mit zwei, drei Kindern) hätten sich „vielfältige Lebensformen und Konstellationen des Zusammenlebens“ etabliert: „Ein Leben mit Kindern ist nur eine von vielen Menschen bevorzugte Lebensform.“ Zudem hätten sich mit der Reproduktionsmedizin „die Chancen erhöht, auf natürlichem Weg eine Elternschaft zu begründen“. Und: Durch „präventiv-unterstützender Hilfen, wie die Begleitung durch Familienhebammen, die Betreuung in einer Mutter-Kind-Einrichtung, die Unterstützung von Familienhelfern“ werden alleinstehende Mütter entlastet und können „in schwierigen Lebenslagen Kind behalten“. Die Zunahme der Stiefkindadoptionen hänge mit der Zunahme an Patchworkfamilien sowie „auch mit der steigenden Anzahl von gleichgeschlechtlichen Ehen mit Kinderwunsch“ zusammen, Kimyon.

Adoption: Ansprechpartner der Stadt und des Landkreises Göttingen

Informationen und Ansprechpartner für Adoptionen in der Stadt Göttingen: Fachbereich Besondere Soziale Dienste; Informationen und Ansprechpartner für Adoptionen im Landkreis Göttingen (Jugend- und Familienhilfe); auf www.goettingen/adoption steht auch der Flyer der Gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle (GA) der Stadt sowie der Landkreise Göttingen und Northeim als Download zur Verfügung.

Von Stefan Kirchhoff/epd

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