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Göttingen Wenn der Kläger verlieren muss, um zu gewinnen
Die Region Göttingen Wenn der Kläger verlieren muss, um zu gewinnen
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19:40 16.08.2011
Von Jürgen Gückel
Gelände des ehemaligen Elektroröhren-Werkes: Das Grundwasser unter Holzhof und Drogentherapiezentrum ist belastet.
Gelände des ehemaligen Elektroröhren-Werkes: Das Grundwasser unter Holzhof und Drogentherapiezentrum ist belastet. Quelle: Heller
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Göttingen

Es geht um die Hinterlassenschaft der Elektroröhren-Gesellschaft (ERG), die bis 2002 an der Robert-Bosch-Breite Leuchtstoffröhren produzierte. Dabei wurde das Grundwasser schwer mit Lösungsmitteln, sogenannten LHKW (Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe) verseucht. Rechtsnachfolger ist die Osram GmbH, die das ganze Gelände aber schon 2003, ein Jahr nach Betriebseinstellung, verkaufte. Der Käufer wiederum veräußerte das Gelände weiter an die heutigen Nutzer, den Holzhof und das Drogentherapiezentrum Göttingen. Diese verpflichteten sich in Kenntnis des damals vorliegenden Altlastengutachtens, die Kosten für künftige Sanierungen zu bezahlen, soweit sie rechtsverbindlich angeordnet sind.

Schon 2005 war von Osram freiwillig mit der Grundwassersanierung begonnen worden. Dann aber stellte sich heraus, dass an zwei Stellen unterirdische Tanks mit Entfettungsschlämmen undicht geworden waren. Die Belastungen waren viel gravierender als angenommen. An zwei Schadensherden waren die Belastungen dramatisch. Die Ende 2006 angelaufene Grundwasserreinigungsanlage pumpte Wasser mit 500 000 Mikrogramm Schadstoff je Liter durch die Aktivkohlefilter – der Schwellenwert, der noch zu dulden ist, liegt bei 50 Mikrogramm, 10 000 Mal kleiner also. Seit Mai 2008 bis heute ist die Belastung des geförderten Grundwassers immerhin auf ein Fünftel, also 100 000 Mikrogramm, gesunken. Bisher hat das alles rund 150 000 Euro gekostet. Ein Ende der Grundwasserreinigung ist nicht abzusehen und dürfte auch künftig 20 000 Euro jährlich kosten.

Das alles hat Osram bisher freiwillig gemacht, hat parallel aber geklagt, um sich so zwingen zu lassen, damit Kostenerstattung von den neuen Eigentümern verlangt werden kann. Das Verwaltungsgericht aber weigerte sich, durch ein Urteil die doch für die Allgemeinheit richtige Zusammenarbeit zu zerstören.

Es schlug ein Mediationsverfahren vor, bei dem auch die neuen Eigentümer in die Pflicht genommen werden müssten. Das Verfahren wurde ruhend gestellt. Klar sei natürlich, machte der Vorsitzende Harald Richtberg klar, dass bei derart hoher Belastung, Sofortmaßnahmen anzuordnen wären, wenn nicht der Sanierungsplan schon umgesetzt würde. Dass es auch ohne Streit geht, zeigen zwei andere Käufer, die sich an parallelen Sanierungsmaßnahmen auf demselben ehemaligen ERG-Gelände einvernehmlich finanziell beteiligen.