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Göttingen „Wenn man geht, sollten einen die Leute vermissen“
Die Region Göttingen „Wenn man geht, sollten einen die Leute vermissen“
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18:49 15.11.2011
Entspannen in der Kaminecke: Peter Reindler liest hier gerne ein gutes Buch. Quelle: Vetter
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Rosdorf / Obernjesa

Einfach ist ihm der freiwillige Rückzug aus der Kommunalpolitik ohnehin nicht gefallen. „Es tut im Moment noch ein bisschen weh“, gibt der 70-Jährige zu. „Wenn man in der Zeitung liest, was im Rat passiert, schmerzt es einen schon, nicht mehr dabei zu sein.“ Aber es sei seine eigene Entscheidung gewesen, sich zurückzuziehen – und die halte er weiterhin für richtig. Der Zeitpunkt sei wichtig. „Wenn man geht, sollten einen die Leute vermissen“, sagt er. Das hat er geschafft. Die SPD-Fraktion versuchte lange, ihn von einem Rückzug vom Rückzug zu überzeugen. Vergebens.

Den Kontakt zur Politik will er dennoch nicht abbrechen. Schließlich seien mit den Jahren Freundschaften über die Parteigrenzen hinweg entstanden. Ein wichtiger Punkt, sagt Reindler, für den er ein Beispiel aus dem Fußball anführt. „Auch wenn ich BVB-Fan bin und der andere Bayern-Fan, kann man ja trotzdem miteinander klarkommen.“ Reindler ist tatsächlich Dortmund-Fan. „Aber erst, seitdem die mit dieser jungen Mannschaft spielen. Ich bin ein großer Fan von diesem Trainer, diesem Klopp.“

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Trotz dieser Freundschaften zu Politikern jeglicher Coleur – einmischen werde er sich nicht, darauf lege er großen Wert, betont Reindler. Er hoffe einfach, dass sein Weg, die Gemeinde nicht weiter zu verschulden, weiter beschritten werde. „Wir müssen sparen, das habe ich immer gesagt. Es ist aber schwierig, das allen klar zu machen.“ Hier kommt er noch durch, der Lehrer in ihm, der er 40 Jahre lang war, davon 25 Jahre als Schulleiter. Nur dass es nicht oberlehrerhaft wirkt, wie er es sagt. Dazu trägt auch bei, dass er durchaus selbstkritisch mit sich und seinem Schaffen ins Gericht geht. Viel habe er zusammen mit dem Ortsrat bewegt, beispielsweise den Umbau der alten Schule, die Erweiterung des Mehrzweckgebäudes und die gute Busanbindung. Dass die neue Biogasanlage südlich von Rosdorf aber derartige Ausmaße annehmen würde, „das habe ich nicht erkannt“, sagt Reindler. „Das würde ich heute anders machen.“ Der Verkehr sei doch immens.

Reindler konnte sich immer der Aufmerksamkeit der anderen sicher sein. Laut wurde er selten, auch wenn er sich noch so ärgerte. Lieber blieb er sachlich, ließ Argumente sprechen. Seine Ruhe, seine innere Kraft schöpft er aus seinem Garten. „Er war der körperliche und mentale Ausgleich zu den anderen Anforderungen“, erklärt Reindler. Vor allem aber gibt ihm seine Familie Kraft, seine Frau und seine drei Söhne – auch wenn die Männer in Augsburg, Moskau und Shanghai leben und arbeiten. So kann Reindler mit seiner Frau wenigstens dem anderen großen gemeinsamen Hobby nachgehen: dem Reisen.

Und wenn er nicht unterwegs ist im Ausland oder in der Universität oder im Garten, dann zieht sich Reindler gerne mit einem Buch an seinen Kamin zurück. Anstelle von Sartre kann es dann auch gerne mal ein Roman aus der Bestsellerliste sein.
Neben Peter Reindler sind aus dem Rosdorfer Gemeinderat ausgeschieden: Katja Ahlers-Hampe (5 Jahre im Rat), Friedrich-Wilhelm Brandt von Lindau (20), Dieter Fröchtenicht (30, alle SPD), Susanne Jordan (15), Rudi Meyer (10, beide CDU) und Simon Zacharias (1, Die Linke).