Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Lieferverkehr in Göttingens Innenstadt
Die Region Göttingen Lieferverkehr in Göttingens Innenstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 26.03.2014
Von Britta Bielefeld
Von 5 bis 11 Uhr erlaubt: motorisierter Lieferverkehr in der City.
Von 5 bis 11 Uhr erlaubt: motorisierter Lieferverkehr in der City. Quelle: CH
Anzeige
Göttingen

Jens M. (Name geändert) wundert sich. Der selbstständige Berater wollte morgens, gegen 8.45 Uhr, Akten in ein City-Büro bringen.

Er radelte die Theaterstraße in Richtung Nabel entlang – was für den Lieferverkehr erlaubt ist. Zwei Polizeibeamte stoppten ihn und erteilten ein Bußgeld von 15 Euro wegen Radfahrens in der Fußgängerzone. Die Sprinterfahrzeuge fuhren unbehelligt an dem Berater vorbei.

Und das ist laut Stadtverwaltung absolut korrekt. „Die Anlieferzeiten in der Fußgängerzone gelten zwischen 5 und 11 Uhr, ohne weitere besondere Genehmigung. Sie sind ja überall ausgeschildert. Das Radfahrverbot in der Fußgängerzone gilt unabhängig davon durchgängig. Man kann also durchaus Güter mit dem Rad ausliefern, muss dann aber das Rad schieben“, erklärt der Pressesprecher der Stadt, Detlef Johannson.

Das weiß auch Susanne Burchard vom Göttinger Kurierservice GKS. „Unsere Fahrradkuriere sind angehalten, ihre Fahrzeuge auch zu den Lieferzeiten durch die Fußgängerzone zu schieben“, sagt sie. Der Göttinger Berater wundert sich: „Ich halte das für eine  Bevorzugung von liefernden Kraftfahrern gegenüber liefernden Radfahrern“, sagt er. Zudem müsse doch dann die Beschilderung eindeutig die liefernden Fahrräder ausschließen. Denn: „Schieben kann man sein Fahrrad ja immer, auch außerhalb der Lieferzeiten“.

Laut Johannson ist Lieferverkehr „der geschäftsmäßige Transport von Sachen von und zu Gewerbetreibenden sowie zu sonstigen Kunden“. Eine „Aktentasche“ falle nach Ansicht Johannsons aber nicht unter diese Regelung. Nachzuweisen sei ein ordnungsgemäßer geschäftsmäßiger Transport im Fall einer Kontrolle durch einen Lieferschein, einen Auftragsbeleg oder einen Firmenausweis, so der Sprecher der Stadtverwaltung  weiter. „Nach meinem Auftrag haben mich die Polizeibeamten aber gar nicht gefragt“, sagt Jens M.

Ab auf den Schrottplatz

▶ Kommentar

Ausgerechnet in Göttingen, der Stadt, die sich gerne voller Stolz das Prädikat fahrradfreundliche Kommune auf die Brust heftet, dürfen Fahrradkuriere und -lieferanten nicht durch die Fußgängerzone rollen. 

Lieferwagen hingegen schon. Es gilt ja ein allgemeines Radfahrverbot in der Zone. Ein allgemeines Autofahrverbot ja auch.

Dennoch dürfen – absolut berechtigt – morgens von 5 bis 11 Uhr Lieferfahrzeuge rollen.

Göttingens City lebt, und damit das so bleibt, müssen natürlich auch in der Fußgängerzone Dinge von A nach B gebracht werden. Wenn das aber mit dem Fahrrad geschieht:

Na bitte, ist doch super. Keine Abgase, kein Lärm. Das ist es doch, was alle in dieser Stadt möglichst tun sollen: Fahrrad fahren. Höchst skurril ist diese Verbots-Regelung.

Und höchst überflüssig. Weg damit, auf den Schrottplatz zu all den anderen überflüssigen Verordnungen.

Britta Bielefeld