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Göttingen Werner Rohlmann belegt ersten Platz bei Amateurfilmfestspielen
Die Region Göttingen Werner Rohlmann belegt ersten Platz bei Amateurfilmfestspielen
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12:53 07.11.2013
Von Andreas Fuhrmann
„Unheimlich faszinierend“: Hobby-Filmer Werner Rohlmann in seinem Arbeitszimmer in Bördel.
„Unheimlich faszinierend“: Hobby-Filmer Werner Rohlmann in seinem Arbeitszimmer in Bördel. Quelle: Mischke
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Göttingen

Werner Rohlmann liebt die Natur. Schon als kleiner Junge nahm ihn sein Vater mit auf Streifzüge durch Wald und Flur. Hier lauschte er dem Vogelgezwitscher und lernte, Kräuter und andere Pflanzen zu bestimmen. Und weil der Vater Imker war, ging dieses Hobby natürlich auf den Sohn über. „Das war unheimlich prägend, diese Naturverbundenheit“, sagt Rohlmann.

Heute besitzt natürlich auch er einige Bienenvölker. Sein größtes Hobby aber ist das Filmen. Zuerst fotografierte er, um die Schönheit der Natur festzuhalten. Dann kam der bewegte Film, und Rohlmann war elektrisiert. „Das hat mich unwahrscheinlich fasziniert“, meint er, und es klingt alles andere als übertrieben. Im Film seien die Abläufe in der Natur einfach besser darzustellen. „Das sagt mehr aus.“

Immer auf der Suche

So drehte er Minute um Minute, Stunde um Stunde. Anfangs auf Zelluloid, dann auf Super 8, später digital. Seit 30 Jahren streift der Hobby-Filmer durch die Lande. Immer auf der Suche nach dem perfekten Bild, nach der schönsten Landschaft, den aufregendsten Szenen.

Im Niemetal, direkt vor seiner Haustür in Bördel, hat Rohlmann, Bezirksschornsteinfeger von Beruf, derlei Besonderes vor die Linse bekommen. Er filmte nicht nur den äußerst seltenen Schwarzstorch, sondern auch den besonders geschützten Eisvogel, Vogel des Jahres 2009. „Das sind die Hauptattraktionen an der Nieme“, meint der 62-Jährige.

In erster Linie befasst sich sein jetzt prämierter Film mit der Renaturierung des Gewässers. Er filmte die Erdarbeiten, den Spatenstich und das Einleiten des Wassers ins neue Bachbett. Er dokumentierte, wie der Bach sein neues Terrain Stück um Stück eroberte, wie das erste Grün spross und wie die Nieme beim ersten Hochwasser anschwoll zu einem tosenden Strom.

Doch nebenbei hatte Rohlmann auch immer Zeit für das Leben im Tal. „Denn Bagger fliegen ja nicht weg“, sagt er und lacht. Mit den Vögeln sei die Arbeit schon schwieriger gewesen. Zwei Jahre lang legte er sich immer wieder geduldig auf die Lauer, lag stundenlang bei Wind und Wetter im Tarnzelt. „Meine ganze Freizeit ist dabei draufgegangen“, erzählt er.

Das Warten aber hat sich gelohnt. Eindrucksvolle Bilder hat Rohlmann zum Beispiel vom Eisvogel gedreht, diesem schillernden Schöngeist, der sich auf der Jagd nach Fischen in die Fluten stürzt. Sechs Wochen hat er allein für diese Aufnahmen benötigt. Aber „der Eisvogel ist für jeden Naturfilmer das I-Tüpfelchen“, schwärmt er.

Kopf verdreht

Der kleine Vogel hat dem 62-Jährigen immer wieder den Kopf verdreht, wie er so dasaß auf einem Zweig über der Nieme, kurz davor, ins Wasser zu schießen. „Man bekommt Herzklopfen, der Adrenalinspiegel steigt, man lebt mit“, beschreibt Rohlmann das Erlebnis. „Aber man muss bei der Sache bleiben, darf sich nicht vom Vogel euphorisch verführen lassen.“ Denn Sekunden später schon könne das einzigartige Naturschauspiel wieder vorbei sein.

Zurzeit sitzt Rohlmann an seinem nächsten Projekt. Er hat wilde Braunbären in Asturien gefilmt. „Das ist schon ein bisschen kribbeliger“, meint er im Hinblick auf die Gefahren. Allerdings müsse man die Raubtiere erst einmal ausfindig machen. Im Film spielen daher auch Bienen eine große Rolle. Schließlich lieben Bären das süße Produkt der kleinen Insekten. Das weiß Rohlmann nicht erst, seitdem er Hobby-Imker ist.

Der Film „Natur erleben im Niemetal“ wird am 15. Mai im Rahmen der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Naturparks Münden gezeigt.