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Göttingen Wespen: „Der Bestand ist geradezu explodiert“
Die Region Göttingen Wespen: „Der Bestand ist geradezu explodiert“
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20:05 04.08.2011
Von Andreas Fuhrmann
Hat sich in diesem Jahr besonders stark vermehrt: die Sächsische Wespe.
Hat sich in diesem Jahr besonders stark vermehrt: die Sächsische Wespe. Quelle: Manfred Kunz/Wikipedia.de Lizenz: CC-BY-SA 2.5
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Göttingen

Der Grund: Alle sechs bis sieben Jahre komme es vor, dass sich die Wespe stark vermehre – und in diesem Jahr sei es mal wieder so weit. In die Karten gespielt hätte ihr dabei auch die milde Witterung im Frühjahr, erklärt Schwanitz. Weil im April Nachtfrost und Schnee ausgeblieben seien, hätten viele Königinnen überlebt – und so für reichlich Nachwuchs gesorgt.

Auch Uwe Zinke, Vorsitzender vom Naturschutzbund Göttingen und Wespen- und Hornissen-Beauftragter der Stadt und des Landkreises Göttingen, hat in diesem Jahr besonders viele Wespen ausgemacht. „Der Bestand ist geradezu explodiert“, sagt er. Vor allem die Deutsche und die Gemeine Wespe, aber auch die Sächsische Wespe hätten sich stark vermehrt. „Es gibt momentan einfach ganz, ganz viele, viel mehr als in den vergangenen Jahren.“

Dennoch sollte man den Wespen ihre derzeitige Aufdringlichkeit verzeihen, sagt Hobby-Imker Schwanitz. Eigentlich seien die Insekten nämlich sehr nützlich und würden uns vor anderen Plagegeistern wie Mücken und Fliegen befreien, die sie im großen Stil jagen. „Wespen vertilgen das bis zu 20-fache ihres Körpergewichts pro Tag“, erklärt der Hobby-Imker. „Die fangen alles mögliche weg.“

Außerdem erledige sich das Problem in einigen Wochen ohnehin von selbst. Dann lösten sich die Wespenpopulationen allmählich auf, sagt Schwanitz – und die Menschen haben erst einmal wieder ihre Ruhe vor den schwarz-gelben Insekten.

Tipps für den richtigen Umgang mit Wespen und Co.

Wespen können nerven, keine Frage. Doch es lässt sich gut mit ihnen leben, wenn man die folgenden Tipps des Naturschutzbundes Deutschland befolgt:

• Wespen stechen, sobald sie sich bedroht fühlen. Hektische Bewegungen sollten also vermieden werden. Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt Wespen als Alarmsignal.

• Nahrungsmittel im Freien sollten immer abgedeckt und Reste sofort weggeräumt werden. Nach dem Essen und Trinken sollte der Mund bei Kindern abgewischt werden, um die Wespen nicht anzulocken.

• Nie direkt aus der Flasche trinken. Am besten Getränke mit dem Strohhalm trinken.

• Man kann Wespen auch mit einer Ablenkfütterung verscheuchen. So fanden Schüler bei „Jugend forscht“ heraus, dass sich überreife Weintrauben dazu am besten eignen. Fünf bis zehn Meter vom Ort des eigentlichen Geschehens entfernt aufgestellt, halten die grünen Früchte die Wespen in Schach. Auch verdünnter Honig erwies sich als effektiv, ist aber schnell aufgebraucht. Außerdem lockt er Bienen an.

• Vom Kauf von mit süßem Saft oder Bier gefüllten Wespenfallen raten Experten ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod. Außerdem werden so auch andere Insekten wie Bienen und Hornissen getötet. Letztere gehören zu den besonders geschützten Arten und dürfen nicht getötet werden.

• Obst rechtzeitig abernten und aufsammeln. Blattläuse bekämpfen, da die süßen Ausscheidungen der Läuse Wespen anziehen.

• Wespen können von Gerüchen wie Parfum, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Außerdem fliegen Sie gerne auf bunte Kleidung.

• Um Wespen, Bienen und andere Insekten aus dem Haus zu halten, empfiehlt es sich, Fliegengitter an Fenstern und Türen insbesondere den Küchen-, Bad- und Kinderzimmerfenstern anzubringen. Verirrt sich dennoch eine Wespe ins Haus, ein Glas über das Insekt stülpen und vorsichtig ein Stück Papier unterschieben, um das Tier wieder nach draußen zu bringen.

• Die Eingänge von Wespennestern am Haus sollten nicht einfach verschlossen werden, da sich die Tiere dann einen anderen Ausgang suchen und so ins Haus gelangen können. Außerdem werden die Wespen dadurch aggressiv.

• Hält man Distanz von zwei bis drei Metern zum Nest und versperrt die Flugbahn der Wespen nicht, fühlen sie sich nicht bedroht.

• Nach den ersten Frostnächten im Herbst gehen die Wespen ein. Man kann das Nest dann gefahrlos entfernen. Es empfiehlt sich, die Stelle gut zu säubern, denn Wespen orientieren sich am Geruch. Königinnen könnten sich ansonsten im nächsten Jahr wieder an der Stelle einfinden.

• Falls sich Wespen an ungünstiger Stelle angesiedelt haben, kann man sich an Fachkundige vor Ort wenden. Der Landkreis Göttingen verweist beispielsweise an die Natur Service GmbH, erreichbar unter Telefon 05 51 / 48 69 93, die mit dem Naturschutzbund Göttingen kooperiert. Manchmal gibt es sogar die Möglichkeit, ein problematisches Nest schonend umsiedeln zu lassen. Nur in seltenen Fällen, wenn zum Beispiel akute Lebensgefahr besteht (Wespenstichallergie, Säuglinge in Gefahr) darf geschultes Personal die Tiere abtöten.