Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „Wie aus einem Omelette wieder zwei Eier machen?“
Die Region Göttingen „Wie aus einem Omelette wieder zwei Eier machen?“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 22.07.2009
Ilan Mor, Gesandter der Israelischen Botschaft in Berlin.
Ilan Mor, Gesandter der Israelischen Botschaft in Berlin. Quelle: Mischke
Anzeige

Einig waren sich Theologe und Diplomat eigentlich nur in ihrer skeptischen Sicht der Dinge. Eine Zwei-Staaten-Lösung mit einer räumlichen Trennung von Israelis und Palästinensern, erklärte Mor, sei die einzige Möglichkeit, die dauerhaften Frieden in der Region garantiere. Diesem Wunsch allerdings mache die andauernde Bedrohung von palästinensischer und arabischer Seite einen Strich durch die Rechnung: „So lange unsere individuelle und kollektive Sicherheit nicht gewährleistet ist, werden wir nicht in der Lage sein, eine Zwei-Staaten-Lösung umzusetzen. Wir leben in einem Gefühl ständiger Bedrohung, und das jeden Tag.“

Für eine dauerhafte Lösung, versicherte Mor, sei Israel auch zu schmerzhaften Zugeständnissen bereit: „Wir sind offen, mit Leuten, die nicht zur Gewalt greifen, über alles reden – über Jerusalem, über Grenzverläufe.“ Dazu gehöre allerdings die Bereitschaft auch der anderen Seite zum Kompromiss, aber: „Die Palästinenser haben noch nie eine Gelegenheit verpasst, eine Gelegenheit zu verpassen.“ Daher gehe es weiterhin nicht um politische Lösung, sondern um Konfliktmanagement. Dabei, so räumte Mor ein, sei die Politik Israels „auch nicht immer makellos“.

„Sehnsucht nach Frieden“

Gräbe, seit 2006 Probst in Jerusalem, sieht sechs Monate nach der israelischen Militäroperation im Gaza-Streifen „eine riesengroße Sehnsucht nach Frieden“. Dennoch hat der evangelische Theologe beobachtet, „dass es immer weniger Kontakt der verschiedenen Gruppen untereinander“ gibt. Er habe das Gefühl, die von den USA in die Welt ausstrahlende Wechselstimmung, „der Change, der geht an Israel und den palästinensischen Gebieten vorbei“.

Skeptisch blieb Gräbe auch beim Blick auf eine Zwei-Staaten-Lösung. Mit der israelischen Siedlungspolitik, beispielsweise auf der West Bank, und anderen räumlichen Verflechtungen von jüdischen und palästinensischen Gebieten werde eine Trennung sehr schwer: „Kann man aus einem Omelette wieder zwei Eier machen?“

Auf lange Sicht hingegen, betonte Mor, gebe es zu eben dieser Lösung keine Alternative, aber: „Die Sehnsucht nach Frieden kann auch blind machen. Wir träumen von Koexistenz, von Partnern und Nachbarn, aber Sicherheit kommt für uns an erster Stelle. Wir sind möglicherweise unbeliebt, bleiben aber am Leben.“

hein

Göttingen Richter nicht für befangen - Göttinger Gruppe: Klagewelle zurück
22.07.2009
22.07.2009