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Göttingen Fördergelder für Ehrenamtliche beantragen – wie mache ich es richtig?
Die Region Göttingen Fördergelder für Ehrenamtliche beantragen – wie mache ich es richtig?
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18:49 07.11.2019
Als Ehrenamtlicher Fördergelder beantragen? Dabei ist einiges zu beachten. Quelle: dpa-Zentralbild
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Göttingen

Wie kommen Ehrenamtliche an Fördergelder? Was ist zu tun, welche Voraussetzungen sind zu beachten, welche Möglichkeiten gibt es, eine Finanzspritze für geplante Vorhaben zu erhalten? Diese Fragen beantwortete Andreas Jaschinski vom Diözesan-Caritasverband Hildesheim nun auf Einladung des Freiwilligen Zentrums Bonus Göttingen. „Jaschinski ist derjenige, den man fragt, wenn man Geld braucht“, sagte Maria Weiss vom Göttinger Freiwilligen Zentrum einleitend. Und der Experte lieferte viele Tipps und einen Leitfaden zur richtigen Vorgehensweise.

Bevor es an die eigentliche Antragsstellung geht, muss etwas Vorarbeit geleistet werden. „Zunächst müssen sich die Ehrenamts-Organisationen klar werden, für welchen Zweck und in welcher Höhe Fördermittel benötigt werden“, betont Jaschinski. Unterschieden werden müsse auch zwischen Fundraising, „das sind Spendergelder privater Leute“, und Fördergeldern, also staatlichen Mitteln.

Konzepterstellung und Förderzweck

Andreas Jaschinski vom Diözesan-Caritasverband berät zu Fördergeldern für Ehrenamtliche. Quelle: Tobias Christ

„Man muss wissen, was man will“, sagt der Experte. So sollte vor der Antragsstellung ein klares Konzept vorliegen, im Hinblick auf Ziele, Zielgruppe, Zeitraum und Finanzbedarf. „Man muss sich über den Förderzweck und die Fördersumme Gedanke machen.“ Die Fördersumme dürfe nicht eingefordert werden, um „einen neuen Kopierer anzuschaffen“, weil der Alte eben alt sei. Eine Förderung dürfe ebenfalls nicht der Entlastung des Vereinsbudgets dienen, sondern müsse immer zweckgebunden sein.

Auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung sei von Vorteil: Lohnen sich möglicher Ertrag und Zeitaufwand für eine Antragstellung? Entscheidend sei auch die Wahl der Stiftung. Rund 25 000 Stiftungen gibt es in Deutschland, davon fördern zwar nicht alle – Stichwort Familienstiftungen –, aber ein großer Teil. „Oft sind es ortsgebundene Stiftungen“, als südniedersächsische Organisation einen Antrag bei einer bayrischen Stiftung zu stellen, verspricht meist wenig Erfolg. Vorsicht ist bei vernetzten Projekten geboten: „Es gibt keine Stiftung, die alles fördert“, sagt der Hildesheimer.

Welche Stiftung ist die richtige?

Vor der Antragstellung sei es wichtig, die richtige Stiftung zu finden: „Passen die Förderzwecke der Stiftung zu dem, was ich beantragen möchte?“, fragt Jaschinski. Beispielhaft nennt er die Aktion Mensch, die Projekte in drei Bereichen fördert: Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche und Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, wie etwa Wohnungslosigkeit. Die Stiftung der Aktion Mensch bietet auch eine Mikroförderung an, die „sehr attraktiv“ sei. Denn bei dieser seien keine Eigenmittel notwendig, zudem sei die Antragstellung „schlank“. Ebenfalls von Vorteil: Es wird ein breites Themenspektrum abgedeckt: „Da ist eine ganze Menge möglich.“

Jaschinskis Rat, wenn man sich unsicher ist, welche Stiftung die richtige ist: „Anrufen und fragen.“ Zudem fänden sich in gemeinnützigen Vereinen und Organisationen meist Ehrenamtliche, die „zumindest jemand kennen, der schonmal einen Antrag gestellt hat“.

Auch im Sport gibt es Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Quelle: Helge Schneemann

Keine Massenanträge verschicken

Davon, Anträge an viele Stiftungen zu verschicken, rät der Experte ab, schließlich würden die Förderer untereinander kommunizieren. „Das kann dann schnell nach hinten losgehen.“ Ist eine Umsetzung des Projekts eilig, benötigt etwa die Tafel einen neuen Kühlschrank, sollte ein „vorzeitiger Maßnahmebeginn“ nur nach Absprache mit der Stiftung begonnen werden. „Wenn man das Geld vorschießt und dann keine Förderung erhält, kann das kleine Vereine ruinieren“, sagt Jaschinski. Denn auch ein korrekt ausgefüllter Antrag an die passende Stiftung sei keine Garantie für eine Förderung. „Erst die Entscheidung der Stiftung abwarten. Ist das nicht möglich, sollte man lieber Rücksprache halten“, meint er.

Ein weiterer Grund für einen Anruf bei der ausgewählten Stiftung sei der Einsatz von Eigenmitteln. Wieviel Geld bei einer bewilligten Förderung von der eigenen Organisation aufgewendet werden müsse, sei von Stiftung zu Stiftung unterschiedlich. Ebenfalls zu beachten: Pro Jahr kann eine Einrichtung nur einen Antrag an dieselbe Stiftung einreichen. Besitzt der Verein mehrere Einrichtungen, gilt dies für jede Station separat.

„Griffige Projektbezeichnung

Förderlich für einen positiven Antragsbescheid sei zudem eine „griffige Projektbezeichnung“. Überhaupt signalisiere das Wort Projekt eine zeitlich begrenzte Maßnahme, darauf sollte man ebenfalls achten. Außerdem sollte man sich auch auf „eine Ablehnung einstellen“, meint der Caritas-Mitarbeiter. Schließlich seien auch bei den Stiftungen die Fördermittel begrenzt.

Wird der Förderantrag bewilligt und fließen die Gelder, ist dies oft an Bedingungen geknüpft. So ist eine umfangreiche Dokumentation des Projekts von Vorteil, damit die Förderer sehen, wofür ihr Geld eingesetzt wird.

Weitere Engagementmöglichkeiten

Wer sich engagieren möchte, kann dies auf vielerlei Art tun: Ob Tafel oder andere soziale Einrichtungen, freiwillige Helfer werden eigentlich immer gesucht. In der Stadt Göttingen gibt es außerdem die Möglichkeit, Grabmalpatenschaften zu übernehmen. Dann erhalten die Paten das Nutzungsrecht an der Grabstelle auf dem Stadtfriedhof, sie übernehmen die Grabpflege und die Erhaltung. Auch Baumpatenschaften bietet die Stadt an. Die Aufgaben der Baumpaten bestehen darin, Schäden, Totholz und Astausbrüche zu melden. Der Pate wird mit einer Plakette am Baum verewigt. Auch die Freiwilligen Feuerwehren freuen sich über neue Gesichter. 13 Ortsfeuerwehreen gibt es in der Stadt mit 130 000 Einwohnern, von Esebeck bis Herberhausen, von Weende bis Geismar. Jeder Volljährige kann dort eintreten. Die Bürgerstiftung Göttingen bietet eine weitere Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch Sportvereine sind beliebte Ziele für ehrenamtlich Engagierte. Ansprechpartner bei der Stadt sind unter 0551 4002755 erreichbar.

„Internet für Alle“ und „Ehrenwert“

Jaschinski taucht nun wieder tiefer in Fallbeispiele ein. So bietet die Aktion Mensch den Fördertopf „Internet für Alle“ an. Darunter fallen die Gelder für Hardware, Honorarkosten für externe Schulungen und Sachkosten. Dabei ist wieder der Förderzweck der Stiftung zu beachten: Denn es gibt nur Geld, wenn es für Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche oder Menschen mit sozialen Schwierigkeiten eingesetzt wird.

Das Team des Bonus Freiwilligen Zentrum Göttingen. Quelle: R

Als Sonderbehörde des Landes Niedersachsen verwaltet die Klosterkammer Hannover mehrere Stiftungen im Programm „Ehrenwert“. Damit wird die Qualifizierung von Ehrenamtlichen gefördert – und das zu 100 Prozent. Ein Fallstrick dabei: Die Klosterkammer bezieht sich nur auf das Gebiet des ehemaligen Hannoveraner Königreichs. Göttingen fällt darunter, Braunschweig beispielsweise ist draußen. Dennoch werde sowohl geografisch als auch thematisch ein „breites Spektrum“ abgedeckt. Und auch für die Klosterkammer gelte der Grundsatz: „Wenn ich nicht weiß, ob ich mein Projekt da fördern lassen kann, einfach anrufen.“ Ein Plus der Klosterkammer sei die schnelle Antwort auf einen Antrag: Meist liege der Bescheid innerhalb von vier Wochen vor.

Lokale Förderer bei kleinen Summen ansprechen

Lokale Fördermöglichkeiten gibt es auch: Erster Ansprechpartner seien meist öffentlich-rechtliche Kreditinstitute wie Sparkasse oder Volks- und Raiffeisenbanken, beziehungsweise deren Stiftungen. Für geringe Summen sollte man diese einfach ansprechen. Bürgerstiftungen und Social Clubs wie Rotary, Lions oder die Soroptimisten seien ebenfalls oft zu einer Förderung „im kleineren Rahmen“ bereit.

Wer also nach Fördermöglichkeiten für ein ehrenamtliches Projekt sucht, sollte sich zunächst im Internet nach einer geeigneten Stiftung umsehen. Unter www.stiftungen.org gibt es eine Suchfunktion. Ebenfalls gilt Jaschinskis Ratschlag: „Im Zweifel einfach dort anrufen.“

Leitfaden zur Antragstellung

1) Über den Förderzweck und die benötigte Summe Gedanken machen. Das Projekt beschreiben und ihm einen Namen geben.

2) Die richtige Stiftung für den Förderzweck finden.

3) Den Eigenmitteleinsatz vorher absprechen.

4) Anträge nicht zeitgleich an mehrere Stiftungen schicken.

5) Absagen mit einplanen.

6) Bei einer Förderung: Dokumentation anlegen.

Die Ehrenamtskarte in Stadt und Landkreis

Bringt Vergünstigungen: die Ehrenamtskarte. Quelle: dpa

Bei Stadt und Landkreis Göttingen gibt es für Ehreamtliche Vergünstigungen – sofern sie eine Ehrenamtskarte besitzen. Diese setzt in Göttingen und der Region „ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für das Wirken von ehrenamtlich tätigen Bürgern“, teilt die Stadt Göttingen mit. Inhaber der Scheckkarte erhalten in ganz Niedersachsen und Bremen Vergünstigungen bei diversen Einrichtungen aus Freizeit, Sport und Kultur, im Handel und auch den Kommunen.

So gibt es im Stadtgebiet beispielsweise Rabatte bei Versicherungsberatern, in Fitness- und Rehabilitationscentern, Möbelfirmen oder der Gastronomie. Sei es ein Stück Kuchen gratis (McDonald’s), Erlassung der Zusatzgebühren für Wunschkennzeichen bei Stadt und Landkreis, Ermäßigungen für einen Erste-Hilfe-Kurs (Die Johanniter) oder zehn Prozent Rabatt in der Kantine (Goethe-Institut) – ehrenamtlich tätig zu werden, lohnt sich.

Voraussetzungen für die Ehrenamtskarte

Wer seit mindestens drei Jahren wenigstens fünf Stunden pro Woche oder 250 im Jahr ehrenamtlich aktiv ist, kann die Karte beantragen. Ebenfalls wichtig: Unentgeldlich bedeutet, dass es nur um die reine Bezahlung der Arbeit geht. Eine Aufwandsentschädigung kann geleistet werden und beeinflusst die Kriterien nicht. Die Karte behält für drei Jahre ihre Gültigkeit.

Das freiwillige Engagement wird durch einige Faktoren definiert: Es ist unentgeldlich und findet in einem organisatorischen Rahmen statt, spontane Hilfeleistungen fallen nicht darunter. Zudem sollte es Kontinuität besitzen. „Ehrenamt ist Gold wert“, lautet das Motto in Niedersachsen. Deshalb ist die Karte auch goldfarben gehalten. Sie ist als Auszeichnung für diejenige zu verstehen, die kontinuierlich für andere da sind, ohne dabei den eigenen Vorteil im Fokus zu haben.

Übersichtskarte mit allen Vergünstigungen

Für Jugendliche gibt es zudem die Möglichkeit, sich durch eine Ausbildung für die Jugendleiterkarte (Juleica) zu qualifizieren. Eine Übersichtskarte mit allen Unternehmen, Geschäften und Betrieben, die Vergünstigungen anbieten, gibt es online. Dort kann auch die Ehrenamtskarte beantragt werden.

Von Tobias Christ

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