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Göttingen Notre-Dame: Wie ein Göttinger Künstler das Unglück erlebte
Die Region Göttingen Notre-Dame: Wie ein Göttinger Künstler das Unglück erlebte
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11:15 25.04.2019
Der Göttinger Künstler Ulrich Gassmann erlebte das Feuer von Notre-Dame in Paris. Quelle: Ulrich Gassmann
Paris/Göttingen

Kurz nach sieben erhielt Ulrich Gassmann am Montagnachmittag einen Anruf von einem Freund aus Deutschland. Der Göttinger Künstler, der sich gerade im 15. Arrondissement aufhielt, setzte sich sofort in die Pariser U-Bahn und traf gegen 19.30 Uhr an der Kathedrale Notre-Dame de Paris ein. Vor Ort zückte er, wie so viele andere, seine Kamera, um den historischen Moment festzuhalten.

Ein Jahrhundertmoment

„Ich habe Gänsehaut bekommen“, erzählt Gassmann, als er drei Tage später in der Nähe der U-Bahn Station Odéon in einem Straßencafé sitzt und von den Ereignissen berichtet. „Ich bin gleich in die Bahn reingesprungen und hin. Das ist ein Stück Geschichte.“ Er wollte Teil dieser Geschichte sein, des „Jahrhundertmoments“, und erlebt so vor Ort, wie die Pariser um ihr liebgewonnenes Wahrzeichen bangten. Wie sie weinten und beteten und gemeinsam das „Ave Maria“ anstimmten. „Man hat gespürt, was es den Leuten bedeutet“, berichtet Gassmann von den Momenten, die er als surreal erlebte. „Wenn die Feuerwehr vorbeigefahren ist, haben die Menschen geklatscht.“

Der Göttinger Künstler Ulrich Gassmann erlebte das Feuer von Notre-Dame in Paris.  Quelle: Ulrich Gassmann

Alles sei sehr schnell gegangen, das alte Gebäude habe im Nu lichterloh gebrannt. „So schnell konnten sie gar nicht rennen“, sagt Gassmann und meint damit sowohl die Schaulustigen, als auch die Mitglieder der Feuerwehr. Das jahrhundertealte Holz habe gebrannt wie Papier.

Zerstörerisches Licht- und Farbenspiel

Bis kurz vor Mitternacht war er vor Ort und erlebte das zerstörerische Licht- und Farbenspiel aus nächster Nähe. Er erzählt davon, dass er geschockt gewesen sei, sich wie eingefroren gefühlt habe. Auch von den im Feuerschein rotgefärbten Türmen berichtet der Göttinger und beschwört damit die Bilder herauf, die um die Welt gingen.

Doch am Ort des Geschehens machten viele weitere Faktoren das Gesamtbild der tragischen Schönheit aus. Gassmann hat den Moment alleine erfahren: „Das will man erleben und nicht quatschen.“ So beobachtete er, wie es immer dunkler wurde. „Hinter den Fenstern konnte man den Feuerschein sehen, das war irre. Es war, als sei das Fenster lebendig.“ Traurig, aber faszinierend, nennt er das Bild der brennenden Kirche. Er beschreibt die erdrückende Ruhe, die zwischen den Menschen hing.

Dieses am 16.04.2019 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Flammen und Rauch, die aus der Kathedrale Notre Dame aufsteigen. Ein Brand verwüstete am Montag die Kathedrale Notre-Dame. Quelle: AP

Er sagt von sich selbst, er sei Göttinger, Pariser, Europäer. Gassmann ist 72 Jahre alt und noch immer als Künstler tätig. Zwei Mal in jedem Monat besucht er die französische Hauptstadt. „Ich arbeite in Göttingen und gebe mein Geld in Paris aus“, erzählt er lachend mit einem Bordeaux in der Hand. „Das Leben geht weiter“, erklärt er. In der quirligen Metropole sei die Katastrophe dennoch überall Thema, die Betroffenheit groß.

Europäische Chance

In Zeiten europäischer Unruhe und dem Brexit-Chaos sieht er eine Chance in der Tragödie: Seine Idee ist es, die weltweite Solidarität zu nutzen, um ein Zeichen für ein vereinigtes Europa und die europäische Union zu setzen. Das Unglück könnte dazu genutzt werden, den europäischen Geist wiederzubeleben, regt der Künstler an. „Alle Länder könnten sich darauf konzentrieren, gemeinsam Geld für den Wiederaufbau bereitzustellen. Es könnte Briefmarken geben oder Zeichnungen.“ Eng verknüpft mit den Geschicken Frankreichs sei die Idee eines vereinigten Europas. Einst habe sie sich wie ein Feuer von dort aus verbreitet, beschreibt der Künstler die sinnbildliche Parallele.

Der Göttinger Künstler Ulrich Gassmann erlebte das Feuer von Notre-Dame in Paris.  Quelle: Ulrich Gassmann

Um auch selbst aktiv zu werden, bemüht er sich aktuell mit einigen Künstlerfreunden darum, das verbrannte, für den Wiederaufbau unbrauchbare Holz aus dem Inneren der Kathedrale weiterverarbeiten zu dürfen. Mit den verkohlten Stücken wollen sie Zeichnungen anfertigen und aus größeren Resten Skulpturen fertigen, um diese später zum Verkauf anzubieten und den Erlös für den Wiederaufbau der Kirche zu spenden.

Von Claudia Bartels

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