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Göttingen „Wie eine große Kaffeemaschine“
Die Region Göttingen „Wie eine große Kaffeemaschine“
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17:26 12.08.2010
Von Ulrich Schubert
Geschlossener Raum mit besonderen Bakterien: Im Fermenter wird die Brühe in Methangas umgewandelt.
Geschlossener Raum mit besonderen Bakterien: Im Fermenter wird die Brühe in Methangas umgewandelt. Quelle: Theodoro da Silva
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Jetzt soll auch der letzte Reststoff in einem Blockheizkraftwerk in Energie umgewandelt werden. „Ein perfekt geschlossener Kreislauf“, erklärten der frühere Werksleiter Uwe Kausch und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) vor Journalisten das Göttinger-Modell. Das haben Mitarbeiter des städtischen Betriebes sogar patentieren lassen.

„Perkolation“ ist das Zauberwort, mit dem Kausch das Grundverfahren der Energiegewinnung aus Küchen- und Gartenabfällen beschreibt. Und: „Das funktioniert wie bei einer ganz normalen Kaffeemaschine, die vermutlich jeder im Haus hat. Oben wird Wasser drauf gegossen, unten kommt eine schwarz-braune Brühe heraus – nämlich Perkolat.“ Statt Kaffee-Pulver umspült das Wasser allerdings Bioabfall aus Göttingen und Kassel – etwa 20 000 Tonnen jährlich. Und die aufgefangene Brühe kann man nicht trinken. Stattdessen wird dieses Perkolat in einem Tank von speziellen Bakterien zersetzt – fermentiert. Dabei entsteht Methangas, dass in einem Blockheizkraftwerk einen Motor laufen lässt, der Strom erzeugt. Und die Wärme aus der Kühlanlage des Motors wird auch noch genutzt: für das optimal temperierte Wasser für die Perkolation und „für das Wohlbefinden der Methanbakterien“, so Kausch. Das Göttinger Kompostwerk ist damit eine Biogasanlage.

Damit immer eine optimale menge Bioabfall mit der richtigen Dosis Wasser ausgespült werden kann, haben Kausch und seine Mitarbeiter vor seiner Pensionierung ein neues Container-Verfahren erfunden, bauen und patentieren lassen: Portionsweise wird der Bioabfall in Spezialcontainern durch die Anlage geschoben und in den ersten von 17 Stufen perkoliert. Früher wurde der Bioabfall gemischt mit festerem Baum- und Strauchschnitt nämlich lose durch die 66 Meter langen Rotte-Tunnel geschoben. Dort soll der Bioabfall im Sinne des Wortes verrotten. Hinten kommt er als grober Kompost heraus – hygienisiert, geruchsarm und frei von Sickerwasser. Das funktioniert wie auf einem Gartenkompost, im geschlossenen System der großen Kompostanlage mit optimaler Luft- und Wärmezufuhr und bei bis zu 70 Grad allerdings wesentlich schneller. Der Frischkompost wird dann überwiegend in der Landwirtschaft verarbeitet. Ein Teil lagert noch acht Wochen in der Nachrotte und wird als fertiger Kompost abgegeben.

Längst hat sich die frühere Kompostwerk GmbH als Tochterunternehmen der Stadt in das Bioenergiezentrum Göttingen GmbH umbenannt. Und das verpflichtet über die Biogasanlage hinaus: Eine Fotovoltaikanlage auf den großen Dachflächen der Komposthallen liefert Strom für den Betrieb. Und so bald wie möglich will die Gesellschaft ein weiteres Blockheizkraftwerk in Betrieb nehmen, in dem noch mehr Energie aus nicht verwendetem Baum- und Strauchschnitt gewonnen wird. Zur Zeit werde dieser Reststoff woanders verbrannt, „das wollen wir lieber selbst nutzen“, so Kausch.

Vom Göttinger Kompostwerk profitiert auch die Stadt Kassel, sie liefert ihren Bioabfall zur Wiederverwertung hier an. Im Gegenzug schickt Göttingen seinen Sperrmüll in die Kasseler Verbrennungsanlage.

Nachfragen zum Göttinger Modell und auch Besuche auf der Anlage gebe es immer wieder, bestätigte Kausch, der das Werk bis zu seiner Pensionierung vor zweieinhalb Jahren leitete. Gekauft habe das patentierte Verfahren aber noch niemand. Ein Verfahren, dass neben der Energiegewinnung noch einen weiteren positiven Effekt hat: Seit es läuft, gibt es kaum noch Beschwerden aus Bovenden oder vom Holtenser Berg über Gestank vom Kompostwerk am Königsbühl – auch wenn es sich auf dem Gelände manchmal recht schwer atmen lässt.

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