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Göttingen Wie geht es den Robinien an der Groner Straße?
Die Region Göttingen Wie geht es den Robinien an der Groner Straße?
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18:42 27.07.2011
Von Katharina Klocke
Widerstandsmessung: Weihs und Jaschinski verfolgen die Untersuchung am Laptop.
Widerstandsmessung: Weihs und Jaschinski verfolgen die Untersuchung am Laptop. Quelle: Vetter
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Göttingen

Die hochgewachsenen Bäume sind, so zeigte sich in der Vergangenheit, längst nicht jedem Sturm gewachsen. Ein umgestürzter Baum ließ Zweifel an der Standsicherheit der übrigen aufkommen. Eine Robinie wurde gefällt, Kronen gekappt und Äste ausgeschnitten. Bürger protestierten – zu Unrecht, meint Weihs, Sachverständiger für Baumpflege, Verkehrssicherheit und Baumwertermittlung. „Da war Gefahr im Verzug“, beurteilte er nach Sichtung der verfaulten Wurzeln des gefällten Baumes die Situation. Und für die kleinen Baumscheiben seien die Kronen viel zu groß gewesen, „die mussten gekürzt werden, um die Windlast zu verringern.In diesem Bereich hat die Verkehrssicherung absoluten Vorrang“. Weihs und Jaschinski untersuchen im Zuge eines Forschungssemesters und in Kooperation mit dem Fachdienst Grünflächen noch bis morgen, Freitag, die verbliebenen 27 Robinien.

Auf dem Prüfstand steht vor allem die Standsicherheit. So klopfen die Experten Stamm für Stamm mit einem Gummihammer ab, um unter der Rinde Fäulnis zu orten. Ein hoher Klang spricht für gesundes, ein dumpfer Ton für krankes Holz. Zweiter Teil der Untersuchung ist eine Widerstandsbohrmessung bis 40 Zentimeter Tiefe, „ein geringer Widerstand deutet auf morsche Stellen oder Hohlräume hin“, erläutert Weihs. Zwei weitere Messungen folgen: elektrische Widerstands- und Schalltomographie. „Gesundes Holz leitet Schall viel schneller als morsches Holz“.

Die Schäden an einigen Robinien sind selbst für Laien zu erkennen. Stellenweise ist Rinde ausgebrochen. Wurzeln treten aus der Baumscheibe aus, überwuchern die Stahlkonstruktion oder heben das benachbarte Pflaster an. „Solche Reibung erzeugt Wunden, und das erhöht die Anfälligkeit für Pilzbefall“, erklärt Weihs. Für jede der Robinien wird er eine Einzeldiagnose stellen. Für kranke Bäume soll er außerdem einen Vorschlag zur Sanierung geben. „Wenn in jedem Untersuchungsteil ersichtlich ist, dass etwas nicht stimmt, kann es auch sein, dass ein Baum gefällt werden muss.“ Das allerdings, sagt der Baumsachverständige, „ist immer die letzte Maßnahme“.