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Göttingen Wie sicher ist der Göttinger Bahnhof vor Schubsern?
Die Region Göttingen Wie sicher ist der Göttinger Bahnhof vor Schubsern?
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12:12 27.08.2019
Nach den tödlichen Schubser-Vorfällen: Am Bahnhof Göttingen will die Bundespolizei zusätzliche Kameras installieren. Quelle: Pascal Wienecke
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Göttingen

Nach den jüngsten Schubser-Vorfälle fordern Reisende mehr Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen. In Göttingen gibt es zwar Kameras, aber nicht für Polizeikontrollen. Allerdings will die Bundespolizei nachrüsten. Das bestätigt eine Sprecherin der Direktion Hannover.

Nach einem Gewaltdelikt am Frankfurter Hauptbahnhof im vergangenen Monat haben Reisende Angst. Dort hatte ein 40-jähriger Mann ein Kind und dessen Mutter vor einen einfahrenden Zug geschubst. Das Kind starb.

50 000 Reisende täglich am Bahnhof Göttingen

Jeden Tag kommen nach Angaben der Bahn rund 50 000 Besucher in den Bahnhof Göttingen (1). An den Gleisen hat es nach Angaben der Bundespolizei aber noch nie eine Attacke wie in Frankfurt gegeben. Dennoch bleibt die Frage: Wie sicher ist der Bahnhof? Das Tageblatt hat nachgehakt und auch Reisende befragt.

Die Bundespolizei hat auf den Vorfall in Frankfurt nach ihren Angaben bereits reagiert: Sie hat insbesondere an stark frequentierten Bahnhöfen wie Hannover ihre Präsenz verstärkt. „Wir arbeiten dabei vertrauensvoll und abgestimmt mit allen unseren Sicherheitspartnern eng zusammen“, so die Pressesprecherin der Bundespolizeidirektion Hannover.

Kameras nur für die Zugkontrolle

Es gibt an den Gleisen am Göttinger Bahnhof zwar Kameras, die gehören aber der Deutschen Bahn. Dazu eine Sprecherin: „Für die DB dient Videotechnik in erster Linie der Beobachtung und Überwachung betrieblicher Abläufe und zur Hausrechtswahrung.“ „Aufgabe der Bundespolizei hingegen sei Gefahrenabwehr und Strafverfolgung auf Bahnhöfen und in Zügen. Demnach kümmern sich Bahn und Bundespolizei gemeinsam um die Sicherheit an Bahnhöfen. Dazu die Sprecherin weiter: „Dabei stellt Videotechnik neben der Präsenz von Sicherheitspersonal eine wichtige Säule des Sicherheitskonzepts dar.“

50 000 Reisende und andere Nutzer zählt die Bahn jährlich am Göttinger Bahnhof. Quelle: Pascal Wienecke

 

Aber: „Die Bundespolizei möchte die Videoüberwachung auf den Bahnhof Göttingen ausweiten“, bestätigt die Pressesprecherin der Bundespolizeidirektion Hannover. Nach Angaben der Bahn haben DB und Bund ein Investitionsprogramm in Höhe von 85 Millionen Euro zusammengestellt, um mehr Bahnhöfe mit modernerer Videotechnik auszustatten. Die Sprecherin der Bahn: „Grundsätzlich sind Deutsche Bahn und Bundespolizei bestrebt, die Videoüberwachung von Bahnhöfen auszubauen.“ Eine flächendeckende Überwachung sei aus Datenschutzgründen aber nicht möglich.

Das sagen Reisende

Ein Ehepaar, das in Göttingen auf der Durchreise nach München ist, ist „mit den Vorkehrungen der Bahn zufrieden“. „Aber das Thema Sicherheit hat bei uns schon hohe Priorität“, sagt der Ehemann. Und er fährt fort: „Wenn unsere Enkelkinder dabei sind, passen wir auf jeden Fall mehr darauf auf, dass nichts passiert und die Kinder sich fern von der weißen Linie halten.“

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Eine weiße Linie vor der Gleiskante der Bahnsteigen soll Gäste darauf hinweisen, dass sie Abstand vom Gleisbereich halten sollen. Anhand von Durchsagen weist die Bahn immer wieder darauf hin, diese Linie nicht zu überschreiten. Ein junger Fahrgast am Göttinger Bahnhof sagt dazu: „Ich bleibe immer hinter der Linie, wenn mein Zug noch nicht eingefahren ist.“

Lasse Schwegler bezweifelt, dass Kameras und mehr Polizei Mörder von ihrer Tat abhalten können. Quelle: Pascal Wienecke

 

Der 25-jährige Dominik sagt zu den vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen: „Grundsätzlich habe ich nichts gegen mehr Videoüberwachung, wobei an die Persönlichkeitsrechte gedacht werden muss. Eine größere Polizeipräsenz fände ich gut.“

Die Meinungen gehen auseinander

Bei einigen Fahrgästen ist das Verlangen nach mehr Sicherheit nicht allzu groß. Auch weil für viele die möglichen Alternativen nicht besonders überzeugend sind. Weder ein größeres Polizeiaufkommen noch Videoüberwachung würden einen Unterschied machen: „Mörder würden sich dadurch nicht von ihrer Tat abbringen lassen.

Sie handeln im Bruchteil einer Sekunde“, sagt der Allgäuer Lasse Schwegler. Weiter sagt er: „Kein Polizist und keine Kamera könnten ihn in diesem Moment davon abhalten.“ Als Alternative schlägt er eine Sicherheitsmaßnahme aus dem Ausland vor: „Nur Trennwände wie in Paris würden wirklich etwas bringen. Das wäre aber allein finanziell schwer umsetzbar“, so Schwegler weiter. Deshalb ist er im Gleisbereich vorsichtig: „Ich achte darauf, dass ich nicht zu nah an die Gleise herangehe.“

Einer anderen Reisenden ist das Thema Sicherheit auch nicht besonders wichtig: „Ich habe noch nicht größer über diese Thematik nachgedacht. Vielleicht ist ein Grund dafür auch, dass ich bestimmte Ereignisse wie in Frankfurt ein bisschen wegschiebe.“

(1): Diese Zahl wurde korrigiert. In einer vorherigen Textversion waren durch eine fehlerhafte Antwort der Bahn 50000 Besucher pro Jahr angegeben. 

Wie andere Länder Zugreisende sichern:

So sichern andere Länder ihre Bahnhöfe

Andere Länder, andere Sicherheitskonzepte: Im Ausland gibt es unterschiedliche Methoden, um die Sicherheit an Bahnhöfen zu gewährleisten. In Japan und Thailand werden manche Bahnhöfe mit hohen Glasscheiben vor dem Gleisbereich gesichert. Erst wenn der Zug einfährt, öffnen sich die Türen der Absperrungen. Solch ein Konzept wird auch in der Pariser Metro angewandt. Bahnsteige in Italien und Spanien lassen sich dagegen nur mit einem gültigen Ticket betreten. Hier wird vorab kontrolliert.

In Deutschland schwer umsetzbar

Nicht nur finanziell wären Trennwände wie in Paris problematisch, sondern auch technisch, sagen Deutsche Techniker, die Bahn und Politiker. An den Trennwänden befinden sich in Paris Türen, die sich automatisch nur dann öffnen, wenn der Zug hält. Im Gegensatz zu den Zügen in der Pariser Metro, fahren Züge in ganz Deutschland manuell in den Bahnhof ein –also vom Lokführer gesteuert. Darum bleiben sie nie genau an der selben Stelle stehen. Deshalb würde die Technologie der Trennwände wie in Paris so nicht in deutschen Bahnhöfen funktionieren.

Von Pascal Wienecke

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