Wie sinnvoll ist die Digitalisierung der Schulen
Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Schulen in Göttingen und der Region bereiten sich auf Digitalisierung vor
Die Region Göttingen Schulen in Göttingen und der Region bereiten sich auf Digitalisierung vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 04.02.2020
Der Klassenraum der Zukunft? Am Hainberg-Gymnasium Göttingen arbeiten die Schüler der 12. Klasse bereits mit Ipads und Laptops. Quelle: Peter Heller
Anzeige
Göttingen/Landkreis

Es gibt Geld für die Schulen: Im Rahmen des Digitalpakts Schule schüttet die Bundesregierung insgesamt fünf Milliarden Euro für die digitale Infrastruktur an deutschen Lehranstalten aus. Niedersachsen erhält knapp 470 Millionen, in den Landkreis Göttingen fließen etwa 17 Millionen, davon 5,9 an die Schulen im Stadtgebiet. Nun geht es für die Bildungsstätten erst einmal darum, den eigenen Bedarf an Ipads, schneller Internetverbindung und anderen digitalen Unterrichtsmöglichkeiten zu ermitteln.

„Ich hoffe, dass das Geld nicht erst 2023 fließt“

Fertig sind die Antragspläne am Felix-Klein-Gymnasium, berichtet Schulleiter Michael Brüggemann. „Wir haben ein klares Konzept“, sagt er. Die Schule sei dabei, Ipad-Klassen zu implementieren. Dafür sei vor allem eine schnelle WLAN-Verbindung notwendig. „Es ist eine performante Infrastruktur nötig“, so Brüggemann. Der Tablet-Bereich solle ausgebaut werden, zudem werde die Präsentationstechnik komplett auf Beamer umgestellt. Und auch die guten, alten Overhead-Projektoren haben ausgedient, wenn das Konzept die Fördermittel erhält: „Wir wollen diesen Bereich komplett auf Dokumentenkameras umstellen.“

Anzeige

Da das Konzept bereits in der Schublade liegt, aber „gewisser Investitionen“ bedarf, hofft der Rektor, dass die Umsetzung nicht allzu lange dauert. „Die Pläne von unserer Seite sind da. Ich hoffe, dass es zügig vorangeht“, und das Fördergeld „nicht erst 2023 fließt“.

In der Praxis zeigen sich auch Einschränkungen

Noch dabei, die Investitionspläne zu erstellen, ist die BBS I. Schulleiter Rainer Wiemann erläutert: „Mittelfristig muss es darum gehen, dass die Schüler ihre eigenen internetfähigen Geräte nutzen können.“ Eine schnelle WLAN-Verbindung sei also Grundvoraussetzung für den digitalen Unterricht. Und: „Es geht darum, die Mittel sinnvoll zu nutzen.“

So habe die Schule bereits einige Investitionen getätigt, um die neuen Geräte ausgiebigen Tests zu unterziehen. Dabei zeigte sich etwa, dass in einem Klassenzimmer die Anschaffung eines Flatscreens als Tafel keinen Sinn machen würde: „Die Oberfläche spiegelt bei der Sonneneinstrahlung so stark, dass man nichts erkennen würde“, berichtet Wiemann. Zudem müssten „viele technische Möglichkeiten“, die die digitale Technik biete, geprüft und getestet werden. „Auch Geld ausgeben ist schwierig, wenn man es verantwortungsvoll machen möchte“, sagt Wiemann.

Wie werden die Lehrer vorbereitet?

„Auf jeden Fall“ will auch die Gesamtschule Bovenden Fördermittel zur Digitalisierung beantragen. Schulleiterin Renate Heyn sieht im Digitalpakt eine Möglichkeit, eine Entwicklung weiterzuführen, die die Schule in den vergangenen Jahren bereits angestoßen habe. In einzelnen Klassen gebe es an der Gesamtschule bereits Whiteboards oder digitale Tafeln, sagt Heyn. Bereits im Dezember 2018 habe ihre Schule ein Medienkonzept erstellt, das nun dabei helfe, die richtigen Lösungen für die kommenden Jahre zu finden.

Zwei Lehrkräfte absolvierten bereits Fortbildungen für die Nutzung digitaler Medien, sagt Heyn. Diese beiden Lehrer gäben dann ihre Kenntnisse an das Kollegium weiter – auch das gehöre zum Konzept, das die Schule vorlegen muss, um Fördermittel aus dem Digitalpakt zu erhalten.

Die Bereitschaft der Lehrkräfte, im Unterricht zum Beispiel Whiteboards einzusetzen, sei hoch, berichtet die Schulleiterin – schließlich biete die Digitalisierung ihnen, aber auch den Schülern ganz neue Möglichkeiten des Lernens und Lehrens. Bis zur umfassenden Digitalisierung sei es aber noch ein langer Weg, sagt die Schulleiterin: Ipads gebe es bislang nur für die Oberstufe. Um die Möglichkeiten der neuen Unterrichtsmethoden voll nutzen zu können, brauche aber jeder Schüler ein Endgerät.

Die Suche nach der richtigen Ausrüstung

In der Testphase einiger Geräte befindet sich derzeit auch das Hainberg-Gymnasium Göttingen. Das Medienbildungskonzept werde dort gerade erstellt, berichtet Schulleiter Georg Bartelt. Ausgiebig geprüft werden aktuell verschiedene Tablets und Convertibles, also Tablets mit integrierter Tastatur.

Im bilingualen (englisch) Geschichtsunterricht am Hainberg-Gymnasiumwerden IPads und Laptops eingesetzt. Quelle: Peter Heller

Diese kommen in den Jahrgangsstufen zehn, elf und zwölf zum Einsatz. Elektronische Wörterbücher und altmodische Taschenrechner hätten ausgedient, die Schule suche ein Gerät, das beides beinhaltet. „Insgesamt sind die Erfahrungen positiv“, sagt Bartelt. Für die Lehrer bedeute es aber eine größere Umstellung als für die Schüler, „die haben meist solche Geräte zu Hause“. Den Schülern gefalle die neue Unterrichtsform „sehr gut“.

Die Autoren erreichen Sie unter E-Mail t.kohlwes@goettinger-tageblatt.de, t.christ_freier_mitarbeiter@goettinger-tageblatt.de und lokales@goettinger-tageblatt.de.

Lesen Sie auch:

Von Tobias Christ und Tammo Kohlwes