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Göttingen Wieder Geldautomat gesprengt: Jetzt ermittelt auch das Landeskriminalamt
Die Region Göttingen Wieder Geldautomat gesprengt: Jetzt ermittelt auch das Landeskriminalamt
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19:10 05.11.2019
Geldautomat und Eingangshalle der Commerzbank-Filiale in Göttingen wurden schwer beschädigt. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Nachdem Unbekannte in der Nacht zu Dienstag versucht haben, einen Geldautomaten in der Commerzbank-Filiale am Düstere-Eichen-Weg in Göttingen zu sprengen, laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Wegen der beträchtlichen Schäden bleibt die Bank vorerst geschlossen. Unterdessen prüft das Landeskriminalamt einen Zusammenhang mit ähnlichen Taten.

Am Dienstagmorgen untersuchten Kriminaltechniker des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Göttingen den Tatort auf Spuren oder andere Beweismittel. Aufgrund der bislang gewonnenen Erkenntnisse spielte sich die Tat in etwa so ab, wie Polizeisprecherin Jasmin Kaatz schilderte.

Tatbeginn gegen 3.45 Uhr

Bereits gegen 3.45 Uhr betritt mindestens ein vermummter Täter den SB-Bereich der Bankfiliale. Kurze Zeit später versucht er, mit zwei mitgebrachten Gasflaschen den Geldautomaten zu sprengen, indem er ein Sauerstoff-Gasgemisch einleitet. „Dieses Vorhaben schlug vermutlich aufgrund des nicht richtigen Mischungsverhältnisses fehl“, erklärte Kaatz. Stattdessen geriet der Geldautomat in Brand. Das Gerät und der SB-Bereich wurden dabei erheblich beschädigt.

Vorraum der Commerzbank im Düstere-Eichen-Weg mit zerstörtem Bankautomaten. Quelle: Niklas Richter

Der oder die Täter flüchteten anschließen ohne Beute in unbekannte Richtung. Von ihnen fehlt jede Spur. Auch Hinweise auf ein mögliches Fluchtfahrzeug liegen den Ermittlern bislang nicht vor. Nur so viel ist klar: Die Gasflaschen wurden am Tatort zurückgelassen.

Beim Gassigehen Rauch entdeckt

Knapp eine Stunde nach der Tat gegen 4.45 Uhr wurde eine Hundehalterin auf den aus dem Vorraum des Geldinstitutes dringenden Rauch aufmerksam und alarmierte die Feuerwehr. Die Bewohner des betroffenen Hauses, in dem die Commerzbank-Filiale untergebracht ist, konnten sich nach Angaben von Kaatz selbstständig in Sicherheit bringen. Verletzt worden sei niemand. Angaben zur Höhe des Schadens lägen noch nicht vor.

Am Dienstagvormittag lag ein beißender Geruch nach Rauch in der Luft vor der Filiale. Die Wände der Eingangshalle der Commerzbank waren stark verrußt. Der Geldautomat war kaum noch als solcher zu erkennen. Die Hitze des Feuers hatte das Plastik schmelzen lassen. Bildschirm und Bedienfeld waren völlig zerstört.

Nachbarin: „Das ist ja ein Ding“

Dass der Versuch, den Geldautomaten zu sprengen, letztendlich fehl schlug, darauf deuten auch Aussagen von Nachbarn hin. „Das ist ja ein Ding“, wunderte sich eine Frau, die direkt gegenüber der Bankfiliale wohnt. Von dem „Anschlag“ auf die Bank habe sie nichts mitbekommen. Ihr seien am frühen Morgen nur Blaulicht und ein Notarzt aufgefallen. „Da habe ich gedacht, es wäre etwas mit unseren Nachbarn.“ Einen Knall oder andere Geräusche einer Explosion habe sie aber nicht gehört. „Dabei ist es um diese Zeit hier sehr still.“ Andere Nachbarn bestätigen das.

Auch Sascha Gellersen, Inhaber des benachbarten Edeka-Marktes, hat von der eigentlichen Tat nichts mitbekommen. „Als ich um 4.45 Uhr den Laden aufgemacht habe, ist hier aber großer Aufruhr gewesen.“ Drei Feuerwehrfahrzeuge, ein Rettungswagen und Polizei seien vor Ort gewesen. Zudem sei die Straße etwa eineinhalb Stunden gesperrt gewesen. „Überall war Blaulicht“, erinnert sich Gellersen.

In einer Bankfiliale am Düstere-Eichen-Weg in Göttingen haben Unbekannte versucht, einen Bankautomaten zu sprengen. Ein Feuer hat den Automaten völlig zerstört. Quelle: Andreas Furhmann

Die Polizei habe ihn dann wenig später befragt. In erster Linie sei es um Aufzeichnungen seiner Überwachungskameras gegangen. „Wir dürfen aus rechtlichen Gründen aber nicht die Straße filmen“, sagte Gellersen. „Daher war das Thema schnell erledigt.“ Schließlich liege die Bank vom Edeka-Markt aus gesehen jenseits des Düstere-Eichen-Wegs.

Filiale bleibt voraussichtlich bis 10. November geschlossen

Die betroffene Bankfiliale bleibt wegen des beträchtlichen Schadens bis voraussichtlich Sonntag, 10. November, geschlossen. Darauf wiesen am Dienstagvormittag Schilder am Gebäude hin, und das bestätigte auf Anfrage auch Ina Mähl, Sprecherin der Commerzbank für den Bereich Nord. Das Unternehmen müsse sich jetzt erst einmal einen Überblick über die Schäden verschaffen. Außerdem sei die Filiale durch Rauch kontaminiert. Man müsse erst entsprechende Messungen der Feuerwehr abwarten, um mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mitarbeiter und Kunden auszuschließen. Kunden sollten so lange auf die Commerzbank-Filiale an der Prinzenstraße ausweichen.

In einer Bankfiliale am Düstere-Eichen-Weg in Göttingen haben Unbekannte versucht, einen Bankautomaten zu sprengen. Ein Feuer hat den Automaten völlig zerstört. Quelle: Andreas Furhmann

Schadenshöhe unklar

Die Höhe des Schadens sei noch unklar, sagte Mähl. Ein neuer Geldautomat müsse aber definitiv angeschafft werden. Zwar hätten die Täter keine Beute gemacht. „Leider ist der SB-Bereich aber stark beschädigt worden“, so die Commerzbank-Sprecherin. Das allein verursache bereits immense Kosten.

Derartige Taten hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, erklärte Mähl. „Vor allem in den vergangenen zweieinhalb Jahren gab es leider sehr viele dieser Fälle. Das ist schon bemerkenswert.“ Zuletzt habe es im September einen ähnlichen Vorfall in einer Commerzbank-Filiale in Hannover gegeben. Einige Monate zuvor hatten Unbekannte einen Geldautomaten der Bank in Langenhagen gesprengt. „Und jetzt leider schon wieder ein Fall. Das ist natürlich bitter“, sagte Mähl.

Mehrere Sprengungen in Südniedersachsen

Auch in Südniedersachsen wurden in den vergangenen Jahren Geldautomaten gesprengt. Das Landeskriminalamt nennt auf Anfrage drei Taten:

– 19. September 2018: Vollzogene Sprengung eines Geldautomaten der Commerzbank Göttingen in Weende

– 26. April 2017: Vollzogene Sprengung eines Geldautomaten der Volksbank Hann. Münden

– 14. April 2017: Vollzogene Sprengung eines Geldautomaten der Sparkasse Katlenburg-Lindau

Das Landeskriminalamt Niedersachsen übernehme „die zentrale Auswertung in diesem Phänomenbereich, um Tatzusammenhänge auch länderübergreifend zu erkennen“, erklärte Sprecherin Katrin Gladitz. Ob ein Zusammenhang zwischen der aktuellen Tat in Göttingen, den drei genannten oder anderen ähnlichen Taten bestehe, könne zum derzeitigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Das werde zurzeit noch geprüft. Die Ermittlungen dauerten an.

Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen nimmt die Polizei Göttingen unter Telefon 0551/491-2115 entgegen.

Kriminelle scheitern immer häufiger

36-mal haben Kriminelle in diesem Jahr in Niedersachsen bisher versucht, einen Geldautomaten zu sprengen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Landeskriminalamtes hervor (Stand Oktober). Allerdings greifen inzwischen immer öfter die Sicherungsvorkehrungen, die Banken in den vergangenen Jahren getroffen haben: Bei den Taten hatten die Kriminellen nur in 14 Fällen Erfolg. Deutlich öfter mussten sie ohne Beute abziehen – nämlich insgesamt 22-mal.

„Bei bundesweit über 50 000 Geldautomaten ist die Umrüstung von alten Geräten und die Verbesserung durch bauliche Maßnahmen oder technische Sicherungsmaßnahmen ein mehrjähriger, kostenintensiver Prozess“, erklärte LKA-Sprecherin Nevin Ayyildiz. Die leicht gestiegene Quote der Fälle, in denen der Sprengversuch scheiterte, deute allerdings darauf hin, dass die verbesserten Sicherheitsvorkehrungen langsam Wirkung zeigten.

2018 war die Zahl der Sprengungen in Niedersachsen deutlich in die Höhe geschnellt: 54 Fälle wurden registriert, 37-Mal scheiterten die Täter. „Bundesweit bewegen wir uns derzeit auf dem Niveau vom letzten Jahr, es gibt im Schnitt eine Sprengung pro Tag“, hieß es vom LKA in Hannover. Im gesamten Jahr 2017 wurden hingegen in Niedersachsen nur 23 Automaten attackiert.

„Wir gehen von 3 Tätertypen aus“, sagte die LKA-Sprecherin. Zum einen gebe es niederländische Täter mit überwiegend marokkanischen Wurzeln, die in wechselnder Zusammensetzung hochprofessionell agierten. Zum anderen gebe es Banden „mit sonstigem Migrationshintergrund“, teils aus Osteuropa. Außerdem gebe es inzwischen auch örtliche Nachahmungstäter.

In diesem Jahr wurden unter anderem in Weyhe, Stuhr, Nienburg, Langenhagen und Braunschweig Automaten gesprengt. Und jetzt auch erneut in Göttingen.

Von Andreas Fuhrmann

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