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Göttingen „Win-win-Situation“ im Pausenraum der Tafel
Die Region Göttingen „Win-win-Situation“ im Pausenraum der Tafel
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18:04 07.03.2012
Erste Hilfe bei Problemen mit Paragrafen: Rechtsanwalt Uwe Betjen, Hannes Brost und Simon Steinhof (von links).
Erste Hilfe bei Problemen mit Paragrafen: Rechtsanwalt Uwe Betjen, Hannes Brost und Simon Steinhof (von links). Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

An ihrer Seite sitzt stets ein Rechtsanwalt. Das hat formelle und inhaltliche Gründe. „Nach dem Rechtsberatungsgesetz muss ein Anwalt mit dabei sein“, erklärt Rechtsanwalt Uwe Betjen. Und wenn etwas falsch erklärt wird oder der studentische Berater einmal nicht weiter weiß, kann der Anwalt eingreifen. Die erste Hilfe solle jedoch von den Studenten kommen. GEZ? „Da sind wir im Öffentlichen Recht“, erläutert Simon Steinhof dem „Mandanten“. Steinhof studiert im vierten Semester Jura und ist eifrig bei der Sache.

Der Nachwuchsjurist rückt die Brille auf seiner Nase zurecht und bittet höflich um die GEZ-Unterlagen. Er beginnt darin zu blättern, während sein Kommilitone erklärt, was als nächstes zu beachten sei. Dass der Anspruch entstanden sei – da könne man nun nichts mehr machen, aber nun alles daran zu setzen, die Folgekosten, Mahngebühren und so weiter so gering wie möglich zu halten.

Zu den Hauptberatungsfeldern zählen neben GEZ-Streitigkeiten Probleme des Erb-, Sozial- und Mietrechts. „Aber auch Werk- und Arbeitsrecht ist mit dabei“, berichtet Hannes Brost, der im elften Semester studiert. Ein Jahr lang haben die Studenten an dem Projekt geplant. Seit etwa drei Monaten wird beraten. „In der ersten Zeit hat es einen richten Run auf die Beratung geben“, berichtet Hannes Brost. Inzwischen fänden mittwochs zwischen zwei und fünf Beratungen statt. Die Beratung empfinden die Studenten als eine Win-win-Si­tu­a­ti­on.

Engagement hat praktische Gründe

Das Studium, kritisiert Steinhof, habe „null Praxisbezug“. In den Beratungen hätten die Studenten Möglichkeit, sich mit echten Fällen auseinanderzusetzen. Die Idee ist, soziales Engagement mit studentischen Fertigkeiten zu verbinden. „So können wir etwas zurückgeben“, findet Steinhof. Auch für Betjen hat das Engagement ganz praktische Gründe. „So werden auch wir unserem Ausbildungsauftrag gerecht.“ Inzwischen gibt es 15 bis 20 Studenten, die sich die Beratungen aufteilen.

An der Uni ist man über das Beratungsprojekt der Studenten „positiv überrascht“. Jura-Dekan Andreas Spickhoff begrüßt es, dass die Studenten andere Kompetenzen erwerben, als das über Klausur- oder Hausarbeitenleistungen möglich sei. „Das ist schon in Ordnung.“ Spickhoff betont, dass die Beratung keine Konkurrenz für Anwälte darstellen soll. Nicht nachvollziehbar sei der Vorwurf der Studenten, dass das Studium nicht ausreichend Praxisbezug habe. „Das Jurastudium in Deutschland“, behauptet Spickhoff, „ist so praxisorientiert wie nirgends in Europa.“

Die Rechtsberatung findet jeden zweiten bis vierten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr am Jacobikirchhof 1 statt.

Von Lukas Breitenbach