Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Wind-Debatte bis in die Nacht in der Weender Festhalle
Die Region Göttingen Wind-Debatte bis in die Nacht in der Weender Festhalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 23.10.2013
Von Gerald Kräft
Windrad- und Energiewende-Debatte: Mahnwache von Bürgerinitiativen aus Stadt und Landkreis am Dienstag vor der Weender Festhalle. Quelle: Pförtner
Anzeige
Weende

Nach mehr als vier intensiven Stunden drängte es etliche der rund 340 Besucher immer noch zu weiteren Fragen. Rund 40 Mitglieder von Bürgerinitiativen aus der Stadt und dem Landkreis Göttingen hatten sich bereits vor Beginn an der Festhalle zu einer Mahnwache versammelt.

Mit Warnwesten, Grablichtern und Plakaten protestierten sie gegen geplante Windparks in der Nähe ihrer Dörfer. In der Debatte kritisierten sie unter anderem „Wildwuchs“, „Gigantismus“ und einen fehlenden funktionierenden Plan für Energiewende und Klimaschutz.

Anzeige

Wie es mit dem Windradbau und der Energiewende im Landkreis weitergeht, blieb auch am Ende der Debatte noch weitgehend offen. Für den Vertreter des BUND-Landesverbandes, Marcus Bollmann, ist mit 40 Windrädern der neuesten Generation im Landkreis eine Grenze erreicht.

Ein „Jahrhundertprozess“

In der Frage, ob künftig in Niedersachsen wie bereits in Hessen Windräder auch in den Wald gebaut werden können, hielt sich Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) noch bedeckt. Das müsse auf einer vernünftigen Datenbasis entschieden werden. Eine Windpotenzialanalyse für das Land sei noch in Arbeit.

Ein Erlass mit Empfehlungen für die Windparkplanungen der Gemeinden ist laut Wenzel erst in einem Dreivierteljahr zu erwarten. Für den Minister ist der Umstieg auf erneuerbare Energien ein „Jahrhundertprozess“ und zwingend, wenn man von Kohle und Atom weg will. Die Energiewende habe noch viele Baustellen.

Im Raumordnungsprogramm soll ein Wirkungsgrad für Kraftwerke von mindestens 55 Prozent vorgeschrieben werden, was Gas und Wärmekoppelung erfordert. Für Wenzel ist eine 100-Prozent-Energiewende kein technisches Problem mehr, sondern ein „gesellschaftspolitisches“. Fehler müssten erkannt und korrigiert werden. Debatten wie in Weende seien notwendig, Ergebnisse nehme er mit, versicherte er.

Eine „ästhetische Herausforderung“

Für den Göttinger Landschaftsplaner Christoph Schwahn ist Windenergie auch eine „ästhetische Herausforderung“. Auch wenn es einen „Gewöhnungseffekt“ gibt, wünscht er sich einen Designer, der sich einmal der Industriemasten annimmt. Für die befürchteten gesundheitlichen Auswirkungen durch Infraschall gibt es dem Umweltplaner Günter Ratzbor zufolge keine Belege.

Für Infraschall mit niedrigen Frequenzen würden dieselben physikalischen Gesetze gelten wie für hörbaren Schall. Für den Schalldruck gebe es Grenzwerte. Bei 1000 Meter Entfernung gehe der durch Windkraftanlagen erzeugte Infraschall im ohnehin vorhandenen „Grundrauschen“ unter.

Angst vor Wertverlust konnte der Sachverständig aus Norden, Herbert Troff, nicht ausräumen, auch wenn in Ostfriesland mit hunderten Windrädern Immobilienpreise wieder steigen.