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Göttingen „Wir kamen noch rein, aber nicht mehr raus“
Die Region Göttingen „Wir kamen noch rein, aber nicht mehr raus“
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20:59 11.01.2011
Von Matthias Heinzel
Schippen Schlamm und Wasser: Fabienne Sorrentino und Jörg Knauer in Hann. Münden.
Schippen Schlamm und Wasser: Fabienne Sorrentino und Jörg Knauer in Hann. Münden. Quelle: Hinzmann
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Vollgelaufen ist auch das Heim des Vereins der Fischfreunde an der Wanfrieder Schlagd. Enorm schnell sei das Wasser am Sonntagmorgen gestiegen, ein weiterer heftiger Schub sei am Mittag gefolgt, schildert Vereinsmitglied Achim Niklasch: „Wir kamen noch rein, aber nicht mehr raus.“ Einen halben Meter hoch stand das Wasser schließlich im Clubraum, überflutete Stühle und Bänke.
An eine Erscheinung glaubte Hotelmanagerin Ursula Sorrento, als sie am frühen Montagmorgen ein Klopfen an einem Fenster des Hotels am Packhof hörte. Am Tag zuvor hatten sie und ihr Team Eingänge und Fenster mit Metallwänden vor den Fluten abgedichtet – jetzt wusste sie, draußen steht das Wasser einen Meter hoch. Das Klopfen kam von ihrer Mitarbeiterin Antonia Ortega, die pünktlich um 5.30 Uhr ihren Dienst im Hotel antreten wollte. Bis zur Hüfte, sagt Ortega, habe ihr das Wasser gereicht: „Meine Chefin hatte sich sehr gewundert. Aber ich musste doch zur Arbeit.“ Managerin Sorrentino: „Sie ist praktisch zur Arbeit geschwommen. Sie war völlig unterkühlt.“ Ähnlichen Sportsgeist zeigte auch Sorrentos Mitarbeiterin Martina Czech: Sie stakte durch die Fluten der Fulda. Statt im Hotel zu bleiben, watete sie zu einer Geburtstagsfeier – jedes Bein zum Schutz gegen das Wasser in eine Mülltüte gehüllt.

Ortega watete erst durch das nur noch einen halben Meter hohe Wasser nach Hause, erschien aber gestern wieder, um beim Saubermachen zu helfen. In das Hotel war wegen der Metallwände nur wenig Wasser und Schlamm eingedrungen, aber davor hatte sich jede Menge Schlamm abgesetzt. Mit Hochdruckreiniger, Besen und Schaufel machten sich Sorrentino mit Tochter Fabienne und Schwiegesohn Jörg Knauer an die Reinigung – ebenso wie

Niklasch und Egon Fubrich vom Verein der Fischfreunde, die ihr Vereinsheim so schnell wie möglich von Wasser und Schlamm befreien wollten.