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Göttingen Wo große Weibchen die Männchen verspeisen
Die Region Göttingen Wo große Weibchen die Männchen verspeisen
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18:56 23.07.2009
Wie echt: Gisela Vogel zeigt Leonie, Jana und Nicki (v.l.) und den anderen Kindern eine in Alkohol aufbewahrte Vogelspinne.
Wie echt: Gisela Vogel zeigt Leonie, Jana und Nicki (v.l.) und den anderen Kindern eine in Alkohol aufbewahrte Vogelspinne. Quelle: Vetter
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Wer seine Kinder mal für eineinhalb Stunden beschäftigen möchte, sollte ihnen einfach eine Hand voll Spinnen vorsetzen. Nein, nicht zum Essen natürlich, einfach so, zum gucken. Zugegeben, das kostet Überwindung. Aber wenn man sieht, wie unvoreingenommen und angenehm unaufgeregt Kinder mit den Gliederfüßern umgehen, ist einem die eigene Angst bald peinlich.

Wobei sie ohnehin unbegründet ist, die Angst, wie Museumsmitarbeiterin Gisela Vogel sagt. Dabei hält sie ein Glas hoch, in dem sich neben einigen Grashalmen auch eine – ungewohnt farbenfrohe – gelb-schwarz gestreifte Spinne befindet. Ihr naheliegender Name: Wespenspinne. Die findet Vogel „ganz toll“. Obgleich es angesichts ihres Nachnamens passender erschiene, wenn sie eine andere Spinnenart bevorzugte. Die Vogelspinne sieht aber auch alles andere als schön aus mit ihrem pelzig behaarten Körper. Groß und schwer ist sie obendrein – im Gegensatz zu der grazil und irgendwie anmutig wirkenden Wespenspinne. Ganze 170 Gramm kann so ein achtbeiniger Koloss auf die Waage bringen. „Schwerer als ein Vogel“, sagt Vogel. Die Kinderaugen werden größer und größer.

Die Teilnehmer sind dann auch ganz froh, dass die Hauswinkelspinnen, welche sie unter ihrem Binokular (eine Art Fernglas für kurze Entfernungen) betrachten, mausetot sind. So ruhig gestellt, lassen sich am besten Kiefertaster, Krallen und Spinnwarzen erkennen. „Igitt“, entfährt es da einem der tapferen Kinder, weil das kleine Tierchen auf einmal so riesig erscheint durch das Binokular. „Das ist doch nicht igitt“, entgegnet Vogel entrüstet.

Spinnenhülle

Ist es tatsächlich nicht. Und so begutachten die Mädchen und Jungen in der Folge neugierig ein ums andere Spinnentier, mal lebend, mal als getrocknete Hülle. Vogel erzählt währenddessen witzig Wissenswertes. So auch, dass die Männchen kleiner sind als die Weibchen und oftmals nach der Begattung von eben diesen verspeist werden – sozusagen als Nachtisch. Die Mädchen grinsen stumm in sich hinein, als sie das hören.

Tiara ist hernach schier begeistert vom Vormittag. Spinnen seien tolle Tiere, sagt sie. Nur eines werde sich auch jetzt nicht ändern. Ihr Vater muss weiterhin jede Spinne, die Tiara zuhause findet, aufsammeln. „Aber nicht töten“, wird Tiara ihm wie immer hinterherrufen. „Das ist gemein“, sagt sie.

Und Raul? Der gibt sich weiterhin lässig. „Voll dämlich“ sei das, wenn sich die Mädchen in der Klasse vor einer Spinne erschrecken. „Die kann uns doch eh nichts tun“, sagt er. Und was macht er, wenn er eine Spinne sieht? „Dann sage ich: Hey Kumpel, fürchte dich nicht.“ Fragt sich nur, wen er mit Kumpel meint.

Von Andreas Fuhrmann

23.07.2009
23.07.2009
23.07.2009