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Göttingen Bakterien im Bart oder Flöhe im Fell
Die Region Göttingen Bakterien im Bart oder Flöhe im Fell
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15:25 19.04.2019
Ohne Worte. Quelle: r
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Göttingen

Meine Meldung der Woche: Forscher der Klinik St. Anna in Luzern glauben herausgefunden zu haben, dass sich in Bärten mehr Bakterien aufhalten als in Hundefell. Eine Nachricht, die mich instinktiv hat das bewaldete Kinn kratzen lassen. In ihrer Studie verglichen die Schweizer Wissenschaftler Bakterienabstriche von 18 bärtigen Männern zwischen 18 und 76 Jahren und 30 haarigen Hunden unbekannten Alters. Der Befund: Alle Bärte wiesen sehr viele Mikroben auf. Bei sieben Männern war der Befall so stark, dass sie Gefahr liefen, krank zu werden. Bei den Hunden hingegen waren immerhin zehn bakteriell unauffällig.

Auf diese erschütternde Erkenntnis stießen die Wissenschaftler übrigens eher zufällig. Eigentlich wollten die Forscher nämlich herausfinden, ob Männer mit Gesichtsbehaarung Krankheiten von Hunden aufnehmen können. Jetzt aber müsse man wohl eher das Gegenteil befürchten, heißt es in einer Aufarbeitung der Studie.

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Alarmierende Botschaft

Für mich als bärtigen Hundebesitzer eine alarmierende Botschaft. Zumal ich glaube, eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, was mit, auf und in dem Fell meiner Vierbeiner so alles los ist. Da wäre zunächst einmal diese interessante Eigenheit, sich in Aas zu wälzen, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Wenn gerade keine Tierleiche zur Hand ist, tun es auch schon mal übelriechende Fäkalien.

Ohnehin ist beim Hund der Weg von der Ausscheidung zur Körperpflege ein sehr kurzer. Durch tägliche Beobachtung glaube ich behaupten zu dürfen, dass es dem Hund total egal ist, ob er sich erst den Hintern und dann das restliche Fell leckt. Es ist ihm glaube ich sogar egal, wem der Hintern gehört, den er jeweils vor, nach oder während der Körperpflege mit der Zunge bearbeitet. Und nicht zuletzt wegen dieser Eigenheiten sind Hunde ständig dreckig, schlammig und riechen schlecht – unsere zumindest.

Essensreste und Tropfschutz

So. Und jetzt kommen also diese dahergelaufenen Schweizer Pseudomediziner und behaupten, mein Bart – der einzige Teil meines Körpers, der jemals mit hochpreisigen Pflegeprodukten in Berührung gekommen ist – sei schmutziger als das, was Bello täglich durch die Kacke zieht? Ich räume ein, dass sich beim Bartträger mal der ein oder andere Speiserest möglicherweise im prächtigen Gesichtsbewuchs verirren kann. Auch ist zumindest rein theoretisch vorstellbar, dass beim Konsum beispielsweise einer Milch der Bart zum Tropfschutz wird. Sollte das dann aber nicht immer noch hygienischer sein als schmuddelige Fellproben? Nein?

Sollten Sie, lieber Bakterienträger, nun auf die Idee gekommen und anatomisch dazu in der Lage sein, es dem Hund gleichzutun und das eigene Fell einfach sauber zu lecken, wäre davon dringend abzuraten. Bereits im Sommer vergangenen Jahres haben die Schweizer eine ähnliche Analyse mit Mund- beziehungsweise Maulabstrichen gemacht. Raten Sie mal, wer schlechter abgeschnitten hat als die Hunde...

Von Markus Scharf

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