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Göttingen Darum hat Messi so traurig geguckt
Die Region Göttingen Darum hat Messi so traurig geguckt
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08:20 23.06.2018
Traurig wegen des Gewerbegebiets in Göttingen? Wohl eher nicht: Lionel Messi nach der 0:3-Niederlage Argentiniens gegen Kroatien bei der Fußball-WM in Russland. Quelle: AP
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Göttingen

Keine Zeit für solche Gedanken, konzentrier dich! Tagesordnungspunkt 8: Straßenausbausatzung. Ein Mitarbeiter der Verwaltung erhebt sich und beginnt mit seinem Vortrag: „Sehr verehrter Herr Ausschussvorsitzender....“

Kroatien hat bei einer WM-Endrunde noch nie gegen eine südamerikanische Mannschaft gewonnen. Und Argentinien ist immerhin amtierender Vize-Weltmeister. Dank Mario Götze. Also dürfte das doch eine klare Sache werden. Die Stimme des Verwaltungsangestellten sagt gerade „...das Projekt gliedert sich in zwei Teilbereiche.“ Meine Aufmerksamkeit versucht das Gleiche. Dann verschwimmen die Bilder.

Anpfiff. Der Ball liegt in der Mitte des Spielfelds. Im Stuhlkreis drumherum sitzen Caballero, Messi, Mascherano, Modric, Rakitic und diskutieren über das Gewerbegebiet Siekweg-Süd. Die Spieleröffnung erfolgt mit einer eleganten Bauvoranfrage über die linke Seite. Doch der Gegner kennt den Trick und blockt den Vorstoß ab. Langsamer Aufbau der Blau-Weißen, Mandzukic versucht es mit einem zentrumsrelevanten Innenstadtsortiment und kommt fast durch. Ein Spieler grätscht in letzter Sekunde dazwischen und ruft: „Nach alter Baunutzungsverordnung ist alles möglich.“

Die Partie schwappt in der Folge immer wieder von einer Spielfeldseite zur anderen, ohne dem Strafraum zu nahe zu kommen. Eine 70-Meter-Mauer hier, eine Ausgleichsfläche da. Die Themenbehandlung ist elegant, der Zweikampfwille spürbar, aber noch fehlen die Koordination und der Zug zum Tor. Plötzlich eine Spielunterbrechung, ein Spieler mit SPD-Trikot hat Beratungsbedarf. Messi tobt. Pfiffe aus dem Publikum. Trotzdem geht es direkt weiter mit dem Thema „Nördliche Innenstadt“. Jetzt rollt der Ball schneller, das Zusammenspiel funktioniert in Zentrumsnähe offenbar besser.

Zwei einstimmige Beschlüsse später gibt es einen neuen Spielplatz – eine Riesenchance, die Fans zum Jubeln zu bringen. Doch die Kroaten, die mittlerweile alle das Sakko des Stadtbaurats tragen, scheitern knapp an einer 100 000-Euro-Mauer. Aber auch der direkte Gegenzug mit 1-Euro-Antrag ist nicht erfolgreich. Entscheidung vertagt.

Plötzlich rufen mich Fußballstadiongeräusche zurück in die Realität des schlichten Sitzungssaals. Sie kommen aus einem versehentlich laut gestellten Mobiltelefon. Ein verschämtes Ausschussmitglied verlässt vorübergehend das Spielfeld. – Ich schüttele mich. Hinter mir flüster jemand: „Immer noch 0:0.“ Die zweite Halbzeit ist nicht öffentlich, das Spiel geht ohne mich weiter. Erst später sehe ich, wie Messi traurig vom Platz geht. Bestimmt wegen der Sache mit dem Gewerbegebiet.

Von Markus Scharf

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