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Göttingen Kolumne: Lasst das die Mädels machen
Die Region Göttingen Kolumne: Lasst das die Mädels machen
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21:33 30.08.2019
Die Mädchen unseres Autoren versuchen sich am Fußball – und die Sorge der Eltern ist unbegründet. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Wir haben bei unserem Ältesten in der vergangenen Woche die FC-Bayern-Fanwand entfernt. Er interessiert sich allerdings schon seit Jahren nicht mehr für Fußball. Schals, Trikots, Poster und Autogrammkarten hingen nur aus sentimentalen Gründen noch im Zimmer. Während er Thomas Müller und Manuel Neuer völlig emotionslos im Papierkorb verschwinden lassen konnte, musste ich mich mit feuchten Augen abwenden.

Dabei kam sein Nein zur wichtigsten Nebensache der Welt nicht ganz überraschend. Sagen wir mal so: Seine eigene frühkindliche Karriere lief nicht ganz optimal. An jedem Wochenende fuhren Vater, Mutter mit dem Kind zu Spielen und beobachteten stolz, wie er da in seinem viel zu großen Trikot auf der Ersatzbank mit seinen kleinen Beinen baumelte, während seine Mitspieler eine Klatsche nach der anderen kassierten und sich inklusive Trainer dauerhaft bepöbelten. Nachdem er dann F- und G-Jugend durchlaufen oder besser durchsessen hatte, verlegten wir uns noch kurzzeitig auf den gemeinsamen Passiv-Genuss der sonnabendlichen Bundesliga-Übertragungen. Dann kam der traurige Schlusspfiff.

Markus Scharf Quelle: Christina Hinzmann

Wiederholung des Trauerspiels?

Entsprechend erfüllte es mich mit Sorge, als wenig später unsere Mädchen im Garten ebenso begeistert wie unkontrolliert gegen einen Ball zu treten begannen. Eine Wiederholung des Trauerspiels galt es aus rein pädagogischen Gründen zu verhindern. Außerdem gebe ich zu, dass ich nie eine sonderlich hohe Meinung von Frauenfußball hatte. Doch als ich gerade den Ball zerstochen und den Rasen mit Hundekot garniert hatte, standen die beiden süßen Ronaldinhas dank der lieben Spielermutter schon im Trikot der F-Juniorinnen auf dem nächstbesten Trainingsplatz. Das war im Frühjahr dieses Jahres.

Jetzt, nach dem Sommer, folgte der Saisonstart. Am Wochenende fuhren Vater, Mutter mit den zwei Kindern zum Spiel. Ich hatte mir diverse Szenarien zurechtgelegt, mit denen ich die armen Kleinen nach dem Spiel wieder aufbauen wollte, sogar trotz der Hitze Schokolade eingesteckt. Als dann eine Mannschaft aus durchtrainierten Riesinnen den Kunstrasen betrat, hatte ich einfach Angst um meine Kinder. Ich versuchte, mir meine moralische Zerrüttung nicht anmerken zu lassen, aß die Schokolade und rechnete mit dem Schlimmsten. Doch das kam nicht.

Sie liefen wie die Wilden

Unsere Mannschaft war toll. Sie liefen wie die Wilden, unterstützten sich gegenseitig, lachten viel und kümmerten sich rührend umeinander, wenn mal eine Mitspielerin einen gegnerischen Fuß abbekommen hatte. Je länger sie spielten, um so häufiger trafen sie den Ball und einmal sogar das Tor. Ich glaubte zwischenzeitlich sogar, die Stimme meiner sonst eher besonnenen Frau euphorisch kreischen gehört zu haben. Als unser Team am Ende dann längst nicht so hoch wie erwartet verloren hatte, waren alle glücklich.

Auf dem Rückweg zum Auto kamen wir an einem zweiten Spielfeld vorbei. Hier spielten Jungs, das war deutlich zu hören. Sofort drang lautes Gepöbel an unser Ohr. Offenbar war hier jeder auf den anderen sauer, weil er den Ball zu früh, zu schief, zu lang oder überhaupt gespielt hatte. Gelächter und euphorische Mütter? Fehlanzeige. Erkenntnis: Fußball kann tatsächlich Spaß machen. Man muss nur die Mädels machen lassen.

Von Markus Scharf

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