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Göttingen Warum wir Völkerball aus dem Sportunterricht verbannen sollten
Die Region Göttingen Warum wir Völkerball aus dem Sportunterricht verbannen sollten
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11:10 29.06.2019
Völkerball: Mittel zur Unterdrückung? Quelle: dpa
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Göttingen

Lars Wätzold bejammert öffentlich seinen lädierten großen Onkel. Nicht, dass zur Schau getragener Schmerz besonders amüsant wäre, aber vielleicht lernt der Impro-Kolumnist daraus, dass der cw-Wert nicht allein Synonym für den Strömungswiderstandskoeffizienten ist, sondern im medizinischen Fachwissen wurzelt und eigentlich Zeh-Weh-Wert geschrieben wird. Man könnte also in diesem Fall von der Haxe des Bösen sprechen.

Völkerball „Mittel der Unterdrückung“

Bedeutend unterhaltsamer als Wätzolds unrunder Gang hingegen ist ein Vorstoß kanadischer Wissenschaftler, Völkerball aus dem Sportunterricht zu verbannen. Grund: Völkerball sei moralisch verwerflich, das Spiel würde Schüler „entmenschlichen“ und Mobbing legitimieren. Völkerball sei ein „Mittel der Unterdrückung“.

Sportunterricht wird überflüssig

Recht so! Wir können gar nicht früh genug beginnen, unser Leben vom Wettbewerb zu entkoppeln. Das muss spätestens in der Schule beginnen, und den Völkerball-Bann sollten wir gleich weiterspinnen. Warum im Sportunterricht die Blagen über 100 Meter gegeneinander laufen lassen? Um anschließend der lahmsten Raupe, die für die Strecke eine knappe halbe Minute benötigt hat, zu erklären, dass sie nur ganz knapp an Platz 1 und dem Rekord von Usain Bolt vorbeigelaufen ist? Völlig unnötige Frustration. Folgerichtig sollte dieser Wettkampfcharakter restlos getilgt werden, was den Sportunterricht per se auch ein wenig überflüssig erscheinen lässt.

Schluss mit den Zensuren

Was aber ist mit der Diskriminierung mittels Noten und Bewertungen in anderen Fächern? Reicht es, allen eine „1“ zu geben? Sollten Lehrer kreativer werden und den Pisa-Schwächlingen vermitteln, dass die „5“ nicht nur nicht schlecht ist, sondern sogar fünf Einsen en bloc bedeutet? Oder sollte Schule, damit auch hier Wettbewerb und Zurücksetzung ausgeschlossen bleiben, in allen Fächern auf Bewertung verzichten?

Eine Quote beim Schlangestehen

Das wird sicher die beste Lösung sein. Schließlich ist nichts so billig und rückwärtsgewandt wie der Hinweis, dass das ganze Leben ein Wettbewerb sei. Das muss es nicht sein, wenn wir uns nur Regeln geben und diese einhalten wollten. Ein Beispiel: Überlassen wir es doch nicht mehr dem Zufall oder der Schrittlänge, wer zuerst an diesem heißen Wochenende an der Eisbude ansteht. Das kann man auch sauber auf den Weg bringen. 1. Platz in der Reihe: weiblich. 2. in der Eisbudenschlange: männlich. 3.: divers. 4.: divers (mit Migrationshintergrund) 5.: weiblich (mit Migrationshintergrund) … . Irgendeine schützenswerte Gruppe vergessen? Mist – ja, Sozialdemokraten.

Irgendetwas ist immer

Vielleicht hätten die Nachrichtenredaktionen auch einfach nur den Vorschlag der kanadischen Forscher angemessen behandeln und in der digitalen Rundablage lassen sollen. Aber irgendein Medium tanzt ja immer aus der Reihe auf der Suche nach Klicks und Lesern. Hat auch wieder etwas mit Wettbewerb zu tun.

Schönes Wochenende.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

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Von Christoph Oppermann

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