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Göttingen SMS in Duderstadt? Trommeln statt tippen
Die Region Göttingen SMS in Duderstadt? Trommeln statt tippen
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14:13 23.02.2019
Wer glaubt, man steige einfach so aus Fusionsverhandlungen aus und alles bleibe bis in alle Ewigkeit, wie es bislang war, sortiert auch eine Packung „M & M’s“ nach Ms und Ws. Quelle: mars
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Göttingen

Eine Szene, wie wir sie alle von größeren und förmlicheren Feiern kennen: Menschen, vor allem Männer, werden mit anhaltender Veranstaltungsdauer zappeliger, die Unruhe steigert sich allmählich zur Nervosität, die Finger spielen fahrig an Accessoires, auf der Stirn bildet sich ein ganz leichter Schweißfilm. Wird der Druck zu groß, der innere Aufruhr zu stark, schleichen sie scheinheilig dem Ausgang entgegen und treffen sich draußen vor der Tür in kleinen Grüppchen.

Christoph Oppermann Quelle: Christina Hinzmann

Was üblicherweise als Folge nicht gezähmter Nikotinsucht bekannt ist, erfuhr am Montag in Duderstadt eine neue Dimension. Dort trafen sich während des Ottobock-Festaktes an der Treppe des Rathauses die Digital-Junkies der WhatsApp-Selbsthilfegruppe „Nie wieder offline!“. Zigaretten spielten bei diesen Gruppentreffen allenfalls eine Nebenrolle, wichtiger war: Draußen gab’s „Empfang“. Lausig, aber „Empfang“.

Drinnen mussten sich die Krawattenträger – Wirtschaftsbosse, Politiker, Künstler und Medienmenschen – die 0,002KB-Schmalbandleitung im Duderstädter Rathaus mit Frau Merkel teilen. Spätestens an diesem Punkt entwickelten alle Beteiligten unabhängig von individueller politischer Vorliebe Mitleid mit der Kanzlerin. Wie soll man so ein Land regieren, wenn aus Wolfgang Noltes Renommier-Quartier als das Signal menschlicher Kommunikation mit der größten Reichweite der Sound der Schüler-Rhythmusgruppe dringt?

Anfangs nahm ich an, dass die Percussionisten ihre wirklich talentierten Mitschüler beim Musikvortrag unterstützen wollten, später hatte ich den Eichsfeld-Nachwuchs im Verdacht, auf diesem Wege einfach Textnachrichten zu verbreiten. SMS ging ja nicht.

In jüngster Zeit hat Ottobock-Chef Hans Georg Näder wiederholt darauf hingewiesen, wie dringend nötig der Mobilfunkstandard 5 G im Eichsfeld sei. Recht hat er. Aber ganz ehrlich: 1 G wäre am Montag im Duderstädter Rathaus schon ein digitaler Welterfolg gewesen.

Jetzt mal Spaß beiseite: Jede Pizzeria, jede Pommesbude hat heute funktionsfähiges Gäste-Wlan.

Kann sich mal bitte jemand kümmern? Fix? Sitzungsgeld der Ratsmitglieder und Alimentation der kommunalen Bediensteten werden schließlich auch nicht mehr in Reichsmark ausgezahlt. Recht hatte Hans Georg Näder auch mit seinem Hinweis beim Eichsfeld-Forum der Sparkasse Duderstadt. Dort prophezeite er mit Blick auf die verweigerte Sparkassenfusion den Duderstädter Politikspitzen: „Ihr werdet noch lange, lange daran denken, denn der Schuss geht nach hinten los.“ So ist es.

Wer glaubt, man steige einfach so aus Fusionsverhandlungen aus und alles bleibe bis in alle Ewigkeit, wie es bislang war, sortiert auch eine Packung „M & M’s“ nach Ms und Ws. Duderstadt und die Duderstädter verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes in der ganzen Welt, aber eine Zusammenlegung mehrerer kleinerer Sparkasseneinheiten in Südniedersachsen soll nicht möglich sein? Und ich dachte immer, es gehe um Europa… Schönes Wochenende.

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E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @tooppermann

Facebook: christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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