Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Wochenendkolumne von Markus Scharf und Michael Brakemeier
Die Region Göttingen Wochenendkolumne von Markus Scharf und Michael Brakemeier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 28.06.2013
1. Juli 2013 wird die Neuregelung im NHundG verbindlich.
1. Juli 2013 wird die Neuregelung im NHundG verbindlich. Quelle: dpa
Anzeige

Zum 1. Juli 2013 wird die Neuregelung nun verbindlich. Danach muss Struppi registriert, gechipt und versichert sein. Soweit so klar. Struppis Herrchen soll außerdem eine Sachkundeprüfung mit theoretischem und praktischem Teil ablegen – eine Art Hundeführerschein also. Wuff!

Markus Scharf

Nun bin ich im Besitz eines einigermaßen vertrottelten aber gutherzigen Hundes sowie eines Führerscheins, der mir in diesem Zusammenhang aber wohl wenig helfen sollte. Also stelle ich mich moralisch auf die Überprüfung meiner Fähigkeiten als Labrador-Dompteur ein. Während des morgendlichen Spaziergangs wird sehr zur Verwunderung meines Begleiters immer mal wieder ein Kommando eingestreut. Es spricht für seinen Charakter, dass er meinen Eifer nicht als lächerlich enttarnt.

Und dann lese ich kürzlich auf Seite fünf des 18-seitigen Frage-Antwort-Katalogs, den das Ministerium zur Verfügung stellt, dass ich die Prüfung gar nicht mit meinem Hund ablegen muss. Ein herber Schlag für Herrchen und Hund. Geht es am Ende gar nicht um das Verhältnis von mir zu ihm oder umgekehrt?

Nun denn, ich habe meinen Führerschein ja auch nicht mit dem eigenen Auto gemacht. Also lese ich, innerlich auf einen animalischen Seitensprung eingestellt, weiter: Die Prüfung wird mit angeleintem Hund durchgeführt. Wie soll ich denn beweisen, dass ich eine reißende Bestie per Kommando davon abhalten kann, Passanten zu zerfleischen, wenn ich ihn gleichzeitig festhalte?

Gut, Führerschein war auch mit Anschnallen. Die wissen schon, was sie tun. Schließlich erhalte ich die wertvolle Information. Laut Gesetz sind wir gänzlich von einer Überprüfung befreit. Der Grund: Unsere Beziehung ist älter als das Gesetz. Anders formuliert: Wir kennen uns zu lange, als dass einer von uns als bissig eingestuft werden könnte. Ich protestiere! Mein Hund nicht.

Seither nutze ich die Spaziergänge wieder zum Grübeln und behellige das arme Tier nicht weiter mit „Sitz“, „Platz“ oder „Mach Salto“. Also denke ich so vor mich hin: Habe ich das richtig verstanden? Beißt wirklich kein Hund, der vor 2011 auf die Welt kam? Und hat jeder langjährige Hundehalter nur gute Absichten für sich, sein Tier und die Umgebung? Und warum darf jeder dahergelaufene Niedersachse ohne vorherige Prüfung Kinder erziehen, den Gesetzgeber wählen und ähnlich gefährliche Sachen anstellen, nicht aber mit seinem Struppi Gassi gehen?

Diesen Missstand aber will ich dem NHundG  gar nicht zum Vorwurf machen. Es ist eigentlich ein hübsches Gesetz, mit etlichen sogar sinnvollen Regelungen. Es kommt vermutlich einfach nur wieder so spröde niedersächsisch daher, dass man es nicht mögen mag. Ein kulturelles Problem.

In Italien beispielsweise gibt es ein sehr ähnliches Gesetz, das „Ordinanza (...) concernente la tutela dell᾽incolumità pubblica dall᾽aggressione dei cani“. Schön, nicht wahr. Und während wir Niedersachsen eine Sachkundeprüfung ablegen, wird dort ein „Patentino“ (Führerscheinchen) empfohlen. Nett.

Michael Brakemeier

Aber verlassen wir die Tierwelt. Hinein in die Welt der Lokalpolitik. Der Rat hat entschieden: Die Häuser in der Bürgerstraße soll der Bielefelder Galerist Nathan Koch kaufen.

Die Teile der hiesigen Kulturszene schütteln den Kopf. Und auch bei Verwaltung, Politik und auch bei der Spitze der GWG mag sich nach erster Euphorie über einen geglückten Deal Katerstimmung breitmachen.

Dann nämlich, wenn man merkt, dass Kochs Konzept für die Häuser doch sehr stark an die Pläne für das bislang nur auf dem Papier existente für Kreativzentrum erinnern, das die GWG in der Güterbahnhofstraße eröffnen will.

So holt man sich die Konkurrenz für eine städtische Gesellschaft selbst in die Stadt und vergrätzt die heimischen Kulturakteure, die sich engagieren wollen.

Bleibt noch, uns allen eine „Buone Vacanze“ oder SUrlaubZ zu wünschen.

Von Markus Scharf und Michael Brakemeier