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Göttingen Wohnungen in Göttingen immer teurer
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00:18 24.11.2017
Wohnungsknappheit in Göttingen: In Grone sicherte sich die Stadt den Zugriff auf 25 leerstehende Wohnungen.
Wohnungsknappheit in Göttingen: In Grone sicherte sich die Stadt den Zugriff auf 25 leerstehende Wohnungen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Seit einigen Jahren untersucht das Institut die Entwicklungen auf dem Göttinger Mietwohnungsmarkt im Rahmen eines Forschungsseminars. Nach der jüngsten Erhebung liegt der durchschnittliche Angebotsmietpreis im Jahr 2017 - Erhebungszeitraum Juni und Juli - bei 9,98 Euro pro Quadratmeter (Netto-Kaltmiete), erklärt Untersuchungsleiter Michael Mießner. Damit stieg der Angebotsmietpreis gegenüber dem Vorjahr um 3,88 Prozent.

Erst kürzlich hatte die Immobilien-Plattform immowelt.de den Mietanstieg in Göttingen auf nur ein Prozent beziffert. Sein Institut, erklärte Mießner dazu, komme jedoch zu deutlich höheren Zahlen.

Allerdings habe sich die Steigerungsrate, wie auch schon im Vorjahr, etwas verlangsamt. Die Dynamik hält aber weiter an, sagt Mießner. Innerhalb von vier Jahren seien die Angebotsmieten um knapp ein Viertel (24,6 Prozent) gestiegen. Der Stadtteil mit den höchsten Angebotsmietpreisen bleibt die Nordstadt, in der unter anderem wegen der geringen Wohnungsgrößen die durchschnittlichen Mietpreise bei etwa zwölf Euro pro Quadratmeter liegen. Überdurchschnittliche Mietpreise werden auch in Weende und der Innenstadt erzielt.

Höchste Mietpreissteigerung in Grone

Die höchsten Mietpreissteigerungen sind in diesem Jahr in Grone mit 8,5 Prozent zu verzeichnen, gefolgt von der Südstadt mit etwa 7,0 Prozent. Außerdem waren noch in Weende mit vier Prozent leicht überdurchschnittliche Mietpreissteigerungen nachweisbar. Mießner: „Die Entwicklung in Grone macht einen Trend deutlich, der sich schon in den vergangenen Jahren andeutete, dieses Jahr aber noch stärker zum Tragen kommt: Die Stadtteile mit vergleichsweise geringen Mietpreisen haben die höchsten Mietpreissteigerungen zu verzeichnen. So ist Grone auch der Stadtteil, der über den gesamten Zeitraum seit 2013 nicht nur den höchsten relativen Mietpreiszuwachs von über 40 Prozent, sondern mit 2,29 Euro auch absolut die höchsten Mietpreissteigerungen verzeichnete.“

Dies sei stadt- und sozialpolitisch auch deshalb problematisch, weil bisher gerade in Grone-Süd aufgrund der vergleichsweise günstigen Mietpreise ein großer Anteil an Personen mit geringen Einkommen wohnte. Mießner weiter: „Eine ähnliche Entwicklung ist in der Weststadt zu verzeichnen, in der die Mietpreise immerhin um etwa 24 Prozent stiegen. Vor dem Hintergrund einer etwas anderen Konstellation sind die Mietpreise in Weende über den Untersuchungszeitraum um knapp 27 Prozent – absolut um 2,28 Euro – angestiegen. Weende war jedoch schon 2013 durch überdurchschnittliche Mietpreise gekennzeichnet.“ Hier nutzten Vermieter und Investoren offensichtlich die Wohneigenschaften der Studenten aus, um hohe Mietpreissteigerungen durchzusetzen.

Günstiges Mietpreissegment immer knapper

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Das günstige Mietpreissegment wird immer knapper. So sank der Anteil der Wohnungsangebote mit einer Nettokaltmiete von maximal 7,49 Euro pro Quadratmeter von etwa 43 Prozent im Jahr 2013 auf etwa 13 Prozent im laufenden Jahr. Das sei zurzeit das größte Problem auf dem Göttinger Wohnungsmarkt, meint Mießner: „Bezahlbarer, insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen erschwinglicher Wohnraum wird in der Stadt Göttingen sehr knapp. Hier gilt es dringend Abhilfe zu schaffen.“

Eine Ausweitung des Angebots fand im laufenden Jahr im mittleren Preissegment von 7,50 Euro bis 9,99 Euro pro Quadratmeter statt. Dieses Segment sei gegenüber dem Vorjahr zwar gewachsen, jedoch beruhe dies auf einer Ausweitung der Angebote mit mehr als 8,50 Euro pro Quadratmeter. Die Zahl der günstigeren Angebote bis 8,50 Euro pro Quadratmeter seien dementsprechend anteilig gesunken.

Immobilien als sichere Kapitalanlage

Als Ursache für diese Entwicklungen hat Meißner ausgemacht, „dass im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise Immobilien zunehmend als sichere Kapitalanlage gelten. Dies hat zur Folge, dass Investitionen in der Bundesrepublik Deutschland zunächst in die Ballungsräume und Metropolen flossen.“ Seitdem dort die Renditen sänken, rückten Universitätsstädte und Regionalzentren zunehmend in den Fokus der Anleger. Aber auch die kleinen lokalen Privatinvestoren nutzten den Göttinger Immobiliensektor mittlerweile als wichtige Kapitalanlage, da aufgrund der Krise andere Geldanlagen nur geringere Renditen versprechen, Auch solche Anleger hätten ein Interesse, mit ihren Wohnimmobilien möglichst hohe Renditen zu erzielen.

Die Entwicklungen auf dem Göttinger Wohnungsmarkt seien „besorgniserregend und so nicht tragbar“, kommentiert der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) die Studie Mießners. Wenn Bund, Land und Kommune nicht schnell ein Investitionsprogramm auf den Weg brächten, stehe der Göttinger Wohnungsmarkt vor dem Kollaps, erklärt die AStA-Vorsitzende Silke Hansmann. Zusätzlich zu den allgemeinen Mietpreissteigerungen habe das Studentenwerk Göttingen die Mieten im vergangenen Jahr „drastisch erhöht“, kritisiert Außenreferent Friedrich Paun.

Die Ergebnisse von Mießners Untersuchung werden ausführlich bei einem Vortrag auf Einladung des Vereins für interkulturelle Nachbarschaft in Grone am Donnerstag, 23. November, vorgestellt. Die Veranstaltung „Die Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt in der Weststadt/Grone“ im Nachbarschaftszentrum Grone, Deiststraße 10, beginnt um 19 Uhr.

Von Matthias Heinzel

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