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Göttingen Wüstenrennmäuse ausgesetzt – zwei Überlebende
Die Region Göttingen Wüstenrennmäuse ausgesetzt – zwei Überlebende
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18:44 28.07.2011
Von Katharina Klocke
Im Wald gefunden: Antje Feldhusen zeigt die ausgesetzten Wüstenrennmäuse.
Im Wald gefunden: Antje Feldhusen zeigt die ausgesetzten Wüstenrennmäuse. Quelle: Hinzmann
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Adelebsen/Northeim

Oder sie werden einfach ausgesetzt. Wie vor einigen Tagen ein Meerschwein und viele kleine Wüstenrennmäuse im Wald bei Adelebsen. Nur zwei der Nager überlebten ihren erzwungenen Ausflug in die Freiheit.

Sägespäne waren das erste, was Antje Feldhusen, Revierförsterin in Adelebsen der Niedersächsischen Landesforsten, und ihr Neffe Sebastian beim Waldspaziergang sahen. „Ich dachte erst, da hat jemand heimlich einen Baum gefällt“, erzählt Feldhusen. Dann stießen sie auf ein totes Meerschwein – und fanden etwas weiter entfernt unter einem Baumstamm etwa zehn leblose Mäuse. Und plötzlich bewegte sich etwas: „Einige Mäuse lebten offenbar noch“, erzählt die Försterin. Mit Hilfe ihres Neffen und eines Keschers fing sie zunächst eines der kleinen Tiere ein. Der 15-Jährige legte sich anschließend noch einmal auf die Lauer – und konnte schließlich ein zweites Mäuschen vor dem sicheren Tod retten. „Die können hier gar nicht überleben“, sagt Feldhusen.

Ein Einzelfall sei der Tierfund nicht: „Im vergangenen Jahr hat ein Kollege ein Kaninchen im Karton gefunden.“ Dass ein Mensch einfach in den Wald geht und den Inhalt seines Käfigs mitsamt Haustieren entsorgt, ist für die Försterin verantwortungsloses Handeln. „Es muss doch jedem klar sein, was es bedeutet, ein Tier zu haben.“
Auch auf den Tierbestand im Tierheim Northeim hat sich die Ferienzeit in diesem Jahr ausgewirkt. „Es werden viele Katzen an unserem Grundstück ausgesetzt und vor kurzem auch ein etwa fünf Jahre alter Labradormischling“, erzählt Tierheimleiterin Tanja Leinert. Manchmal geben Menschen vermeintlich zugelaufene Vierbeiner ab, „und es ist eigentlich klar, dass das Tier sie gut kennt“. So etwa vor einigen Tagen, als ein Mann einen Schäferhundmischling brachte. „Den mussten wir aber an das Tierheim Einbeck verweisen.“ Andererseits gebe es auch Familien, die gerade in der Ferienzeit einem verwaisten Tier ein neues Zuhause geben wollen. „Dann sind sie zu Hause und haben Zeit für das Tier“, berichtet Leinert.

Auch für die kleinen Adelebser Rennmäuse ist wahrscheinlich schon eine Lösung gefunden. Feldhusens Neffe will die kleinen Wüstentiere aufnehmen. „Seine Eltern haben schon zugestimmt“, freut sich die Forstfrau.