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Göttingen XLab-Gründerin erhält Initiativpreis
Die Region Göttingen XLab-Gründerin erhält Initiativpreis
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11:05 08.01.2019
Eva-Marie Neher im XLab. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Zum 1. Januar hat nun Prof. Thomas Waitz die Leitung übernommen. Für ihr Engagement fürs XLab wird Neher beim Neujahrsempfang der Stadt am 8. Januar gewürdigt.

Seit 1996 hat die Biochemikerin und Lehrerin Eva-Maria Neher an dem Konzept für ein Experimentallabor für Schüler gearbeitet. Im Jahr 2000 war es soweit, das Göttinger XLab wurde gegründet. Am Anfang, so erzählt Neher, sei es ganz leicht gewesen, Mitstreiter und finanzielle Unterstützer zu finden. Damals waren die Studierendenzahlen in den Naturwissenschaften massiv zurückgegangen. Andererseits sei allen klar gewesen, „dass wir dringend naturwissenschaftlich-technisch ausgebildete Menschen brauchen“, erzählt die XLab-Gründerin.

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„Unser Leben ist von Kenntnissen in diesen Bereichen abhängig.“ Aber wie sollte man die jungen Menschen finden, die sich mit naturwissenschaftlicher Forschung identifizieren? „Die müssen das erfahren“, war sich Neher von Anfang an sicher. Nicht über einfache Experimente, sondern über anspruchsvolle Forschungsarbeit.

18 Jahre Engagement fürs XLab

Schüler aus 37 Ländern haben seitdem im XLab Kurse belegt. Zu den besonderen Erlebnissen von denen Neher nach 18 Jahren XLab spricht, gehören die Begegnungen mit den ehemaligen Teilnehmern, den Alumnis. Viele sind darunter, die heute gute Positionen in der Forschung bekleiden.

Diese Begegnungen sei „unheimlich reich“, so Neher. In der Regel seien die Schüler ohne Erfahrung angekommen, Camps kannten sie zwar. Aber ihre Erwartung sei gewesen, dass es auch hier ein bisschen Sport, Unterhaltung und ein paar Vorträge geben werde. „Und dann haben sie hier drei Wochen forschendes, experimentierendes Lernen kennengelernt“. Die meisten seien überrascht und begeistert gewesen. „Sie schätzten die Herausforderung.“ Und erzählten ihr später, die drei Wochen hätten sie maßgeblich in ihrer beruflichen Entscheidung beeinflusst.

Besuch von Bundespräsidenten

Ihre Mitarbeiter haben Neher zum Abschied Ende Dezember ein Buch geschenkt mit vielen Briefen, Danksagungen der Alumni und jeder Menge Fotos. Darunter auch viele mit Politikern. Viele waren im XLab, darunter die Bundespräsidenten Horst Köhler und Joachim Gauck, die Ministerpräsidenten David McAllister und Stephan Weil. Für die Schüler seien diese Besuche immer enorm aufregend gewesen. „Sie durften keine Taschen in die Räume mitnehmen, vorher wurde alles mit Hunden abgesucht.“ Herzlich seien diese Treffen gewesen, das XLab sei immer bewundert worden.

Und trotzdem folgten nach den einfachen Anfangsjahren die immerwährenden Kämpfe um das Geld. Das Göttinger XLab war Modell für viele weitere Schülerexperimentier-Labore in Deutschland, Europa und Asien. Es blieb aber das einzige eigenständige mit einem eigenen Gebäude. Die meisten anderen seien an den Hochschulen angesiedelt, zum Teil in der Fachdidaktik, zum Teil in der Öffentlichkeitsarbeit, so Neher. 2011 wurde zwar eine Förderung des XLab langfristig im niedersächsischen Landeshaushalt verankert. „Leider aber seitdem nicht mehr erhöht.“

Eingliederung in die Universität

Und so wurde es mit der Eigenständigkeit schwerer. Das XLab war als Verein organisiert. Um Entscheidungen auf eine breitere Basis zu stellen, ließ Neher den Verein 2014 umwandeln in einen Verein mit Aufsichtsrat. „Es sollten einfach andere mitgucken, ob wir mit unseren Entscheidungen richtig liegen.“ Schon im Zuge dieser Veränderungen wuchs bei ihr die Hoffnung, das eine Angliederung an die Universität positiv sein könne. Eine Angliederung als zentrale Einrichtung mit eingebundener Autonomie in den Bereichen Finanzen und Personal. Auf Basis dieser Vorstellungen habe sie die Eingliederung empfohlen.

Allerdings habe sich nicht alles so entwickelt, wie sie sich das gewünscht habe, so Neher. Die Aushandlung einer Ordnung für das XLab und die Überleitung in die Organisationsstrukturen der Universität haben erhebliche Neuoorganisationen bedeutet. Nachdem sie beschlossen hatte in den Ruhestand zu gehen, habe die Universität Göttingen, in deren Trägerschaft das XLab seit Januar 2018 ist, entschieden, keine hauptamtliche Direktorenstelle mehr auszuschreiben. Die wissenschaftliche Leitung hat zum 1. Januar 2019 Prof. Thomas Waitz, Fachdidaktik Chemie übernommen.

Künftige Zusammenarbeit gestalten

„Wie sich die Zusammenarbeit in Zukunft gestalten wird, ist noch nicht klar. Das werden wir in den nächsten Wochen ausarbeiten“, so Neher. Sie bleibt Vorsitzende der Stiftung, wird sich um das Gästehaus kümmern. Und „ich werde Thomas Waitz in jeder Hinsicht unterstützen.“

Initiativpreis der Litfin-Stiftung

Beim Neujahrsempfang der Stadt Göttingen erhält Dr. Eva-Maria Neher den Initiativpreis der Susanne und Gerd Litfin Stiftung. Bereits zum dritten Mal wird die Auszeichnung vergeben. „Wir wollen damit Menschen würdigen, die Initiativen für die Region ergreifen, die nachhaltig etwas verändern“, so Gerd Litfin.

Neher und das von ihr gegründete und bis Ende 2018 geführte XLab seien dafür ein wunderbares Beispiel, so Litfin. Aus ihrer Erfahrung als Lehrerin habe sie die Erkenntnis gewonnen, dass man den Kindern mehr bieten müsse als Unterricht, um sie für die Naturwissenschaften zu begeistern. Dass sie die Chance haben müssten, praktisch zu arbeiten. Mit unheimlicher Energie habe Neher das Labor für Schüler immer weiterentwickelt. Es sei ein Vorzeigeprojekt der Region geworden, das nach außen strahle.

Die Susanne und Gerd Litfin Stiftung hat den Preis anlässlich ihres 10. Stiftungsjubiläums ausgelobt. Er ist mit 5000 Euro dotiert und wurde 2017 das erste Mal vergeben, an Wolfgang Brunk von der Göttinger Erdbebenwarte. 2018 erhielt Thomas Suermann den Preis, der das Projekt für „Fit für Pisa“ an den Göttinger Grundschulen etabliert hat.

Von Christiane Böhm