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Göttingen Zahl der Mücken auch in Göttingen gestiegen
Die Region Göttingen Zahl der Mücken auch in Göttingen gestiegen
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18:03 14.07.2013
Von Britta Bielefeld
Plagegeist: Die Mücke.
Plagegeist: Die Mücke. Quelle: dpa
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Göttingen

„Wir haben mehr Mücken und dadurch vermehrt Anfragen zu diesem Thema“, bestätigt Helmut Eiffert, Professor und Chef der Abteilung Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Göttingen. Und: „Mückenstiche sind fast immer harmlos.“

Allerdings gebe es auch Fälle, die behandelt werden sollten. Treten etwa im direkten Zusammenhang mit Insektenstichen grippeähnliche Symptome, Fieber oder Kreislaufbeschwerden auf, rät Eiffert, einen Arzt aufzusuchen und klären zu lassen, ob es mit dem Stich zusammen hängt.

Denn: durch Mücken werden zunehmend auch bislang kaum verbreitete Krankheiten übertragen. Der Oberarzt nennt das Chikungunyafieber und das Westnilfieber. Das sind Viruserkrankungen, die eigentlich am indischen Ozean und Afrika zuhause waren.

Nur im Einzelfall gefährlich

„Wir haben jetzt in Göttingen bereits Patienten behandelt, die in Norditalien durch einen Mückenstich mit Chikungunya infiziert wurden.“ Westnilfieber werde im Bereich des Unterlaufs der Donau übertragen.

Die zunehmende Verbreitung ehemals tropischer Spezies in Richtung Norden ist auch daran zu erkennen, dass Tigermücken, die in ihrer Heimat Denguefieber übertragen können, mittlerweile am Rhein und in Belgien vorkommen. Noch aber sind Mückenstiche nur im absoluten Einzelfall gefährlich.

Auch echte allergische Reaktionen darauf sind laut Eiffert extrem selten. „Nicht jede dicke Quaddel ist eine Allergie“, so der Mediziner. Die Quaddeln entstehen durch körpereigene Histamine, die eine Entzündungsreaktion an der Einstichstelle auslösen.

Apotheken und Drogerien sind gerüstet

Dort, wo die Mücke ihren Saugrüssel einsticht, wird Mückenspeichel mit gerinnungshemmender und schmerzstillender Wirkung injiziert.  Deshalb bemerken Menschen den Einstich häufig erst, wenn die körpereigene Abwehrreaktion einsetzt.

Auch wenn es noch so juckt: „Nicht kratzen“, empfiehlt der Mediziner. Dadurch können  Bakterien in die Einstichstelle gelangen und eine Entzündung auslösen. Besser sei kühlen, etwa mit mit feuchten Tüchern. Bei heftigen Reaktionen helfe auch eine Salbe mit einem Antihistamin.

Apotheken und Drogerien sind gerüstet: Sina Balkau von der Drogeriemarktkette Rossmann bestätigt eine bundesweit stark erhöhte Nachfrage nach Mückenmitteln: „Im Juni wurden 50 Prozent mehr davon verkauft als im Vorjahr“, sagt sie.

Die Lager seien dennoch gut mit den Präparaten gefüllt. Wenn es in einer Filiale mal einen Engpass gebe, dann nur kurzfristig.

Rund 50 verschiedene Mückenarten in Deutschland

Die Nachfrage nach Anti-Mücken-Produkten ist in der Göttinger Kranich-Apotheke hingegen noch nicht außergewöhnlich hoch. Das sagt Apothekerin Claudia Rösche. Sie beobachtet derzeit eher eine erhöhte Nachfrage nach Zeckenabwehrmitteln und -entfernungswerkzeugen.

Aber: „Das kann ja noch kommen“, so Rösche. Sie sei vorbereitet und ausreichend  mit allen Mücken-Mitteln eingedeckt.

Laut Eiffert leben rund 50 verschiedene Mückenarten in Deutschland. Welche wo verbreitet sind, das werde zurzeit von Wissenschaftlern kartiert. Eines aber gilt für alle Arten: Nur die Weibchen saugen Blut. „Die Männchen sind mit Zuckerwasser zufrieden“, erklärt der Wissenschaftler.

Dass die Tiere deswegen auf „süßes Blut“ fliegen, sei Unfug. „Die Mücken reagieren vielmehr auf Kohlendioxid sowie auf Milchsäure- und Buttersäure-Aroma. Deshalb stechen sie auch so gerne in Füße.