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Göttingen Zahl der Infektionen mit Rotaviren steigt
Die Region Göttingen Zahl der Infektionen mit Rotaviren steigt
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18:59 18.07.2019
Hände desinfizieren: Wichtige Maßnahme um die Verbreitung des Rotavirus zu vermeiden. Quelle: dpa
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Göttingen

Infektionen mit Rotaviren sind seit 2001 meldepflichtig beim Robert-Koch-Institut (RKI), Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Rotaviren lösen starken Brechdurchfall aus. Die Krankheit betreffe vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Bei ihnen fehle noch eine rotavirenspezifische Immunität, so das RKI. Wegen des Flüssigkeitsverlusts sei die Krankheit für Säuglinge und Kleinkinder besonders gefährlich. Bei Erwachsenen verlaufe die Erkrankung meistens milder.

Gründe unklar

Nach Angaben des Gesundheitsamtes Göttingen haben die Zahlen für Stadt und Landkreis die Vorjahreswerte bereits überstiegen. 2018 wurden insgesamt 34 Infektionen gemeldet, 2019 sind es nach Angaben des Gesundheitsamtes der Stadt bis jetzt schon 38 Infektionen. Die IKK classic Krankenkasse hat die aktuelle Statistik des RKI ausgewertet. Demnach wurden bis Ende der 25. Kalenderwoche (bis 23. Juni) in Niedersachsen 2964 Infektionen mit dem Rotavirus gezählt. Mehr als doppelt so viele, wie im gesamten Jahr 2018 (1377). Laut RKI sind die Gründe für den Anstieg unklar.

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An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) dagegen könne, „abgesehen von einer in allen Jahren nachweisbaren leichten saisonalen Häufung im 2. Quartal, keine Erhöhung der Rotavirusnachweise verzeichnet werden. Insgesamt sind die Fallzahlen statistisch gesehen im Verhältnis so niedrig, dass sie nicht signifikant sind“, sagt Dr. Andreas Zautner vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Göttingen.

Übertragung durch Schmierinfektionen

Rotaviren werden fäkal-oral besonders durch Schmierinfektion, aber auch durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel übertragen, so das Gesundheitsamt. Das Virus sei sehr leicht übertragbar; bereits zehn Viruspartikel reichten aus, um ein Kind zu infizieren. Nach ein bis drei Tagen setzen die Symptome ein.Wichtig sei wegen der leichten Übertragung auf Hygiene zu achten, vor allem auf konsequentes Händewaschen und -desinfektion, so das RKI. Die Ausbreitung von Rotavirusinfektionen in Kinderkliniken, Kindergärten und ähnlichen Einrichtungen wie zum Beispiel Seniorenheimen könne nur durch das strikte Befolgen konsequenter Hygienevorschriften verhindert werden, bestätigt das Gesundheitsamt Göttingen.

Säuglinge und Kinder erkranken häufig bei der Behandlung oder dem Aufenthalt im Krankenhaus an den Rotaviren. Hier sei es für das Personal wichtig, Handschuhe und Schutzkittel zu tragen. Patientennahe Flächen und Handkontaktflächen (beispielsweiseTürgriffe) sowie Toiletten und Waschbecken müssten regelmäßig desinfiziert werden, so das RKI.

Andererseits müsse ein erkranktes Kind nicht unbedingt ins Krankenhaus. „Eine stationäre Behandlung von Kindern mit einer Rotavirusinfektion ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung“, sagt Dr. Zautner. Eine Behandlung in einem Krankenhaus sei angezeigt, wenn bei einem Kind ein starker Flüssigkeitsverlust vorliege, das Trinkverhalten, insbesondere bei Säuglingen, vermindert sei, und damit eine Kreislaufschwächung verbunden oder zu befürchten ist. „Laut Statistik des Robert-Koch-Instituts sind etwa die Hälfte der Rotavirus-infizierten Kinder mit einem Alter unter fünf Jahren stationär behandlungspflichtig“, so Dr. Zautner.

Impfung für Säuglinge

Seit einigen Jahren gibt es eine Impfung gegen Rotaviren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit 2013 die Schluckimpfung für alle Säuglinge unter sechs Monaten. Sie sollte möglichst bis zum Alter von 12 Wochen begonnen werden. Je nach Impfstoff sind zwei oder drei Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von vier Wochen notwendig.

Von Christiane Böhm

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